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Nasenspray bei Erkältungen: Frei Atmen um jeden Preis?

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Erkältung  

Suchtgefahr durch abschwellendes Nasenspray

12.12.2017, 11:20 Uhr | jlu, lk, t-online.de

Nasenspray bei Erkältungen: Frei Atmen um jeden Preis?. Frau verwendet Nasenspray (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/CentralITAlliance)

Nasenspray kann schon nach kurzer Zeit süchtig machen. (Quelle: CentralITAlliance/Thinkstock by Getty-Images)

Über 100.000 Deutsche greifen regelmäßig zu Nasenspray – es wird davon ausgegangen, das viele von ihnen bereits abhängig sind. Durch abschwellende Nasentropfen oder -spray wird die Nase bei Erkältungen mit Schnupfen schnell wieder frei. Richtig angewendet können solche Mittel medizinisch sinnvoll sein. Bei falschem Gebrauch kann es aber zu einer gefährlichen Abhängigkeit mit gravierenden Folgen kommen.

Die Betroffenen verspüren den Zwang, Nasenspray zu benutzen, um wieder frei atmen zu können. Wir haben mit Dr. Peter Jochimsen, HNO-Spezialist der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, über die Gefahren von Nasenspray gesprochen. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten zum Thema Nasenspray.

Verstopfte Nase durch Schwellung der Schleimhaut

Wer erkältet ist, hat oft eine verstopfte Nase und bekommt schlecht Luft. Schuld daran sind Schwellkörper in der Nase, die sich bei Infektionen im Bereich der Nasenschleimhaut verdicken. "Wird in dieser Situation ein abschwellendes Nasenspray genommen, ziehen sich die Gefäße in der Nase zusammen. Die Durchblutung wird gesenkt und die Belüftung der Nase verbessert sich", sagt Dr. Peter Jochimsen, Leitender Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen- Ohren-Heilkunde. Denn je weniger Blut in der Nase zirkuliert, desto weniger schwillt die Schleimhaut an und man kann besser durch die Nase atmen. Das Spray belüftet so die Nasennebenhöhlen und beugt einer Entzündung vor. "Vernünftig angewendet, ist Nasenspray für Schnupfnasen also nicht schädlich", weiß der Facharzt.

Wer nicht ohne Nasenspray zurechtkommt, ist abhängig

Die heilende Wirkung von Nasenspray gilt aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Bereits nach sieben Tagen Anwendung besteht die Gefahr der Abhängigkeit. "Kann man sich jetzt nicht vom Nasenspray lösen, hat sich der Körper an die freie Nase und damit an die Wirkung des Sprays gewöhnt. Verstopft die Nase erneut, verlangt der Körper nach dem befreienden Medikament", warnt Dr. Jochimsen. Die Abhängigkeit entsteht also aus einem Teufelskreis heraus: Schon bei der geringsten Schwellung der Nasenschleimhäute muss das Spray benutzt werden. Manche Betroffene haben auch das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und reagieren mit Erstickungsängsten.

Trockene Schleimhäute, Nasenbluten und Riechstörungen

Die Funktion der Nasenschleimhäute besteht darin, die Atemluft anzufeuchten. Abschwellendes Nasenspray, das über einen längeren Zeitraum verwendet wird, zerstört diesen natürlichen Mechanismus: Die Schleimhaut in der Nase trocknet aus. Auch Riechstörungen oder Nasenbluten können als Nebenwirkungen bei permanentem Spray-Gebrauch auftreten. Wer Nasensprays länger als ein Jahr verwendet, muss sogar mit bleibenden Schäden seiner Nasenschleimhäute rechnen. Außerdem lässt die befreiende Wirkung des Sprays nach, die verstopfte Nase geht nicht mehr weg.

Die Ursachen müssen geklärt werden

In Deutschland sind laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen weit über 100.000 Menschen von einer solchen Abhängigkeit betroffen. Dr. Peter Jochimsen schätzt die Dunkelziffer jedoch höher ein, da es abschwellende Nasensprays rezeptfrei in jeder Apotheke zu kaufen gibt. "Am vernünftigsten ist es, von einem Arzt die Ursache der Abhängigkeit klären und beheben zu lassen", rät Dr. Jochimsen. So führen oft eine verkrümmte Nasenscheidewand, Polypen, zu große Nasenmuscheln oder Allergien zum andauernden Nasenspray-Gebrauch.

Die Schleimhaut langsam entwöhnen

Ist die Ursache der Abhängigkeit gefunden, muss der Betroffene noch vom Gebrauch des Sprays loskommen. Die radikalste Methode: totaler Verzicht. Sanfter ist es, wenn man die Konzentration des Sprays reduziert. "Einfach die halb leere Sprühflasche mit Wasser auffüllen und nach und nach die Konzentration weiter verdünnen", empfiehlt Dr. Jochimsen. So entwöhnen Sie die Schleimhaut langsam von dem Wirkstoff und sie kann sich regenerieren. Eine Alternative bei einer leicht verstopften Nase sind Meerwassernasensprays oder Nasentropfen für Kinder. Sie wirken zwar nicht abschwellend, befeuchten aber die Schleimhäute, erleichtern das Atmen und machen nicht abhängig.

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