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Medikamentensucht: Viele sind abhängig, ohne es zu wissen

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Viele sind abhängig, ohne es zu wissen  

Medikamentensucht: Wie gefährlich sind Schlaf- und Beruhigungsmittel?

28.10.2017, 13:38 Uhr | AFP

Medikamentensucht: Viele sind abhängig, ohne es zu wissen. Ein Mann nimmt Tabletten (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/outline205)

Knapp zwei Millionen Deutsche sind tablettensüchtig (Quelle: outline205/Thinkstock by Getty-Images)

Ob Schmerztabletten, Schlafmittel oder Nasentropfen: Schätzungsweise bis zu 1,9 Millionen Menschen in Deutschland gelten als medikamentenabhängig. Oft geraten sie in einen Teufelskreis, den sie nur schwer wieder durchbrechen können. Hier erfahren Sie, wie Sie die Sucht dennoch überwinden.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (iqwig) und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) haben zusammengefasst, was beim Absetzen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln zu beachten ist.

Wann machen Schlafmittel abhängig?

Es gibt keine genaue Grenze dafür, wann Schlafmittel abhängig machen, das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mittel aus der Familie der Benzodiazepine und Medikamente mit ähnlichem Wirkmechanismus können nach zwei bis vier Monaten abhängig machen, in sehr hohen Dosen sogar schon nach etwa vier Wochen. Nicht wenige Menschen nehmen die Mittel allerdings über mehrere Monate oder sogar dauerhaft.

Wie gefährlich sind die Medikamente?

Der Arzt verordnet solche Beruhigungs- und Schlafmittel oft wegen einer akuten Krise. Benzodiazepine können beruhigend, angstlösend, muskelentspannend und entkrampfend wirken. Sie werden auch eingesetzt, um besser ein- und durchzuschlafen. Ähnliche Medikamente mit den Wirkstoffen Zolpidem oder Zopiclon (Z-Drugs) sollen vor allem bei Einschlafstörungen helfen.

Die Schlaf- und Beruhigungsmittel können starke Nebenwirkungen haben und unter anderem zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Benommenheit, Muskelschwäche, Verhaltensauffälligkeiten und Schlafstörungen führen. Zudem können sie die Fahrtüchtigkeit einschränken und besonders bei älteren und kranken Menschen die Sturzgefahr erhöhen.

Wie äußert sich eine Abhängigkeit?

Werden die Medikamente plötzlich abgesetzt, treten Entzugssymptome auf. Dazu zählen beispielsweise:

  • Schlafstörungen
  • Unruhe
  • Angst
  • Zittern
  • Schwindel
  • Kreislaufstörungen
  • Antriebslosigkeit

Solche Entzugssymptome ähneln häufig den Beschwerden, die die Medikamente ursprünglich lindern sollten, weshalb viele erneut zu den Mitteln greifen. Damit verfestigt sich die Abhängigkeit, gleichzeitig schwindet wegen des Gewöhnungseffekts bei der Langzeiteinnahme die erhoffte Wirkung der Medikamente.

Wie kommen Patienten wieder davon los?

Oft ist den Betroffenen die Abhängigkeit gar nicht bewusst. Dies zu erkennen ist ein erster Schritt. Wichtig ist, dass beim Absetzen der Medikamente möglichst wenig Entzugssymptome auftreten, um Rückfälle zu vermeiden. Die Arzneidosis sollte deshalb über mehrere Wochen schrittweise verringert werden, bis das Mittel schließlich ganz abgesetzt werden kann.

Unterstützend neben der ärztlichen Begleitung sind während dieser Zeit psychologische Hilfen oder auch Entspannungstechniken. Manche Menschen nehmen Ersatzmedikamente ein wie Antidepressiva. Ob sie damit leichter von Schlafmitteln loskommen, ist nicht eindeutig erwiesen.

Machen auch Schmerzmittel abhängig?

Apothekenpflichtige Schmerzmittel führen zu keiner Abhängigkeit im engeren Sinne. Allerdings kann der Dauergebrauch von Schmerzmitteln wiederum Kopfschmerzen auslösen. Ein solcher medikamentenbedingter Dauerkopfschmerz kann schon dann auftreten, wenn an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel geschluckt werden. Das gilt insbesondere bei koffeinhaltigen Mitteln.

Beim Entzug sollte das Medikament mit einem Schlag abgesetzt werden, Typischerweise treten dann vermehrte Kopfschmerzen auf, aber auch Übelkeit, Brechreiz, Unruhe und Schlafstörungen. Die Entzugserscheinungen dauern in der Regel nur einige, maximal sieben bis zehn Tage.

Warum können auch Schnupfensprays abhängig machen?

Werden bestimmte abschwellende Nasentropfen oder -sprays länger als fünf bis sieben Tage nacheinander angewendet, kommt es zu einem dauerhaft starken Anschwellen der Nasenschleimhaut. Es entsteht ein medikamentenbedingter "Schnupfen", der dann eine oft monate- oder jahrelange Verwendung der Mittel nach sich zieht. Auf Dauer wird die Funktion der Nasenschleimhaus dadurch zerstört.

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