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Aids: Diese Hintergründe und Fakten sollten Sie kennen

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Fortschritte im Kampf gegen Aids  

Neue UNO-Zahlen machen Hoffnung

20.07.2017, 16:33 Uhr | ag/lk, t-online.de, AFP

Aids: Diese Hintergründe und Fakten sollten Sie kennen. Bei der Behandlung von Aids hat die Medizin große Fortschritte gemacht. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/EzumeImages)

Bei der Behandlung von Aids hat die Medizin große Fortschritte gemacht. (Quelle: EzumeImages/Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahl der Aids-Toten hat sich beinahe halbiert und zwar innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Das teile die UN-Organisation Unaids mit. Im Jahr 2016 starben weltweit eine Million Menschen an der Immunschwächekrankheit. Im Jahr 2005 waren es noch 1,9 Millionen Menschen  – das war das Allzeithoch der Pandemie.

Wie hat sich Aids in den vergangenen Jahren entwickelt?

Auch die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus ist im vergangenen Jahr zurückgegangen auf 1,8 Millionen. Das waren knapp halb so viele wie der Höchststand von 3,5 Millionen Neuinfektionen im Jahr 1997.

Parallel dazu stieg die Zahl der Infizierten, die mit HIV-Medikamenten behandelt werden, auf ein historisches Hoch. "2016 hatten 19,5 Millionen der 36,7 Millionen Menschen mit HIV Zugang zu Behandlung", heißt es in dem Unaids-Bericht. Damit würden erstmals mehr als die Hälfte aller Infizierten weltweit medikamentös behandelt.

Die größten Fortschritte im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit sieht Unaids im östlichen und südlichen Afrika. Dort sank die Zahl der Todesfälle dem Bericht zufolge seit 2010 um 42 Prozent. Die Region ist besonders von HIV betroffen: Hier lebt rund die Hälfte aller weltweit Infizieren.

Dank wirkungsvoller Medikamente ist Aids heutzutage kein Todesurteil mehr und lässt sich gut behandeln. Dass diese Entwicklung bei vielen zu Sorglosigkeit geführt hat, ist jedoch ein gefährlicher Trend. Denn HIV vorzubeugen, ist in jedem Fall besser, als lebenslang die Infektion zu bekämpfen. Zehn Fragen und Antworten zu Aids.

Aids-Pille als Schutz gegen die HIV-Infektion?

Nicht nur die Therapiemöglichkeiten von Aids haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Auch in der Prävention gibt es Fortschritte: So wurde im Herbst 2016 die Aids-Pille Truvada in der EU für Risikopatienten zugelassen. Das tägliche Schlucken der Tablette soll Gesunde vor einer Ansteckung durch ihre infizierten Partner schützen. Studien zufolge sinkt das Risiko dabei um bis zu 75 Prozent. Einen absoluten Schutz gibt es somit nicht. Außerdem ist die Pille sehr teuer. So liegen die Kosten für eine Behandlung mit Truvada jährlich bei rund 12.000 Euro. Zudem kann Truvada die Knochen und die Nieren schädigen und eine Infektion mit Hepatitis B verschlimmern. Daher sind sich alle Experten einig, dass die medikamentöse Vorbeugung allein selbst bei rigoroser Anwendung keinen optimalen Schutz bietet. Das beste Mittel zur Prävention sind daher immer noch Kondome.

Auch für Paare ist Aids ein wichtiges Thema

"Aids? Betrifft mich nicht – ich lebe doch in einer festen Partnerschaft." So oder ähnlich denken viele Menschen über eine HI-Infektion. Doch laut Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stecken sich viele Menschen gerade in einer festen Beziehung an. Denn viele Paare schützen sich zwar am Anfang ihrer Beziehung mit Kondomen. Mit zunehmender Vertrautheit rückt jedoch der Gedanke an Aids in weite Ferne. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts lebten Ende 2011 rund 73.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland, dabei gab es rund 2.700 neue Ansteckungen. Zwar gelten homosexuelle Kontakte unter Männern noch immer als Hauptübertragungsweg des HI-Virus. Doch etwa jede fünfte Infektion erfolgt durch heterosexuelle Kontakte zwischen Männern und Frauen. Viele Singles schützen sich bei Affären oder One-Night-Stands mit Kondomen. Doch als Paar wiegt man sich oft schon nach wenigen Wochen in trügerischer Sicherheit. Den Partner nach einem HIV-Test zu fragen, fällt vielen Menschen schwer. Die zweite Möglichkeit, sich innerhalb einer Partnerschaft zu infizieren, ist ein Seitensprung.

Ist Aids immer noch tödlich?

Ein Grund für die Sorglosigkeit der Menschen ist die Tatsache, dass die Zahl der verstorbenen Infizierten seit Jahren sinkt. Grund dafür sind bessere Therapien: Wer frühzeitig Medikamente nimmt, kann den Ausbruch von Aids um Jahre oder sogar Jahrzehnte hinauszögern. Manche Patienten leben ähnlich lange wie gesunde Menschen. Außerdem konnten Forscher nachweisen, dass eine frühe und konsequente Therapie die Virusmenge im Körper so stark senkt, dass die Infizierten nicht mehr ansteckend sind. Trotz der medizinischen Fortschritte ist Euphorie jedoch nicht angemessen. Denn heilbar ist die Krankheit bis heute nicht.

Warum Küssen und Umarmen ungefährlich ist

So sorglos viele Menschen sind, solange sie in Ungewissheit leben, so unsicher werden sie, wenn sie einen HIV-Infizierten kennen lernen. Nicht alle wissen über die Übertragungswege Bescheid. Das HI-Virus wird fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr (Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr) übertragen. Denn nur im Blut sowie in Samen- oder Scheidenflüssigkeit ist der Erreger in nennenswerter Menge enthalten. Weitere Infektionsmöglichkeiten sind gemeinsam benutzte Spritzen, zum Beispiel bei Drogenabhängigen, sowie während Schwangerschaft oder Stillzeit eine Übertragung des Virus von der Mutter auf ihr Kind. Kein Risiko besteht hingegen bei normalen Hautkontakten sowie beim Küssen. Denn der Speichel enthält nur eine sehr geringe Virenkonzentration. Nur bei Verletzungen im Mund besteht theoretisch ein Infektionsrisiko. Außerhalb des Körpers stirbt der Erreger sehr schnell ab, weshalb man sich weder im Schwimmbad noch an gemeinsam benutzten Gegenständen wie Handtüchern oder Besteck anstecken kann.

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