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Zahnfüllungen aus Amalgam können gefährlich werden

26.10.2011, 10:42 Uhr | dpa-tmn, dpa-tmn

Zahnfüllungen aus Amalgam können gefährlich werden. Die Meinungen über Amalgam-Zahnfüllungen gehen weit auseinander. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Meinungen über Amalgam-Zahnfüllungen gehen weit auseinander. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Quecksilber ist im Prinzip ein Gefahrengut - und doch haben es viele im Mund: Amalgamfüllungen bestehen zu etwa 50 Prozent aus dem Schwermetall. Akut toxisch ist es zwar nur in gelöster Form und nicht, wenn es wie im Mund mit anderen Metallen gebunden und ausgehärtet ist. Unbedenklich sind amalgamhaltige Plomben dennoch nicht.

Amalgam erhöht Quecksilber-Wert

Wer die Füllungen im Gebiss hat, weist im Durchschnitt einen viermal so hohen Quecksilber-Wert im Blut auf wie amalgamfreie Menschen, so das Ergebnis verschiedener Studien, zuletzt von der German Amalgam Trial unter Leitung des Zentrums für naturheilkundliche Forschung der TU München. Was die gesundheitlichen Folgen angeht, gibt es keine einheitliche Meinung: Sehen die einen ein deutliches Vergiftungsrisiko, schätzen andere dieses als gering ein.

Gewissenhafter Umgang mit Amalgam

Wichtig ist in jedem Fall ein verantwortungsvoller Umgang mit Amalgam. Zahnärzte sollten ihre Patienten über Risiken informieren, eine Quecksilberallergie abfragen und bei der Verarbeitung bestimmte Sicherheitsvorkehrungen treffen: darunter besonders sorgfältiges Absaugen und der Einsatz spezieller Bohrer. "Die Vorsichtsmaßnahmen sind nötig, weil Quecksilber in Dampfform besonders gefährlich ist - und das entsteht beim Legen und Herausbohren der Füllungen", sagt Zajitschek. Außerdem sind zahnärztliche Praxen gesetzlich dazu verpflichtet, Amalgam als Sondermüll zu entsorgen - also nicht im Abwasser oder normalen Müll.

Bedenkenloser Einsatz

Darüber, dass die größte Vergiftungsgefahr beim Rein und Raus des Amalgams gegeben ist, besteht Einigkeit. Ganz anders sieht es im Hinblick auf mögliche Risiken des Schwermetall-Dauerkontaktes durch die Plomben aus. "Sobald die Füllung ausgehärtet ist, ist kein freies Quecksilber mehr vorhanden", betont Dietmar Oesterreich von der Bundeszahnärztekammer in Berlin. Zwar würden aus den Plomben durch mechanische Beanspruchung teils Spuren von metallischem Quecksilber freigesetzt. Doch dies habe in der Regel keine klinische Bedeutung, "da sowohl die Aufnahmerate als auch die freigesetzten Mengen so gering sind, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung nahezu vollständig ausgeschlossen werden kann."

Gefährdung durch Amalgam

Amalgamkritiker sehen das anders: "Die Füllungen geben fortlaufend kleine Dosen Quecksilber ab. Ein Teil davon lagert sich im Körper ab", erklärt Claudia Hesse von der Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin in Berlin. Freigesetzt werde das Schwermetall nicht allein in Form des Abriebs. So könnten sich auch durch Säuren Quecksilberionen aus den Plomben lösen und über den Speichel in den Verdauungstrakt gelangen, wo sie über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden. "Am gefährlichsten ist der Quecksilberdampf, der vor allem beim Verzehr heißer Speisen und Getränke frei wird", erläutert Hesse. Er wird über Nasen- und Mundhöhle eingeatmet, gelangt ins Blut und kann nicht nur alle Gewebe, sondern auch die Blut-Hirn-Schranke, durchdringen.

Bedenkliche Belastung mit Quecksilber

Dass das Schwermetall sich dort sowie in anderen Organen anreichert, belegen mehrere Autopsiestudien: So fand etwa die Italian Association for Metals and Biocompatibility Research bei Toten mit mehr als zwölf Amalgamplomben einen zehnfach erhöhten Quecksilbergehalt in Organen und Gehirn im Vergleich zu denen, die weniger als drei Plomben hatten. "Die gesundheitlichen Schäden, die durch eine chronische Quecksilberbelastung entstehen, können gravierend sein", sagt Peter Jennrich von der Ärztegesellschaft für klinische Metalltoxikologie. Häufig kommt es zu Symptomen wie innere Unruhe und Abgeschlagenheit sowie Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden. "Darüber hinaus kann eine Vergiftung mit dem Schwermetall auch Co-Faktor für beinahe alle chronischen Erkrankungen sein", ergänzt er. Zum Beispiel Diabetes, Multiple Sklerose und Autoimmunstörungen wie Rheuma - zu diesem Ergebnis kam unter anderem eine Meta-Studie des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg.

Was der Vergiftungsgefahr entgegenwirkt

Die Schwere der Vergiftung und damit ihrer Folgen hängt nicht nur von der Menge Amalgam im Körper ab. Als Faktoren kommen die Belastung mit anderen Toxinen - etwa durch bleihaltiges Trinkwasser - und der Gesundheitszustand der Betroffenen hinzu. "Ist jemand in guter körperlicher Verfassung, sind Entgiftungsfähigkeit und Belastungstoleranz in der Regel höher", erklärt Jennrich. So bleibt mancher trotz hoher Schwermetallbelastung beschwerdefrei, während andere sehr schnell reagieren. Dies und der Umstand, dass die Symptome einer chronischen Vergiftung sehr unspezifisch sind, macht eine eindeutige Diagnose schwer. Und führt indirekt dazu, dass die Negativauswirkungen der "Quecksilber-Dauerexposition" nach wie vor umstritten sind.

Quecksilber-Belastung nachweisen

Ob eine Vergiftung vorliegt und wie stark sie ist, kann meist nicht durch eine Standarduntersuchung herausgefunden werden. "Weder eine reguläre Blutanalyse noch eine Urinprobe zeigen alles", so Jennrich. Da die Schadstoffe sich in Gewebe und Organen anreichern, bringt nur ein spezieller Provokationstest Klarheit. Dieser erfolgt, indem ein Chelatbildner verabreicht wird - eine organische Verbindung, die in der Lage ist, versteckte Metallionen zu binden und abzuführen. Dadurch wird das tatsächliche Ausmaß der Belastung im Urin messbar. Von diesem Ergebnis hängt die Therapie ab. Dazu gehören das Entfernen der Amalgamplomben sowie eine Schwermetallausleitung. Letztere kommt auch bei akuten Vergiftungen - etwa nach Chemieunfällen - zum Einsatz und erfolgt am effektivsten mit Chelatbildnern.

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