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Multiresistente Keime im Krankenhaus: Erreger immer gefährlicher

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Superkeime im Krankenhaus  

Experten warnen vor "Superkeimen" im Krankenhaus

22.02.2014, 14:08 Uhr | dpa, dpa

Multiresistente Keime im Krankenhaus: Erreger immer gefährlicher. Krankenhauskeime: Zu leichtfertiger Einsatz von Antibiotika kann Verbreitung von "Superkeimen" fördern. (Foto: imago)

Zu leichtfertiger Einsatz von Antibiotika kann Verbreitung von "Superkeimen" fördern. (Foto: imago)

Bis zu 20.000 Todesfälle in deutschen Krankenhäusern könnten jährlich nach Expertenangaben allein durch bessere Hygiene verhindert werden. Auch bis zu 500.000 Infektionen ließen sich vermeiden, sagte Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), in Berlin.

In schweren Fällen droht Amputation oder Tod

Der Grund für die Vielzahl der Infektionen in Krankenhäusern ist laut Experten oft unzureichender Hygiene. Meist sind dann Krankheitserreger im Spiel, denen Antibiotika nichts mehr anhaben können. Infektionen durch gegen Antibiotika resistente Bakterien führen in schweren Fällen zu Amputationen oder gar zum Tod. Würden die Hygienestandards alle eingehalten - dazu zählt bei Ärzten und Pflegepersonal zum Beispiel die regelmäßige Desinfektion der Hände - blieben den Patienten nicht nur längere Klinikaufenthalte erspart. Krankenkassen und auch Krankenhäuser selbst profitierten finanziell von einer niedrigeren Infektionsrate, meinte Zastrow.

Fußballstars Sammer und Jeremies: nach OPs Karrieren beendet

Als prominente Leidtragende mangelnder Hygiene im Krankenhaus gelten die ehemaligen Bundesliga-Fußballer Matthias Sammer und Jens Jeremies. Sie hätten wegen Infektionen nach Operationen am Knie ihre Karrieren beenden müssen. Allein diese beiden Fälle zeigen nach Zastrow, dass das Problem nicht nur Patienten betreffe, "die ohnehin todkrank sind", sondern auch viele junge Leute.

Zu leichtfertiger Einsatz von Antibiotika fördert "Superkeime"

Für die meisten Infektionen ist der so genannte MRSA-Keim verantwortlich. MRSA steht für "Methicillin-resistente Staphylococcus aureus". Der Keim ist gegen Methicillin und zahlreiche andere Antibiotika unempfindlich und kann zu Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder anderen Infektionen führen. Die Verbreitung solcher "Superkeime" wird durch zu häufigen, meist auch zu leichtfertigem Einsatz von Antibiotika gefördert. Auch mangelnde Sterilität ist ein Grund. Gesunde erkranken selten an MRSA.

Menschen mit schwachem Immunsystem besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder offenen Wunden. Zur Therapie wird ein hochwirksames "Reserveantibiotikum" eingesetzt. Sollte dies auch nicht mehr wirken, wird es für die Ärzte schwer. Nach Darstellung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene stecken sich jährlich bis zu eine Million Patienten mit resistenten Bakterien an. Bis zur Hälfte dieser Infektionen gilt als vermeidbar. Infektionen mit MRSA sind nicht nur in Kliniken, sondern auch in Pflegeeinrichtungen ein Problem.

Hygiene-Maßnahmen längst überfällig

Konsequente Maßnahmen gegen die seit Jahren unverändert hohe Infektionsrate seien überfällig, sagt die DGKH. Sie fordert für jedes Krankenhaus mit mehr als 400 Betten einen eigenen Facharzt für Hygiene. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür müsse das Bundesgesundheitsministerium schaffen. In elf der 16 Bundesländer sei das Problem besonders gravierend.

Forderung nach Fachärzten für Krankenhaus-Hygiene

Zur Finanzierung der Mehrkosten für hauptamtliche Krankenhaus-Hygieniker in Höhe von etwa 90 Millionen Euro verwies die DGKH auf eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage: Danach sind 64 Prozent der Bundesbürger bereit, bei einem Klinikaufenthalt für eine "optimale Hygienevorsorge" zehn Euro aus eigener Tasche zu bezahlen. Bei 18 Millionen Krankenhauspatienten jährlich reichten dafür sogar fünf Euro pro Kopf. Das Problem der mangelnden Hygiene in Kliniken stellt sich nach DKGH-Darstellung unverändert seit 20 Jahren. Das Vermeiden von unnötigen Infektionen und Todesfälle ergebe "ein Sparpotenzial in Milliardenhöhe", sagte Zastrow.

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