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Tabletten: Nocebo-Effekt macht krank

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Angst vor Nebenwirkungen  

Nocebo-Effekt: Wenn der Beipackzettel krank macht

04.06.2015, 07:03 Uhr | mm, stw , dpa

Tabletten: Nocebo-Effekt macht krank. Tabletten: Beipackzettel können den schädlichen Nocebo-Effekt verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beipackzettel können den schädlichen Nocebo-Effekt verursachen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Placebo-Effekt ist jedem bekannt: Wenn der Patient nur an die Wirkung glaubt, helfen bereits Tabletten aus Zucker. Allerdings gibt es auch den umgekehrten Mechanismus: Glauben Patienten an den schädlichen Effekt eines Mittels, können sie davon krank werden. Ärzte sprechen dann vom sogenannten Nocebo-Effekt. Wir erklären, was dahinter steckt.

Der Nocebo-Effekt ist Medizinern bereits seit den 1960ern bekannt. Im Patientengespräch kommt das Phänomen, das die Heilung deutlich behindern kann, allerdings selten zur Sprache.

Krankmachende Beipackzettel

Ärzte machen sich den Placebo-Effekt längst zunutze und verbessern den Gesundheitszustand ihrer Patienten, indem sie gezielt Scheinmedikamente und -therapien ohne Nebenwirkungen und hohe Kosten einsetzen. Beim Nocebo-Effekt hingegen tritt das Gegenteil ein: Hier verursacht die Angst vor Medikamenten, dass sich gefürchtete körperliche Leiden tatsächlich einstellen.

Auslöser kann bereits das Lesen des Beipackzettels sein, der Menschen mit seinen aufgelisteten möglichen Nebenwirkungen stark verunsichert. Neben Angst können auch negative Einstellungen oder frühere negative Erfahrungen zum Nocebo-Effekt führen. Das Phänomen wurde nicht nur im Zusammenhang mit Medikamenten beobachtet: Auch die Erwartung, durch Funkmasten, Elektrosmog oder Atomkraftwerke zu Schaden zu kommen, hat bei Menschen bereits Beschwerden verursacht.

Die Erwartungen des Patienten sind entscheidend

"Die Psyche ist derart mächtig, dass sie Beschwerden auslösen kann", erklärt Psychiater und Hochschullehrer Professor Gerhard Gründer der Uniklinik Aachen den Nocebo-Effekt. So ist bei Patienten die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bestimmte Nebenwirkungen auftreten, wenn sie davon fest überzeugt sind. Mit der Substanz selbst haben die Beschwerden oft nichts zu tun, da sich bei den Patienten Nebenwirkungen zu einem Zeitpunkt einstellen, an dem die Dosis eigentlich noch viel zu gering ist, um zu wirken.

Negative Erwartungen beeinflussen Schmerzempfinden

Dass die Erwartungen körperliches Befinden und sogar das Schmerzgefühl beeinflussen kann, belegen Untersuchungen wie die der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Mainz, die den Nocebo-Effekt untersuchten. 38 gesunde Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt und eine Woche lang einem geringen gleichbleibenden Hitzeschmerz ausgesetzt. Einer Gruppe wurde jedoch mitgeteilt, dass der Schmerz im Verlauf der Tests zunehmen würde. Während bei der anderen Gruppe eine Gewöhnung an den Schmerz einsetzte und dieser dadurch abnahm, zeigten die negativen Erwartungen bei den anderen Auswirkungen: Ihr Schmerzgefühl nahm kontinuierlich zu.

Nicht nur Hypochonder sind betroffen

Wie beim Placebo konnten die Forscher die Wirkung in einem bestimmten Hirnareal nachweisen, es handelte sich also nicht nur um Einbildung. Allerdings gibt es noch keine schlüssige Erklärung seitens der Wissenschaft. Eindeutig ist jedoch: Nicht nur Hypochonder reagieren auf die Informationen von Beipackzetteln oder dramatische Berichte aus dem Internet mit körperlichen Leiden - beziehungsweise mit den befürchteten Symptomen. Das könnte an der psychosomatischen Wirkung liegen oder auch daran, dass Angstgefühle vor möglichen Nebenwirkungen zu akutem Stress führen und dadurch wiederum das Immunsystem geschwächt wird.

Ärzte können dem Nocebo-Effekt vorbeugen

Die behandelnden Ärzte spielen auch beim Nocebo-Effekt eine wichtige Rolle. Nicht nur Fehldiagnosen und vertauschte Laborergebnisse können schwerwiegende Folgen haben. Ist der Arzt nicht feinfühlig genug und ängstigt seinen Patienten, anstatt ihm Hoffnung zu machen, kann sich das direkt auf den Erfolg der Behandlung auswirken. Denn die innere Einstellung des Betroffenen ist entscheidet, ob und wie die Behandlung wirkt. Der Nocebo-Effekt verleitet einige Menschen dazu, wichtige Therapien abzubrechen, weil sie diese wegen ihrer psychisch bedingten Beschwerden für schädlich halten.

Den Nocebo-Effekt selbst durchbrechen

Psychiater Gründer rät dazu, Informationen über ein bestimmtes Medikament oder eine Behandlung, die ein Patient zum Beispiel im Internet oder in den Medien liest, kritisch zu hinterfragen. "Prinzipiell ist es gut, wenn Menschen sich selbst informieren", betont er. Bei der eigenen Recherche begegnen dem Betroffenen so idealerweise ähnliche Krankheitsfälle, die erfolgreich mit einem bestimmten Medikament geheilt werden konnten. Diese positiven Beispiele können Katastrophenfantasien durchbrechen. Die selbstständige Recherche darf allerdings niemals das Gespräch mit einem Arzt ersetzen.

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