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Neurodermitis: Gefangen in der eigenen Haut

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Neurodermitis  

Mit Neurodermitis gefangen in der eigenen Haut

18.08.2011, 18:01 Uhr | Spiegel Online / Benjamin Schulz

Neurodermitis: Gefangen in der eigenen Haut. Betroffene Patientin: "Dauergast bei der Hautärztin". (Foto: spiegel-online)

Betroffene Patientin: "Dauergast bei der Hautärztin". (Foto: spiegel-online)

Nina Meier hat Neurodermitis. Jahrelang versuchten die Ärzte eine Therapie nach der anderen, ohne die Erkrankung zu erkennen. Auch nach der Diagnose blieben teure und schmerzhafte Behandlungen wirkungslos. Dann brachte ein einfacher Rat die Wende.

Ohne Kühlakkus ging es nicht

Im Sommer 2004 hatte die Neurodermitis Nina Meier* besiegt. Die damals 23-Jährige musste ihr Studium unterbrechen. Die Haut war vom Kopf bis zu den Zehen gereizt oder komplett wund. Jede Beugung ihrer geschwollenen Arme verursachte heftige Schmerzen. Nina Meier hatte immer Kühlakkus im Gefrierfach, um die Schwellung der Haut zumindest für einen kurzen Moment zu mindern. Kurzärmlige Kleidung war tabu - direkter Hautkontakt im Alltag, etwa mit einem S-Bahn-Sitz, tat zu sehr weh, zudem boten Meiers Arme keinen schönen Anblick. "Das war der Horror", sagt sie. Die Lehrerin zog Kleidungsstücke nur noch auf links an, weil die Nähte schmerzten. Auch Knöpfe oder Reisverschlüsse waren tabu. Meier trug nur noch Oberteile ihres Vaters, weil enganliegende Kleidung zu stark an ihrer Haut rieb. Ihre Handgelenke musste sie oft komplett verbinden.

Im Gesicht war es am schlimmsten

"Das Schlimmste war mein Gesicht. Eine Freundin hat mir mal gesagt: Du siehst aus, als ob man dir da ein heißes Bügeleisen reingedrückt hätte", sagt die heute 30-Jährige. "Ich konnte nachts nicht schlafen, mein Gesicht ist am Kissen festgeklebt, es hat alles gejuckt." Damals hatte Meier bereits einen jahrelangen Marathon aus zeitraubenden, teilweise kostspieligen und schmerzhaften Behandlungen hinter sich. Nichts davon hatte geholfen, die Symptome hatten sich konsequent verschlimmert. "Die Vorstellung, das geht jetzt bis an mein Lebensende so weiter, hat mich fertiggemacht", sagt Meier.

Diagnose Neurodermitis

Seit ihrer Kindheit war Meier bei Hautärzten in Behandlung. Ihre Hautprobleme verschlimmerten sich nach der Pubertät. 2002 vertrug sie viele Körperpflegeprodukte nicht mehr: Deo, Duschgel, Bodylotion, Gesichtscreme reizten die Haut. Niemand erkannte, dass Meier an Neurodermitis litt. Erst als die junge Frau Weihnachten 2002 von einem Urlaub in den Niederlanden mit "offenen Wunden und nässenden Stellen an Armbeugen, Hals, Kniekehlen und im Gesicht" zurückkehrte, stellte eine Ärztin des Notdienstes die Diagnose Neurodermitis.

Behandlung mit Cortison und teuren Pflegeprodukten

Meier ging zu einer Hautärztin. Die verschrieb Cortison, fetthaltige Cremes und Allergietabletten. Meiers Bedarf war so groß, dass sie ein Kilo Fettcreme - die Klinikpackung - im Monat verbrauchte. Shampoo und Duschgel musste sie in der Apotheke kaufen, mindestens zehn Euro pro Flasche. Cremes kosteten mehr als hundert Euro für 50 Milliliter. Meier hatte Glück, Privatpatientin zu sein, gesetzlich Versicherte hätten die Kosten selbst tragen müssen.

Brandblasen von der UV-Behandlung

Alles half nichts: Es wurde schlimmer. 2003 waren Meiers Augen zugeschwollen, ihre Ohren waren offen und ständig entzündet. Mitte des Jahres begann die Ärztin, Meier mit hochdosierter UV-Strahlung zu behandeln. Zwei- bis dreimal die Woche musste die 30-Jährige in die Praxis fahren. "Ich war bei meiner Hautärztin schon eine gute Kundin: Privatpatientin und Dauergast", sagt Meier. Ihre Haut war aber schon so offen, dass sie von der Behandlung am ganzen Körper Sonnenbrand bekam; an ihren Schienbeinen bildeten sich sogar Brandblasen.

Niemand suchte nach der Ursache

Wie alle Mediziner vor ihr beschränkte sich auch diese Hautärztin darauf, die Symptome zu lindern - und das erfolglos. Niemand fragte nach der Ursache der Krankheit. "Da kamen nur Standardantworten", sagt Meier: Neurodermitis könne viele Auslöser haben, sei ihr gesagt worden - Stress, psychische Belastung, trockene Luft. Der Sommer 2004 kam, und die Krankheit wurde so schlimm, dass Meier auch sehr ungewöhnliche Behandlungen in Betracht zog. "Ich habe ernsthaft über eine Eigenurintherapie nachgedacht."

Die Wende - ein einfacher Rat

Und dann, nach Meiers Ärzte- und Behandlungsodyssee, brachten wenige Worte die Wende: "Verzichten Sie auf Produkte mit Kuhmilch und Hühnerei", riet ein Allgemeinmediziner. "Da hab ich mir gesagt, Scheiße, ich probier das einfach mal", sagt Meier. "Schlimmer kann es eh nicht mehr werden." Eine Woche lang verschärften sich die Symptome - doch dann kam die Wende. "Ich konnte meine Haut wie Wundschorf abrubbeln, darunter kam neue zum Vorschein. Nachdem die alte sich nach und nach abgepellt hatte, war es gut."

Den Punkt Ernährung ausgeblendet

Seither ist sie wegen ihrer Neurodermitis nie wieder in Behandlung gewesen. Gegenüber Hautärzten ist sie skeptisch eingestellt. Nina Meier sagt, sie habe Ärzten allzu sehr vertraut und bei der Ursachenforschung "den Punkt Ernährung ausgeblendet, weil die Ärzte sagten, das sei kein entscheidender Faktor". Inzwischen verträgt sie sogar ein wenig Kuhmilch oder Hühnerei. "Und selbst wenn mein Körper reagiert, gerate ich nicht mehr in Stress. Weil ich die Ursache kenne."

Endlich wieder die Haare offen tragen

Der Rat des Hausarztes gab Meier neue Lebensqualität. "Als alles vorbei war, habe ich erst mal Klamotten gekauft, die Haut gezeigt haben", sagte sie. Sie kann seitdem ihre Haare wieder offen tragen, weil diese nicht mehr in offenen Hautstellen festkleben. Ihre Kleidung wird beim Waschen wieder sauber, weil sie nicht mehr voll mit Fettcreme-Resten ist. Sie kann wieder spontan bei Freunden übernachten, weil sie nicht ständig ihre Hausapotheke parat haben muss. Aktivitäten wie Schwimmen oder Joggen, die früher nicht möglich waren, gehören heute zu Meiers Alltag. Und sie kann wieder normale Pflegeprodukte aus dem Supermarkt benutzen.

Neurodermitis ist nicht heilbar

Neurodermitis ist nicht heilbar, das hatten die Hautärzte Meier immer gesagt. Muss sie auch gar nicht sein, findet die 30-Jährige: Zu wissen, wie sie die Krankheit im Zaum halten kann, reicht ihr völlig. Da macht es ihr nichts aus, dass normaler Kuchen, Vollmilchschokolade, Quarkspeisen, Pudding, Eiernudeln und Sahnesoßen für sie tabu sind. "Ich empfinde den Verzicht nicht als gravierend", sagt Meier. "Meine Hautprobleme haben mich viel stärker eingeschränkt."

*Name geändert

Ratgeber Gesundheit - Neurodermitis: Was Sie selbst tun können

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