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Aufwachen trotz Narkose

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OP  

Horrorvorstellung für Patienten: aufwachen bei der OP

20.01.2011, 14:55 Uhr | Andrea Barthélémy, dpa, dpa

Aufwachen trotz Narkose. In seltenen Fällen werden Patienten trotz Narkose wach (Foto: imago)

In seltenen Fällen werden Patienten trotz Narkose wach (Foto: imago)

Normalerweise ist der OP-Patient sanft entschlummert, noch bevor alle Vorbereitungen abgeschlossen sind. Wenn er aufwacht, ist längst alles überstanden. Doch eine Horrorverstellung ist es, während der Operation wach zu werden, weil die Narkose nicht ausgereicht hat. Bei einem oder zwei von 1000 Eingriffen wird der Patient zu früh wach, besagt eine Studie.

8.000 bis 16.000 Patienten pro Jahr werden bei OP wach

Allein der Gedanke daran, während einer Operation plötzlich zu Bewusstsein zu kommen, ist für die meisten Menschen haarsträubend. Das Fatale: Im Ernstfall würde sich dann wohl kein einziges Haar sträuben, denn sämtliche Körperreaktionen sind durch die Narkose gedimmt. Auf dem OP-Tisch zu liegen und seine Wachheit nicht mitteilen zu können - dieses Phänomen, genannt "Awareness", ist seit längerem bekannt. Eine Übersichtsarbeit von Forscherinnen aus Berlin und Bochum zeigt jetzt: Absolute Sicherheit davor gibt es nicht, aber ein Bündel von Maßnahmen, das vor dem unerwünschten Erwachen schützen kann. Denn in einer bis zwei von 1000 Narkosen kommt es dazu - das sind bundesweit 8.000 bis 16.000 Fälle pro Jahr.

Wer besonders gefährdet ist

Laut Petra Bischoff (Uniklinikum Bochum) und Ingrid Rundshagen (Charité Berlin) sind bestimmte Risikogruppen besonders häufig betroffen: Menschen, die oft Schmerz- und Betäubungsmittel nehmen, oder die bereits Herz- Kreislauf-Erkrankungen haben. Um deren Herz-Kreislauf-System zu schonen, werde die Narkose manchmal zu leicht gewählt, folgern die Fachärztinnen. Kinder sind sogar weitaus häufiger betroffen: Ihr Risiko für eine unerwünschte Wachphase liegt acht bis zehn Mal höher, denn ihr kleiner Körper verarbeitet die Narkosemittel vergleichsweise schnell. Aber auch bei Notkaiserschnitten, Notfalloperationen oder während Nachteinsätzen ist das Awareness-Risiko erhöht.

Todesangst bei Operation im Wachzustand

Das Beispiel einer britischen Patientin, die die Kaiserschnitt-Entbindung ihres Kindes intubiert, aber bei vollem Bewusstsein erlebte, ist eines der heftigeren Art. Oft sind es aber auch OP-Geräusche, Worte, Satzfetzen, die die Patienten bewusst oder unbewusst wahrnehmen. "Schmerzen sind nicht der Hauptrisikofaktor für traumatische Spätfolgen eines Awareness-Erlebnisses", ergänzt Professor Gerhard Schneider. Der Direktor des Zentrums für Anästhesie, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Helios Klinikum Wuppertal forscht seit 20 Jahren über das Phänomen. "Viel schwieriger ist es, das Erlebnis zu verarbeiten, ausgeliefert zu sein, nicht zu wissen, was passiert, und möglicherweise Todesängste zu haben."

Aufklärung vor der OP schürt womöglich Ängste

Für ihn steht deshalb weniger eine generelle, detaillierte Aufklärung der Patienten vor der OP im Mittelpunkt, denn "das kann auch zusätzliche Ängste wecken." Wichtiger sei die aufmerksame Begleitung während des Eingriffs. Denn über die Frage, wie Ärzte erkennen können, dass der Patient zu Bewusstsein kommt, wird kontrovers diskutiert.

Wie Ärzte die Wirkung der Narkose überwachen

So können zwar bestimmte Wirkplasmaspiegel des Narkosemittels bestimmt werden, aber die sind nicht für jeden Menschen gleich aussagekräftig. Körperliche Stressreaktionen wie beschleunigter Puls, Schweißbildung oder Muskelanspannung sind medikamentös unterdrückt. Vor einigen Jahren versprach die Hirnstrommessung (EEG) eine Lösung. Allerdings stellte sich heraus, dass auch sie kein absolut verlässlicher Indikator für die Narkosetiefe war. "Wir können ein EEG ergänzend einsetzen, es kann uns Zusatzinfos liefern, aber es wäre falsch, damit die Patienten in Sicherheit zu wiegen", sagt Schneider.

"Es bleibt immer eine Grauzone"

Auch Petra Bischoff betont: "Ein EEG darf nicht eingesetzt werden, um die Narkose flach zu halten und möglicherweise Narkosemittel zu sparen." Die Anästhesistin ist überzeugt: "Es werden immer Grauzonen zwischen tiefer Narkose und Wachsein bleiben. Denn bei allen Fortschritten in der Anästhesie ist letztlich immer noch unklar, was während einer Narkose im Gehirn passiert. Es ist eine Blackbox."

Ärzte sollen keine negative Bemerkungen machen

Die Ärztinnen empfehlen, dass mit dem Patienten vorbereitende Gespräche geführt werden, und dass das Operationspersonal gut geschult wird. Wichtig sei, während des Eingriffes laute, negative Sprache mit Ausdrücken wie "zwecklos" oder "inoperabel" zu vermeiden. Außerdem müssten die Operierten auch hinterher gut betreut werden. So könne schon im Aufwachraum mittels eines Fragebogens nachgehakt werden, ob die Patienten während der OP unangenehme Erfahrung gemacht haben.

Wacherlebnisse wirken lange nach

Aber auch noch Wochen später können Erinnerungen hochkommen. Schneider berichtet von einer Patientin, die jüngst in Wuppertal fast an einer Blinddarmentzündung starb. "Sie hatte Wacherlebnisse einer lange zurückliegenden OP verdrängt, schwere Angststörungen entwickelt und war kaum wieder in ein Krankenhaus zu bekommen." Erst als Lebensgefahr drohte, willigte sie einer OP ein.

Wenn nur noch eine Psychotherapie hilft

"Jetzt macht sie eine Psychotherapie, um das Erlebte zu verarbeiten und zur Seite legen zu können", ergänzt Schneider. Dies sei für alle Betroffenen auch noch Jahre nach dem traumatischen Erlebnis möglich. Am besten, so betonen auch die Studienautorinnen, sei es jedoch, wenn das Problem möglichst bald behandelt werde, damit sich erst gar kein chronisches Trauma entwickelt.

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