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Mikrochip steuert Medikamentendosis

15.02.2012, 17:23 Uhr | dpa

Mikrochip steuert Medikamentendosis. Apotheke der Zukunft: Mikrochip gibt Medizin per Knopfdruck ab. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Apotheke der Zukunft: Mikrochip gibt Medizin per Knopfdruck ab. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Osteoporose-Patienten merken nicht direkt, dass ihnen ein Medikament hilft - die Einnahme wird deshalb öfter mal vergessen. Ein Chip, der das Mittel automatisch ins Gewebe abgibt, könnte Abhilfe schaffen. Forscher haben nun erstmals einen solchen Medizin-Mikrochip bei betroffenen Frauen getestet, der über Fernsteuerung Medikamente im Körper freisetzt.

Medizin auf Knopfdruck

Robert Langer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und sein Team hatten im Rahmen ihrer Studie sieben Frauen im Alter von 65 bis 70 Jahren einen Chip für mehr als 100 Tage unter die Haut implantiert. An 20 Tagen erhielten die Teilnehmerinnen per Knopfdruck eine Form von Parathormon. Dieser Wirkstoff muss für gewöhnlich täglich unter die Haut gespritzt und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das Parathormon wird von gesunden Menschen in den Nebenschilddrüsen gebildet und erhöht die Kalzium-Konzentration im Blut.

Trägt man in Zukunft eine Apotheke unter der Haut?

Langers Team und der Hersteller hoffen, dass solche Chips auch bei anderen Krankheiten eingesetzt werden können, beispielsweise bei chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, chronischen Schmerzen und Herzerkrankungen. Auch Mikrochips mit mehreren Medikamenten seien denkbar. Man könne sozusagen "eine Apotheke auf dem Chip" tragen, wird Langer in einer Mitteilung des MIT zitiert.

Frauen anfälliger für Osteoporose

Osteoporose betrifft vor allem Frauen in den Wechseljahren. Es kommt zum Knochenschwund mit der Gefahr, leichter einen Bruch zu erleiden. Als Therapie stehen unter anderen Vitamin D, Kalzium und Bisphosphonate zur Verfügung, die den Abbau des Knochens aufhalten sollen. Parathormon-Formen, wie das nun getestete Teriparatid, fördern den Knochenaufbau. "Die Behandlung mit Parathormon ist vergleichsweise teuer und wird in Deutschland in der Regel erst eingesetzt, wenn die anderen gängigen Osteoporosetherapien nicht gefruchtet haben", sagte Prof. Michael Amling, Sprecher einer Osteoporose-Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Darüber hinaus dürfe die Therapie mit Teriparatid bislang nur maximal zwei Jahre genutzt werden. In Deutschland werden laut Amling derzeit nur wenige Prozent der Erkrankten damit behandelt. Schätzungen zufolge haben hierzulande etwa acht Millionen Menschen Osteoporose.

Zuerst muss sich Gewebe um den Chip bilden

Acht Frauen in Dänemark bekamen den Chip unter die Bauchhaut eingesetzt. Bei einer Frau funktionierte die Technik nicht. Das Medikament wurde in kleinen Speichern aufbewahrt, die von einer hauchdünnen Schicht bedeckt waren. Über ein Signal wurden einzelne Fächer geöffnet, Parathormon gelangte in den Körper. Weil sich zuvor in Tierversuchen herausgestellt hatte, dass sich eine Gewebskapsel um den Chip bildete, wollten die Wissenschaftler auch testen, ob genug Parathormon hinausdringen kann. Acht Wochen wartete das Team nach der Implantation bis das Gewebe den Chip umschlossen hatte.

Chip-Spritze genauso wirksam wie herkömmliche Spritze

Dann erst begannen die Forscher mit der täglichen Medikamentengabe. Nachdem diese gestoppt wurde, bekamen die Frauen Parathormon gespritzt, um Vergleichswerte zu haben. Dies geschah auch, nachdem ihnen der Chip wieder entfernt wurde. Die Vergleiche der Blutwerte hätten gezeigt, dass beide Verabreichungsformen gleich wirksam waren. Die Forscher stellten die Ergebnisse ihrer Studie im Journal "Science Translational Medicine" und auf der Wissenschaftstagung AAAS in Vancouver vor.

Nicht alle Speicher geöffnet

Nach der Entfernung des Minigeräts stellte sich heraus, dass sich der überwiegende Teil der Speicher geöffnet hatte, aber nicht alle. Langer und Kollegen sehen beim Mikrochip den Vorteil, dass Patienten ihr Medikament nicht vergessen und sich nicht täglich zum Spritzen überwinden müssen. Die Entwickler des Chips hoffen, in etwa fünf Jahren eine Variante für die Allgemeinheit anbieten zu können. Angestrebt sind 400 Medikamenten-Dosen pro Chip.

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