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Ehec Inkubationszeit: So wandert Ehec von Mensch zu Mensch

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Wie EHEC von Mensch zu Mensch wandern kann

07.06.2011, 11:33 Uhr | Spiegel Online/Nina Weber, Spiegel Online, t-online.de

Ehec Inkubationszeit: So wandert Ehec von Mensch zu Mensch. EHEC-Erreger: So sieht das Bakterium aus. (Foto: dpa)

EHEC-Erreger: So sieht das Bakterium aus. (Foto: dpa)

Verseuchte Lebensmittel sind wohl für die EHEC-Infektionen in Deutschland verantwortlich. Doch es gibt noch einen Weg, wie sich die Bakterien verbreiten können - von Mensch zu Mensch. Dagegen hilft nur eines: Hygiene.

EHEC kann auch von Menschen übertragen werden

Es könnte die Lösung sein: Sprossen aus einem niedersächsischen Betrieb sind womöglich das lang gesuchte Lebensmittel, über das sich die gefährlichen EHEC-Erreger in den vergangenen Wochen in Norddeutschland verbreitet haben. Doch bisher fehlt ein eindeutiger Nachweis, die zuständigen Behörden warnen weiter vorm Verzehr roher Tomaten, Gurken, Blattsalate sowie vor Sprossen. Und sie weisen auf eigentlich selbstverständliche Hygiene-Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen hin. Denn ein weiterer Übertragungsweg der gefährlichen Bakterien existiert: der von Mensch zu Mensch. So ansteckend wie eine Erkältung ist die EHEC zum Glück nicht. Per Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten werden die Erreger nicht weitergetragen.

Erreger kann auf Türklinken lauern

Aber sogenannte Schmierinfektionen sind möglich: Nach einem Toilettengang kann ein Infizierter, der sich nicht die Hände gewaschen hat, andere anstecken. Die Bakterien können sich zwischendurch auch auf Flächen absetzen, Türklinken etwa, und so ohne direkten Körperkontakt von einem Menschen zum nächsten wandern.

EHEC-Inkubationszeit als Indiz: Mann steckte seine Frau an

Jürgen Heesemann vom Pettenkofer-Institut in München berichtet von einem aktuellen Fall, bei dem diese Form der Übertragung sehr wahrscheinlich ist: Ein Mann, der mit seiner Frau auf Usedom war, wurde samstags in die Klinik eingeliefert, Diagnose: EHEC-Infektion. Mehrere Tage danach wurde der Erreger auch bei seiner Frau festgestellt. Da die Urlaubsreise aber schon länger zurücklag, als die Inkubationszeit von EHEC dauert, deutet vieles darauf hin, dass sich die Frau nicht durch kontaminierte Nahrung, sondern durch ihren Mann angesteckt hat.

Schon 100 Bakterien reichen

Das Tückische bei EHEC: "Schon 100 Bakterien können ausreichen, damit jemand erkrankt", sagt Stefan Zimmermann vom Uniklinikum Heidelberg. Zum Vergleich: Bei Salmonellen sind etwa 100.000 Keime nötig. "Beim Benutzen einer gemeinsamen Toilette mit einem Infizierten ist daher eine Ansteckung mit EHEC möglich. Dies kann aber durch Händewaschen und anschließende Desinfektion vermieden werden", erklärt der Oberarzt am Department für Infektiologie. "Nach den bisherigen Erfahrungen mit diesem EHEC-Stamm würde ich davon ausgehen, dass Patienten die Keime bis zu zehn Tage nach den ersten Durchfällen ausscheiden", sagt Zimmermann. "Dauerausscheider wie bei Salmonellen sind bei uns bisher nicht vorgekommen", ergänzt er. Als Dauerausscheider werden Menschen bezeichnet, die auch zehn Wochen nach Abklingen aller Symptome noch Krankheitserreger abgeben.

Es gibt auch "stille Überträger"

Noch nicht beantworten können Ärzte, wie viele Menschen sich mit dem derzeit grassierenden EHEC-Stamm infizieren, ohne zu erkranken - sie kämen als Überträger besonders in Frage. Denn sobald jemand mit den typischen EHEC-Symptomen in die Klinik geht, wird er entsprechend isoliert. Die "stillen Überträger" aber untersucht kein Arzt. Wieso manche Menschen trotz einer Infektion nicht erkranken, lasse sich schwer beantworten, meint Petra Dersch vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektiologie. "Ihr Immunsystem könnte so gut reagieren, dass keine Krankheit ausbricht, obwohl sich die Erreger eine Zeitlang im Körper befinden. Oder jemand hat nur sehr wenige Erreger aufgenommen." Die Zusammensetzung der Darmflora, die aus verschiedensten Bakterien bestehe, könne auch eine Rolle spielen.

Jeder dritte Patient bekommt HUS

Zimmermann hält stille Überträger allerdings "bei diesem aggressiven Erreger für unwahrscheinlich". Der EHEC-Stamm, der sich derzeit in Norddeutschland ausbreitet, ist deutlich gefährlicher als seine engen Verwandten. So erkrankt etwa jeder Dritte am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS); bisher lag diese Quote nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei fünf bis zehn Prozent.

Die meisten Toten durch EHEC gibt es in Niedersachsen

Die Zahl der EHEC-Opfer ist unterdessen gestiegen: 22 Tote hat der aggressive Darmkeim nach Angaben des Robert Koch-Instituts mittlerweile in Deutschland gefordert. 15 davon sind demnach an den Folgen des HU-Syndroms gestorben. Bei sieben weiteren EHEC-Infizierten wurde diese schwere Komplikation nicht festgestellt. Die meisten Toten gibt es nach RKI-Zahlen in Niedersachsen. Dort starben sechs Menschen. Fünf kamen in Schleswig-Holstein ums Leben, vier in Nordrhein-Westfalen.

"Unsere Kausalkette ist wasserdicht und plausibel"

Die Quelle für die Ausbreitung des Darmkeims haben die EHEC-Fahnder bisher nicht gefunden: Erste Laborproben von Sprossengemüse aus Niedersachsen fielen am Montag negativ aus. Dennoch hält das Verbraucherministerium in Hannover weiter an dem Verdacht fest, dass Sprossen eines Betriebs im Kreis Uelzen Auslöser der EHEC-Epidemie sind. Der Gärtnerhof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen war nach einer Analyse von Lieferwegen als Ausgangspunkt des aggressiven Darmkeims ins Visier geraten. "Unsere Kausalkette ist wasserdicht und plausibel. Sie reißt nicht ab", begründete Ministeriumssprecher Gert Hahne den Verdacht, der auch nach den negativ ausgefallenen Laboruntersuchungen aufrecht gehalten wird. Experten diskutieren mehrere Szenarien, wie sich der Keim auf dem Betrieb verbreitet haben könnte, zum Beispiel über verseuchtes Brauchwasser.

Während Forscher bereits zu ergründen versuchen, wie dieser EHEC-Erreger so aggressiv geworden ist, bleibt der Bevölkerung in Norddeutschland nur, auf ein Abebben der EHEC-Welle zu hoffen. Und man sollte die Behörden-Empfehlungen beachten: beim Essen - und bei der Hygiene.

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