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Hüftschaden: Neue Therapie macht OP überflüssig

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Hüftoperation  

Neue Therapie erspart Hüftoperation

04.11.2008, 14:13 Uhr | dpa

Viele Hüft-Operationen sind vermeidbar. (Foto: imago)Viele Hüft-Operationen sind vermeidbar. (Foto: imago)Es ist ein stechender Schmerz, der in die Hüfte schießt. Er bleibt aber nicht lange so stark, sonst würden die Betroffenen rasch zum Arzt gehen. "Wenn man zu lange wartet, verschließen sich die Gefäße. Danach ist der Hüftkopf nicht mehr mit Blut versorgt, der Knochen stirbt ab, und der Patient kommt um eine Hüftprothese nicht mehr herum." So beschreibt der Chef der Orthopädischen Universitätsklinik in Rostock, Wolfram Mittelmeier, das Geschehen bei einem Hüftinfarkt, wie er pro Jahr deutschlandweit tausendfach vorkommt.

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Hüftinfarkt: Viele gehen zu spät zum Arzt

Viele Hüftoperationen nach einem Hüftinfarkt (Fachausdruck: Hüftkopfnekrose), bei denen ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wird, müssten nach Meinung Mittelmeiers nicht sein. "Einige tausend Hüften könnten wir retten, wenn wir die Patienten rechtzeitig behandeln könnten." Rechtzeitig bedeute, dass sich die Betroffenen innerhalb weniger Wochen bei einem Orthopäden melden. Der Hüftinfarkt ist nach Worten Mittelmeiers eine der typischen Zivilisationskrankheiten: "Ursachen sind meist Rauchen, zu hohe Blutfettwerte und zu hoher Alkoholkonsum."

Elektroden lassen neue Knochen wachsen

Das Prinzip der neuen Behandlung beruht auf der Erkenntnis, dass sich über Elektrostimulation Zellen zur Teilung anregen lassen, dies passiert auch beim Knochenaufbau. Mittelmeier und sein Team entwickelten eine rund 20 Jahre alte Idee von Forschern weiter, die mit zwei Schrauben als Elektroden und einer elektrischen Spule Knochenzellen wachsen ließen und schwer heilende Knochenbrüche unterstützen konnten.

Mini-OP setzt Schrauben ein

"Für unsere Hüftinfarkt-Patienten brauchen wir den Strom im Knochen", schildert Mittelmeier die Ausgangssituation. Es sei nun gelungen, das ganze System mit Elektroden und Spule in eine sieben Zentimeter lange und sechs Millimeter dicke Schraube hineinzubekommen. Diese wird in einer minimalinvasiven Operation nahe an den Hüftkopf herangeführt. Anschließend werde zu Hause das System mehrere Stunden pro Tag von außen mit Energie versorgt, die dann von den Elektroden gezielt an den Hüftkopf abgegeben wird. Die Zellen im Knochen und den Gefäßen reagieren darauf, die Hüfte könne sich regenerieren. Der Einsatz der Schraube erfolgt ambulant, eine aufwendige Rehabilitation sei nicht notwendig - ein starkes Argument für Verhandlungen mit den Krankenkassen.

80 Prozent Erfolgsquote

200 Patienten seien in München, Eisenberg (Thüringen) und Rostock in den vergangenen vier Jahren so behandelt worden. Die Heilungsquote liege bei 80 Prozent, wenn die Knorpeloberfläche des Hüftkopfes noch erhalten ist. Vor wenigen Wochen hat eine kontrollierte klinische Studie begonnen. Ein US-Medizinkonzern habe angekündigt, die «Schraube» in Serie produzieren zu wollen.

Gehfähigkeit soll erhalten bleiben

Die Forschungen an dem System gehen weiter, berichtet Hartmut Ewald, Direktor des Instituts für Allgemeine Elektrotechnik an der Universität Rostock. Es müsse überprüft werden, welche elektrischen Feldstärken benötigt werden, um die Zellen optimal zu stimulieren. Forschungen gebe es auch an Wechselimplantaten, die dann zum Einsatz kommen können, wenn sich bei künstlichen Gelenken im Laufe von etwa 15 bis 20 Jahren der umgebende Kochen zurückgebildet hat. Mit elektrischen Feldern solle nun erreicht werden, dass sich in diesen Regionen der Knochen regeneriert und so die Gehfähigkeit der Patienten erhalten bleibt.

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