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Schluss mit Fachchinesisch: Studenten übersetzen Arztbefunde

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Schluss mit Fachchinesisch: Studenten übersetzen Arztbefunde

22.06.2011, 15:13 Uhr | Judith Féaux de Lacroix

Schluss mit Fachchinesisch: Studenten übersetzen Arztbefunde. Patienten verstehen oft nicht, was der Arzt sagt. (Foto: imago)

Patienten verstehen oft nicht, was der Arzt sagt. (Foto: imago)

Wenn Ärzte reden, verstehen Patienten oft kein Wort. Denn welcher Laie weiß schon, was medizinische Fachbegriffe wie "Diskopathie" oder "Presbyakusis" bedeuten? Ein paar Medizinstudenten wollen verwirrten Patienten helfen: Auf der Internetseite washabich.de übersetzen sie Arztbefunde in verständliches Deutsch - anonym und kostenlos. Aber ist das wirklich sinnvoll?

Studenten arbeiten ehrenamtlich mit

Das Prinzip von washabich.de ist einfach: Patienten können ihren schriftlichen Arztbefund vollständig oder in Auszügen per Online-Formular einschicken. Sie müssen ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, bleiben ansonsten aber anonym. Medizinstudenten, die kurz vor ihrem Studienabschluss stehen, formulieren den Befund so um, dass er auch für Laien verständlich wird, und schicken ihn an den Patienten zurück. Davon profitieren beide Seiten, erklärt Johannes Bittner, selbst Medizinstudent und einer der Gründer von washabich.de: "Die Patienten werden aufgeklärt, und die Studenten lernen, medizinisches Wissen zu vermitteln." Deshalb seien die angehenden Ärzte auch bereit, ehrenamtlich bei washabich.de mitzuarbeiten.

Hunderte Patienten im virtuellen Wartezimmer

Derzeit übersetzen die Studenten 150 Arztbefunde pro Woche. Die Nachfrage ist größer, aber mehr sei derzeit nicht zu bewältigen, erklärt Bittner. Dabei arbeiten inzwischen schon 130 Studenten für das Portal, und jeden Tag kommen mehrere Mitarbeiter dazu. Die Übersetzung bekommt man in der Regel innerhalb von 24 Stunden zurück, verspricht die Internetseite. Aber nicht immer geht es so schnell: Wenn die Studenten ausgelastet sind, ist auf der Internetseite ein Kästchen mit der Überschrift "Wartezimmer aktiv" zu sehen. Dort können Patienten ihre E-Mail-Adresse eintragen. Daraufhin erscheint die Nachricht: "Wir informieren Sie umgehend, sobald Sie ihren Befund einsenden können." Derzeit sitzen mehrere hundert Patienten in diesem virtuellen Wartezimmer.

Ärzte prüfen die Texte auf Fehler

Aber wer garantiert dem Patienten, dass sein Befund auch wirklich richtig übersetzt wurde? Ein Medizinstudent ist schließlich noch kein Arzt. Um Fehler zu vermeiden, bekommt jeder Student bei washabich.de zunächst einen fertig ausgebildeten Arzt als Mentor zur Seite gestellt. "Der Arzt liest die ersten fünf Texte des Studenten gegen, bevor sie veröffentlicht werden", sagt Bittner. Und wenn ein Student bei der Übersetzung nicht weiter wisse, könne er ohnehin jederzeit einen Arzt um Rat fragen.

Kritik: Auch nach der Übersetzung bleibt die Angst

Dennoch ist Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten, gegenüber washabich.de skeptisch. "Ich halte nicht viel von dieser Idee", sagt er. Es reiche nicht aus, die Fachausdrücke im Arztbefund zu übersetzen, um ein vollständiges Bild von der Krankheit zu bekommen. Unter Umständen sei der Patient nach der Übersetzung genauso ratlos wie zuvor. Wenn ein Patient Fragen zum Befund habe, dann müsse er diese mit seinem behandelnden Arzt klären. "Dazu muss der Patient dem Arzt aber natürlich vertrauen", betont Wesiack. Wenn dieses Vertrauen nicht da sei, müsse der Patient den Mut haben, einen anderen Arzt aufzusuchen. "Ein kranker Patient hat Angst", sagt der Mediziner. Diese Angst könne ihm ein Übersetzungsportal nicht immer nehmen.

Zum Team gehören auch Psychologen

Was passiert zum Beispiel, wenn die Studenten einen wirklich gravierenden Befund übersetzen müssen - etwa die Diagnose Krebs? "In so einem Fall müsste der Arzt den Patienten auf jeden Fall schon selbst aufgeklärt haben", sagt washabich.de-Gründer Johannes Bittner. "Alles andere wäre unverantwortlich." Der Patient wisse also schon, dass er Krebs habe, wolle aber noch ein paar weitere Details über seine Krankheit erfahren. "Die Befunde, die wir zugeschickt bekommen, sind zum Teil schon Wochen oder Monate alt", erklärt Bittner. Die Übersetzung des Befunds helfe den Patienten offenbar, die Krankheit zu bewältigen. Darüber hinaus bemühe man sich, die Übersetzung so einfühlsam wie möglich zu schreiben: Zum Übersetzerteam gehören auch zwei Psychologen. Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient könne das Portal nicht lösen, räumt Johannes Bittner ein. "Aber wir wollen eine Grundlage für ein gutes Arzt-Patient-Gespräch schaffen, in dem wir die Patienten besser informieren."

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