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Tinnitus: Jeder zehnte Deutsche leidet an Tinnitus

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Tinnitus  

Jeder zehnte Deutsche leidet an Tinnitus

05.08.2011, 12:40 Uhr | dpa, dpa

Tinnitus: Jeder zehnte Deutsche leidet an Tinnitus. Tinnitus: Die Geräusche im Ohr sind manchmal unerträglich. (Foto: imago)

Tinnitus: Die Geräusche im Ohr sind manchmal unerträglich. (Foto: imago)

Ein schrillender Pfeifton, dazu Rauschen und Knackslaute. Das Ganze ohne Unterbrechung. Jeder zehnte Bundesbürger hat schon eigene Erfahrung mit einem Tinnitus gemacht. Meist verschwindet er nach einer Weile von selbst. Meist, aber nicht immer. Tausende leiden dauerhaft unter Ohrensausen. Stille ist für sie ein Fremdwort. Therapien gibt es viele. Das effektivste Mittel aber ist ganz simpel: Ablenkung. Peter Dostal ist Musiker. Als Solo-Trompeter spielte er bereits in jungen Jahren mit großen Orchestern. 1995 wurde ihm eine bayerische Tradition zum Verhängnis. Die Hochzeit einer Nachbarin sollte mit Böllerknallen gefeiert werden. Übermütige Jugendliche sorgten für eine gewaltige Explosion direkt vor dem geöffneten Fenster, hinter dem er schlief. "Zuerst habe ich gar nichts gehört, dann wurde mir schwindelig", erinnert sich Dostal heute. Er wurde sofort in eine Spezialklinik gebracht. Doch jede Hilfe kam zu spät. Er hatte nur noch "Gulasch im Kopf". Die berufliche Karriere schien ein abruptes Ende zu nehmen.

Vielfältige Ursachen

Ein Tinnitus kann auf verschiedene Weise entstehen. "Durch ein Lärmtrauma, durch chronischen Lärm am Arbeitsplatz oder zunehmend auch durch zu lautes MP3-Hören", erklärt der Traunsteiner Hals-Nasen-Ohrenarzt Eberhard Biesinger. Auch Stress sowie Probleme im muskulären System des Kiefergelenks und der Halswirbelsäule seien häufig die Ursache. Biesinger selbst hatte nach einer Schulterverletzung bei einem Skiunfall vorübergehend einen Tinnitus. In seiner Praxis hilft er nun anderen, sich von den nervtötenden Geräuschen im Kopf zu befreien. Subjektive Ohrgeräusche sind nichts Ungewöhnliches. Im Alltag werden sie bloß durch Filtersysteme im Gehirn unterdrückt. "Wenn ich Leute für zwei Stunden in eine stille Kammer setze, hört jeder irgendwas", sagt Biesinger. Ein gutes Beispiel sei das Schlucken, das abends im Bett sehr laut erscheinen kann. "Das Ausmaß des Tinnitus ist sehr individuell und kann stark beeinflusst werden. Je mehr ich mich darauf konzentriere, desto mehr werde ich es auch wahrnehmen." Wer ein dauerndes Geräusch wahrnimmt, sollte schnell handeln.

Tinnitus als Symptom für andere Leiden

Ein Piepsen, das einige Minuten anhält, ist in der Regel noch kein Grund zur Sorge. Wenn es nach einem Disco-Besuch allerdings auch am nächsten Morgen noch in den Ohren klingelt, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei einer Akut-Therapie wird über drei Tage hinweg Cortison verabreicht. Bei bestimmten Tinnitus-Ursachen ist eine Druckkammer-Behandlung sinnvoll. Wenn muskuläre Störungen zugrunde liegen, kann auch Krankengymnastik zum Einsatz kommen, bei Hörverlust muss ein Hörgerät in Betracht gezogen werden. "Mit zur Therapie gehört immer die Beratung", sagt Biesinger. Denn Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symptom ein Warnsignal, das auf andere Leiden hinweist. Und nicht selten sind dies seelische Leiden. Besonders gefährdet sind Personen, die sich selbst viel beobachten, die alles sehr genau nehmen und sich dadurch leicht gestresst fühlen. "Seelische Sorgen können den Tinnitus füttern."

Tinnitus kann Depressionen auslösen

Dies gelte es bei der Diagnose zu berücksichtigen. Umgekehrt kann der Tinnitus aber auch seelische Sorgen hervorrufen. Permanente Ohrengeräusche führen leicht zu Ängsten und Depressionen. Gerade vor diesem Hintergrund bedauert Biesinger sehr, dass die Kosten für eine Beratung von Tinnitus-Patienten nicht entsprechend von den Krankenkassen übernommen werden. Die richtige Beratung ist gerade bei chronischem Tinnitus entscheidend. Denn der subjektive Lärm kann sich sogar verselbstständigen. "Auch wenn ein Geräusch im Ohr entsteht - das Gehirn hört immer mit. Dort kann ein Ohrgeräusch gelernt werden, wie beim chronischen Schmerz auch", sagt Biesinger. So könne es zu der Situation kommen, dass der Tinnitus töne, obwohl das Ohr längst geheilt sei, weil das gedankliche Bild vom Ohrensausen gespeichert sei.

Ablenkung als Therapie

Was auch in die Beratung mit einfließen muss, ist die Ablenkung - nicht nur die akustische, auch die emotionale. "Ich darf um Gottes Willen nicht denken, jetzt habe ich Tinnitus, und jetzt wird nichts aus meiner Zukunft", sagt Biesinger. Für den Alltag haben sich etwa Zimmerspringbrunnen oder das Musikhören zum Einschlafen bewährt. Doch Patienten sollten ebenso darauf achten, sich regelmäßig etwas Gutes zu tun - ins Kino gehen, Freunde besuchen, Urlaub planen, schöne Dinge, die emotional und gedanklich ablenken. "Jede Minute, die ich nicht an den Tinnitus denke, ist praktisch Therapie", sagt Biesinger.

"Man bleibt in seiner Welt alleine"

Der Musiker Peter Dostal hat es geschafft. Nachdem er sich zunächst ein Jahr lang völlig zurückgezogen hatte, half ihm der Traunsteiner Halsnasenohrenarzt zurück ins Leben. Seine Tinnitus-Zeit wird er nie vergessen: "Das sind Phasen, wo alle Beziehungen in die Brüche gehen, da bleiben Sie in Ihrer Welt alleine." Das Gehör wurde durch den lauten Böllerknall im Jahr 1995 zwar irreparabel beschädigt, aber der durchgehende Piepton ist irgendwann verschwunden. Inzwischen kann Dostal sogar wieder Konzerte geben.

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