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Anosmie: Wenn man nichts mehr riecht

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Riechen  

Anosmie: Ein Leben ohne Gerüche

08.11.2011, 13:15 Uhr | akl

Anosmie: Wenn man nichts mehr riecht. Anosmie ist der medizinische Begriff für den Verlust des Geruchssinns.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Anosmie ist der medizinische Begriff für den Verlust des Geruchssinns. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Man kennt es von Schnupfen: Die Nase ist zu und der Geruchssinn weg. Schon die paar Tage ohne Geruch sind für viele quälend lang. Es gibt Menschen, die nie mehr etwas riechen können - wie Walter Kohl. Wie ein Leben so ganz ohne Gerüche ist, beschreibt er in seinem Buch "Wie riecht Leben" (Paul Zsolnay-Verlag, 19,90 Euro).

Geruchsverlust durch Fahrradunfall

Nach einem schweren Sturz mit dem Fahrrad hatte Walter Kohl ein handtellergroßes Loch im Stirnbein. Auch das Nasenbein und das Jochbein wurden beschädigt. Es dauerte eineinhalb Jahre, bis die schweren Verletzungen verheilt waren. Das Loch wurde mit einem Karbonfiberdeckel geschlossen, doch der Geruchssinn kam nicht wieder zurück. Die Ärzte gehen davon aus, dass der Riechnerv bereits beim Unfall durchtrennt wurde.

Die Lust auf Sex ist weg

Walter Kohl hat keine Freude am Essen, da auch der Geschmackssinn beeinträchtigt ist. Doch viel schlimmer ist das Abhandenkommen von Gefühlen. Mit dem Unfall schwand auch die Lust: "Weil das Riechen so eng mit Gefühlen, Sinnlichkeit und Sexualität verbunden ist, befürchte ich, zusammen mit dem Geruchssinn all das verloren zu haben. Sinnlichkeit, Sensibilität. Sinn für Erotik. Seit einem Jahrzehnt quält mich das Ausbleiben sexueller Phantasien", berichtet Kohl. Der Verlust des Geruchssinns habe zu einer großen Verengung und Verarmung seines Lebens geführt. "Ich bin ein grober gefühlsarmer Klotz geworden", sagt Kohl über sich selbst.

Wenn die Erinnerung verblasst

Als wirklich schmerzhaft beschreibt Kohl das Verblassen der Erinnerung an Gerüche. Ein paar Jahre nach dem Unfall war die Erinnerung noch da, Kohl konnte Gerüche in seinem Kopf erleben. Dann verblassten sie langsam. Aufgefallen ist es Kohl, als er sich den Duft von Veilchen ins Gedächtnis rufen wollte. Davor war es schlimm, nichts zu riechen. Aber zu erkennen, dass auch die Erinnerung an die Gerüche verblasst, war für ihn ein Schock.

Einfluss auf den Geschmackssinn

Fehlt der Geruchssinn hat das auch Einfluss auf den Geschmackssinn: "Die Empfindung für Geschmack wird zwar immer feiner, sie übernimmt zum Teil jenen für Geruch. Der Preis aber ist eine unaufhörliche Überflutung der Mundhöhle mit viel zu intensivem Geschmack, den ich nicht richtig interpretieren kann", schreibt Kohl. Hat er beispielsweise im Auto einen metallischen Geschmack im Mund muss er Mitreisende fragen, ob sie Abgase, Benzin oder Reifengummi riechen - für seine Zunge schmeckt alles gleich.

Es leiden mehr Frauen unter Anosmie als Männer

Den Verlust des Geruchssinns nennen Ärzte Anosmie. Nach Angaben von "HNO-Ärzte im Netz" sind in Deutschland etwa fünf Prozent der Bevölkerung von Anosmie betroffen. Frauen und Mädchen verlieren häufiger ihren Geruchssinn als Männer und Jungen. Unter Hyposmie, einer Beeinträchtigung des Riechsinns, leiden 20 Prozent der Deutschen - quer durch alle Altersstufen. Jährlich werden um die 80.000 Patienten wegen Riechstörungen in HNO-Kliniken behandelt. Bei den über 80-Jährigen hat jeder Zweite sein Riechvermögen bereits verloren.

Mögliche Ursache für den Verlust des Geruchssinns

Es gibt viele Gründe, warum Betroffene nichts riechen können. Bei Alzheimer- und Parkinsonerkrankungen treten Riechprobleme vor den eigentlichen Beschwerden auf. Ein schwerer Unfall, ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine chronische Entzündung im Nasenbereich kann ebenso für den schwindenden Geruchssinn verantwortlich sein wie Allergien oder eine schiefe Nasenscheidewand. Oft ist Anosmie auch angeboren. Wichtig ist, dass Betroffene die Gründe für den Geruchsverlust abklären lassen. Denn im Falle einer krummen Nasenscheidewand oder eines Polypen kann oft eine Operation helfen.

70 Prozent der Riechstörungen entstehen durch Entzündungen

Die Mehrheit, nämlich 70 Prozent der Riechstörungen sind sinunasal, das heißt, die Ursache ist in Erkrankungen der Nase und und den Nasennebenhöhlen zu finden. Die Schädigung der Atemwege führt hierbei zu der Beeinträchtigung des Riechvermögens. Die anderen 30 Prozent haben ihren Ursprung in nicht-sinunasalen Riechstörungen. Hier liegt die Ursache in krankhaften Veränderungen des Riechapparates, beispielsweise durch Schädelverletzungen, bei denen Riechnerven ganz oder teilweise abreißen können.

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