Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Wechseljahre: Wie schlimm sind die Wechseljahre wirklich?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Wechseljahre  

Wie schlimm sind die Wechseljahre wirklich?

19.07.2011, 11:46 Uhr | tze

"Meine erste Hitzewallung hab ich im Supermarkt gekriegt. Das war fürchterlich peinlich! Ich bin wie eine Bekloppte zur Tiefkühltruhe gerannt und habe mir zwei Tiefkühlhähnchen links und rechts an die Schläfe gehalten." Offenherzig schildert die 52-jährige Schauspielerin Katerina Jacob ihre Erfahrungen mit den Wechseljahren in der Talkshow "Markus Lanz". Ein Tabubruch, denn die Wechseljahre werden zu Unrecht immer noch als Makel empfunden und von vielen Frauen - und Männern - verschämt durchlitten. Auslöser für eine neue, offene Diskussion über Wechseljahre ist Doris Dörries Unterhaltungsserie "Klimawechsel".

Vaginalstraffung und Hitzewallungen

Die Handlung der sechsteiligen ZDF-Serie, die am Mittwoch begonnen hat, ist schnell umrissen: Da ist die sich verzweifelt an die Reste ihrer Jugendlichkeit klammernde Mittfünfzigerin Beate (Ulrike Kriener), die ihr Sexleben mittels einer Vaginalstraffung aufpeppen will. Mauerblümchen Cornelia (Juliane Köhler) wird von Panikattacken gequält und lässt sich von einem minderjährigen Schüler schwängern. Die dicke Angelika (Maria Happel) törnt mit ihren nächtlichen Schweißattacken den durchtrainierten Ehemann ab und sucht Trost im Sufismus. Und die unter ständigem Schlafmangel und ihrem notorisch untreuen Partner leidende späte Mutter Desirée (Andrea Sawatzki) sagt Sätze wie: "Ich bin so müde, mir platzen die Titten". Überspitzt und gewagt ist diese ZDF-Serie. Sie rüttelt an Schamgrenzen und will das Publikum dennoch zum Lachen bringen. "Man kann nur komisch sein, wenn man den Ernst der Lage begreift", sagt Dörrie dazu.

Was während der Wechseljahre im Körper passiert

Komisch fühlen sich auch die meisten Frauen, die in die Wechseljahre kommen, doch zum Lachen ist ihnen weniger zumute. Etwa ab dem fünfzigsten Lebensjahr beginnen Veränderungen im Körper, die völlig natürlich sind, aber nicht zum allgegenwärtigen Ideal der ewigen Jugend passen. In diesem Zeitraum hat die Frau ihre letzte Regelblutung. Mit der Menopause endet die Fruchtbarkeit. Die Wechseljahre sind der Übergang zwischen den fruchtbaren und den unfruchtbaren Jahren. In den Eierstöcken reift nicht mehr regelmäßig ein Ei heran und sie produzieren weniger Hormone, bis der Östrogenspiegel gegen Null sinkt (Sexualität ab 45: Was sich durch die Menopause ändert). Dieser große Umbau im Hormonhaushalt macht sich körperlich und seelisch bemerkbar. Typische Beschwerden sind Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen, Kreislaufbeschwerden und Herzrasen, Schlafstörungen, Trockenheit der Scheide, spröde Haut und Haare, Gelenkschmerzen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen.

Ein Drittel der Frauen hat keine Beschwerden

Die Liste dieser Beschwerden klingt bedrohlich und liest sich wie die Aufzählung der Nebenwirkungen in einem Medikamentenbeipackzettel. Ähnlich verhält es sich: Nicht alle Beschwerden treten auf, und ein Drittel der Frauen durchlebt die Wechseljahre weitgehend unbeschwert. Diese Phase verläuft ganz individuell und abhängig von den Lebensumständen und der seelischen Verfassung einer Frau. Das spiegelten auch die Schilderungen in der Talkrunde bei Markus Lanz. Die Schauspielerin Maren Kroymann schildert Schlafstörungen, Schwindel, Herzrasen und die Panik, plötzlich etwas am Herzen zu haben. Aber: "Die gute Nachricht: Es geht vorbei und danach wird alles schöner. Wie nach der Pubertät." In einem stimmen Maren Kryomann, Katerina Jacob und Andrea Sawatzki überein: Aus den Wechseljahren geht man mit neuem Selbstbewusstsein hervor. "Ich sage jetzt ganz klar, was ich möchte", betont Jacob.

Wenn ältere Frauen aus dem Blickfeld der Männer verschwinden

Doch auf dem Weg zu neuem Selbstbewusstsein müssen Frauen auch Frusterlebnisse überwinden: Älter werdende Frauen erleben, wie Männerblicke schnell an ihnen abgleiten und an jüngeren hängen bleiben. "Ich gehe nie wieder mit meiner Tochter aus", ereifert sich Jacob. "Das ist das Frustrierendste, was es gibt." Sawatzki meint: "Frauen wird das Alter als Makel angelastet." Womöglich ist diese Erfahrung für viele belastender als die Beschwerden der Wechseljahre. Dabei schwindet die Lust am Sex in und nach den Wechseljahren keineswegs. Auch Sex im Alter war lange ein Tabuthema. Der Kinofilm "Wolke 9" und aktuell das Buch "Nacktbadestrand" zeigen unverblümt das intensive Sexleben jenseits der 70. Mit 79 Jahren erstmals einen Orgasmus erlebt - so schildert es die 80-Jährige Elfriede Vavrik, die zwei unglückliche Ehen und lange Einsamkeit hinter sich hat und nun per Kleinanzeigen jüngere Liebhaber sucht und findet.

"Wechseljahre zu hormonellem Problem stilisiert"

Und wie betrachten Mediziner die Wechseljahre? "Vor etwa 30 Jahren wurden die Wechseljahre zu einem hormonellen Problem stilisiert," sagt Professor Klaus Vetter, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Klinikum Neukölln und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Man habe das Heil in der Hormontherapie gesucht, bis diese wegen statistischer Häufung von Krebsfällen in Verruf geraten sei. Seitdem wogt der Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Hormontherapie hin und her. "Das ist ideologisch vermintes Gebiet", weiß Vetter. Er schlägt sich weder auf die eine, noch auf die andere Seite, sondern befürwortet individuelle Lösungen. "Wenn eine Frau stark unter Wechseljahresbeschwerden leidet, sollte sie Hormone nehmen und sich nicht von Statistiken irritieren lassen." Zum Beispiel, wenn heftige Hitzewallungen und Schweißausbrüche - darunter leidet jede zweite Frau in den Wechseljahren - im Arbeitsalltag zum Problem werden.

Hormone, Ernährungsumstellung oder Sport?

Es kursieren vielerlei Ratschläge, wie sich Wechseljahresbeschwerden ohne Hormontherapie lindern lassen. Es gibt umfangreiche Ratgeber über die richtige Ernährung in den Wechseljahren und pflanzliche Arzneien. Andere schwören auf Sport, Yoga und regelmäßige Saunagänge. Doch was der einen Frau hilft, bleibt bei der anderen wirkungslos oder löst schlimmstenfalls zusätzlichen Stress aus. "Das muss jede Frau für sich selbst ausprobieren", rät Vetter. Auf die Extreme zugespitzt: "Entweder man tut etwas dagegen oder man findet sich damit ab." Wichtig ist, dass die betroffenen Frauen ihre individuellen Probleme - auch die seelischen - vertrauensvoll mit dem Arzt besprechen können, um die beste Lösung zu finden.

"Eine große Rolle spielt das familiäre Umfeld"

Der Gynäkologe will die Wechseljahre nicht auf körperliche Beschwerden reduzieren. "Eine große Rolle spielen das familiäres Umfeld, das Beziehungsgeflecht und was man als normal empfindet und was nicht." Dazu gehöre auch, sich mit dem eigenen Leben, mit Wunsch und Wirklichkeit, auseinanderzusetzen. Das lässt sich auch auf das Sexleben übertragen. Nächtliche Schweißausbrüche und körperliches Unbehagen sind für beide Partner belastend. Aber eine Flaute im Bett lässt sich nicht nur auf die Wechseljahre schieben, denn langjährigen, eingefahrenen Beziehungen schwindet oft die Lust. Die muss man gemeinsam mit dem Partner wiederbeleben, was natürlich Offenheit und Vertrauen erfordert.

Haben auch Männer Wechseljahre?

Früher hieß es "Midlife Crisis", heute ist immer öfter von den Wechseljahren der Männer die Rede. Testosteronspiegel und Spermienproduktion sinken, die Potenz lässt nach und der Körper erschlafft. Aber Vetter schränkt ein: "Bei Frauen sinkt der Hormonspiegel von 100 auf 0, bei Männern gibt es einen Übergang von viel auf weniger. Das ist sehr unterschiedlich." Die Potenz leide auch unter Konflikten in der Partnerschaft sowie ungesunder Lebensweise wie Rauchen und Alkoholkonsum. Klar, für Männer gebe es Viagra - doch die Potenzpille sei "nur eine Krücke". Der Arzt warnt davor, Leistungsfähigkeit mit Zufriedenheit zu verwechseln. "Der Penis ist nur der Endpunkt einer komplexen Geschichte." Auch in der Männerheilkunde dürfe die biografische Situation nicht zu kurz kommen. Wichtig sei eine Beziehung, in der man sich wohlfühlt. Sowohl für Frauen als auch für Männer gelte: "Hormone alleine sind nicht die Lösung."

ratgeber.t-online.de: Diät in den Wechseljahren: So können Sie abnehmen

ratgeber.t-online.de: Hilft Soja gegen Wechseljahrbeschwerden?

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Shopping
Shopping
Geschenktipp: NIVEA Creme- dose mit Ihrem Lieblingsfoto
Fotodose bestellen auf NIVEA.de
Shopping
Kleines und großes Glück zum Verschenken & selbst lieben
von ESPRIT
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017