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Inkontinenz: Blasenschwäche ist heilbar

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Inkontinenz: Blasenschwäche lässt sich heilen

20.02.2012, 13:20 Uhr | cme, dapd

Inkontinenz: Blasenschwäche ist heilbar. Tabukrankheit (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Blase schmerzt nicht nur bei einer Entzündung. (Quelle: imago)

Rund neun Millionen Menschen leiden in Deutschland an Harninkontinenz, schätzt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft – die Dunkelziffer ist hoch: Aus Scham sprechen viele Betroffene das Problem nicht einmal im engsten Familienkreis oder in der Arztpraxis an und leiden im Stillen. Was viele nicht wissen: Inkontinenz ist in den meisten Fällen heilbar. Neben Medikamenten und Gymnastik zur Stärkung des Beckenbodens stehen auch operative Therapien zur Verfügung.

Ursache für Inkontinenz entscheidend für Therapie

Die Ursache einer Harninkontinenz sind meist zwei ganz unterschiedliche Erkrankungen der Harnblase: Bei der sogenannten „Belastungsinkontinenz“ ist die Beckenbodenmuskulatur geschwächt, sodass der Schließmuskel der Harnröhre nicht mehr richtig funktioniert. In diesem Fall kann ein Beckenbodentraining erfolgreich sein. Bei einer „Dranginkontinenz“ hingegen ist die Harnblase überaktiv. In leichten Fällen können spezielle Tees oder auch ein Blasentraining helfen. Laut Professor Heinz Kölbl, Zweiter Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, lässt sich diese Form auch gut mit Medikamenten behandeln. Bei Männern kann auch eine vergrößerte Prostata Ursache für Inkontinenz sein ("Überlauf-Inkontinenz"). Auch hier können Medikamente meist helfen.

Botox - das "Viagra der Harnblase"

Wenn Medikamente nicht helfen, kommen vor allem zwei Operationsmethoden in Betracht: Zum einen die „Neuromodulation“ – eine elektrische Stimulierung der Blase und der zugehörigen Nervenfasern. Dazu werden dünne Kabel an die Nerven im Steißbein-Bereich implantiert. Zusätzlich wird auch ein „Blasenschrittmacher“ eingesetzt, der es den Patienten per Fernbedienung ermöglicht, gezielt Wasser zu lassen oder dieses zu unterdrücken. Zum anderen
wird auch Botulinum Toxin A, im Volksmund als Botox bekannt, zur Behandlung von Inkontinenz eingesetzt: Dazu wird die Substanz mit einer feinen, flexiblen Nadel in den Blasenmuskel injiziert und behilft so binnen kurzer Zeit, den Muskel zu beruhigen und die Beschwerden zu lindern. „Aufgrund der langen Wirksamkeit und unproblematischen Handhabung stellt für mich Botulinumtoxin sozusagen das ´Viagra der Harnblase` dar“, erläutert Professor Klaus-Peter Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein und Erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

Mini-Operationen beheben Inkontinenz

Bei einer Beckenboden-Schwäche, insbesondere bei Frauen, können dem Experten zufolge auch schon sehr kleine Eingriffe das Problem beheben: Zu den sogenannten „minimalinvasiven“ Methoden zählt zum Beispiel das Einsetzen von Netzbandschlingen, auch Kontinenzbändchen genannt. Diese werden um die Harnröhre gelegt und verhindern, dass diese unter Belastung absinkt – in neun von zehn Fällen führt das zu einer Heilung der Inkontinenz, weiß Heinz Kölbl. Ein längerer Krankenhausaufenthalt ist so heutzutage nur noch in den wenigsten Fällen nötig: Nur in Extremfällen kommen komplexere Operationen infrage, wie zum Beispiel der Einsatz einer künstlichen Ersatz-Blase.

Operation als letzter Ausweg

Heinz Kölbl mahnt allerdings zur Vorsicht: „Die optimale Operationsmethode gibt es nicht. Wichtig ist, eine genau auf den Patienten abgestimmte Therapiemöglichkeit zu finden – Voraussetzung dafür ist eine sorgfältige Diagnose.“ Der Experte rät erst zu einer Operation, wenn eine medikamentöse Behandlung fehlgeschlagen ist. Im Zweifelsfall sollte ein Spezialist für Harnwegserkrankungen zurate gezogen werden.

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