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Gefährliches Bauchfett erhöht Infarktrisiko

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Bauchfett  

Am Bauch abspecken senkt das Infarktrisiko

10.09.2010, 11:20 Uhr | ap/Benjamin Wünsch , AP

Gefährliches Bauchfett erhöht Infarktrisiko . Bauchfett: Dicker Bauch macht krank (Foto: Archiv)

Speckrollen am Bauch schaden der Gesundheit. (Foto: Archiv)

Wie gesundheitsschädlich ist Übergewicht? Darüber streiten Experten. Dass Bauchfett gefährlicher ist als Hüftspeck, ist schon länger bekannt. Doch nun zeigt eine Studie, dass im Hinblick auf Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko das Körpergewicht tatsächlich keine Rolle spielt. Entscheidend sei tatsächlich nur das Bauchfett, so die Ansicht der Münchener Forscher. Die gute Nachricht: Der Speck am Bauch lässt sich besonders gut mit Sport und gesunder Ernährung bekämpfen.

Leichtes Übergewicht schadet nicht

Nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts sei entscheidend, sagt Harald Schneider von der Medizinischen Klinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. In einer von ihm geleiteten Studie wurde nachgewiesen, dass der Body Mass Index (BMI) für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen gar keine Rolle spielt. "Im Gegenteil, wir hatten einen leichten Trend, dass Patienten mit höherem BMI sogar ein bisschen besser abschneiden", sagt Schneider. Beim BMI wird das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt. Dieser Berechnung zufolge sind 75 Prozent aller deutschen Männer und fast 60 Prozent der Frauen übergewichtig, mehr als 50 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen sogar fettleibig. Was der BMI nicht berücksichtigt: Bei sportlichen Menschen sind es oft Muskeln, die das Gewicht und den BMI nach oben treiben.

Bauchfett produziert Entzündungsstoffe

Dazu kommt: Fett ist nicht gleich Fett. Schneider und seine Kollegen sprechen in ihrer Studie von "gutem und bösem Fett". Der Speck um den Bauch könne schädliche Fettsäuren und entzündungsfördernde Botenstoffe in den Körper abgeben. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle können die Folge sein. Das sogenannte Unterhautfett - das "Geschwabbel" an Oberschenkeln, Armen oder Gesäß - ist hingegen ungefährlich. Frühere Untersuchungen zeigten, dass dieses Fett sogar eine gewisse Schutzfunktion hat.

Mit Sport schwindet das "schlechte Fett"

Das Bauchfett dient biologisch gesehen als eine Art Reserve. Es wird vergleichsweise kurzfristig angesammelt und kann bei kurzfristigem Energieaufwand auch schnell wieder abgebaut werden. Dieses von der Natur praktisch eingerichtete Prinzip ist in der heutigen Zeit allerdings häufig gestört. Wir müssen keinem Mammut mehr hinterher rennen, wir gehen einfach in den Supermarkt, kaufen uns unser Fleisch und setzen uns vor den Fernseher", sagt Schneider. Die Reserven um den Bauch werden dadurch natürlich immer größer. In Bezug auf Diäten ist das eine gute Nachricht: Bewegung und gesunde Ernährung nützen mehr, als man es dem Körper äußerlich ansieht. Denn während das aus medizinischer Sicht "gute" Fett an Armen und Beinen sich nur allzu oft als diät-resistent erweist, spricht das "böse" Bauchfett mit seiner aktiven Speicherfunktion in der Regel sehr gut auf gezielte Maßnahmen an. Das Gesundheitsrisiko eines Menschen lässt sich dementsprechend am besten an der Taille messen.

Taillenumfang aussagekräftiger als BMI

Ginge es nach den Münchner Wissenschaftlern, würde der von medizinischen Fachgesellschaften und der Weltgesundheitsorganisation zur Messung des Körperfetts empfohlene BMI baldmöglichst durch einen anderen Richtwert ersetzt - dem "waist-to-hight-ratio", bei dem nicht Gewicht, sondern Taillenumfang durch Körpergröße geteilt wird. Mit diesem Wert lässt sich wesentlich besser als mit dem BMI voraussagen, ob ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt oder daran stirbt. Das jedenfalls ist das Ergebnis der Münchner Studie, bei der knapp 11.000 Probanden bis zu acht Jahre lang beobachtet wurden.

Diät bei einem BMI von 25 "unsinnig"

Verlässliche Richtwerte sind für Mediziner wichtig. "Man braucht Grenzwerte, um zu entscheiden, ist eine Gesundheitsgefährdung da, muss ich mit einer Therapie anfangen, und wie aggressiv muss ich die Therapie machen", sagt Schneider. Bei stark übergewichtigen Patienten mit einem BMI von über 30 sei die Diagnose meist eindeutig. In solchen Fällen helfe manchmal nur die radikalste Methode, nämlich die operative Magenverkleinerung. Schwieriger seien die Grenzfälle. So würden verschiedene Gremien empfehlen, schon bei einem vergleichsweise niedrigen BMI von 25 Diäten zu verordnen. "Das ist aus meiner Sicht falsch", sagt Schneider. "Die Leute quälen sich oft unnötig. In solchen Fällen muss wirklich auf den Bauch geguckt werden."

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