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Männer: Was macht der Männerazt?

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Männergesundheit  

Warum Männer zum Männerarzt müssen

03.09.2012, 09:35 Uhr | dpa/ag

Männer: Was macht der Männerazt?. Der Männerarzt  kennt die anatomischen und psychologischen Unterschiede bei Männern.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Männerarzt kennt die anatomischen und psychologischen Unterschiede bei Männern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Versagensängste im Bett, Herzprobleme oder Depressionen? Was ihre Gesundheit angeht, ticken Männer und Frauen so unterschiedlich, dass Mediziner getrennte Gesundheitszentren für beide Geschlechter befürworten. Die so genannte Gender-Medizin kümmert sich um die spezifischen Gesundheitsprobleme von Männern beziehungsweise Frauen. Dabei werden nicht nur körperliche Leiden behandelt. Da Männer von bestimmten Rollenklischees geprägt werden, gehen sie mit körperlichen und psychischen Problemen ganz anders um als Frauen. Lesen Sie hier, wie Männer ihre Gesundheit ruinieren.

Drückeberger in Sachen Vorsorge

Wolfgang Harth ist Hautarzt und Androloge - Männerarzt. Seine Klinik-Abteilung, das Berliner Männergesundheitszentrum, geht gesundheitliche Probleme bei Männern bewusst fachübergreifend an. Auch soziale Phänomene bleiben nicht außer Acht. "Männer werden anders erzogen", sagt Harth. Viele glaubten nicht nur an ihr Heldentum. Aus Lifestyle-Magazinen hätten sie inzwischen auch völlig falsche Vorstellungen darüber, wie ihr Körper auszusehen habe. Männer gingen auch seltener zu Vorsorgeuntersuchungen als Frauen. Sie verzögerten Arztbesuche. Und sie kämpfen mit neuen Rollenbildern: Erfolgreich sein, aber kein Macho, mehr als ein Wochenend-Papa, selbstständigen Frauen gewachsen - und dabei am besten noch aussehen wie George Clooney.

Von der Ehefrau zum Männerarzt geschickt

Wolfgang Harth bemerkt auf der anderen Seite aber auch eine größere Offenheit von Männern im Umgang mit ihrem Körper - wenn auch weitaus zögernder in psychischen Angelegenheiten. Der Mediziner leitet ein Berliner Männergesundheitszentrum. Unter dem Schlagwort "biopsychosozial" ist am Vivantes Klinikum Spandau alles auf Körper und Seele von Männern ausgerichtet - von Ängsten im Bett bis zum Anspruch, ein gut aussehender Held zu sein. Nicht alle Patienten, so Hardt, kämen jedoch aus eigenen Stücken in die Sprechstunden. Manche würden von Ehefrau oder Freundin angemeldet. Dabei kann es um Probleme gehen, die nicht sofort Männern zugeordnet werden: Wechseljahrbeschwerden, keine Lust mehr auf Sex. Auch im Spandauer Männergesundheitszentrum können die Herren der Schöpfung über alles sprechen, was sie quält: Unlust im Bett, Müdigkeit, Traurigkeit, Stress im Beruf oder Angst vorm Alter. "Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Lebensweg und Lebenskonzepten", sagt Chefarzt Harth. Das Entscheidende sei, Patienten auf das richtige Gleis zu setzen. Denn hinter Erektionsstörungen könnten psychische Probleme stecken - aber auch eine Herzerkrankung.

Männer tragen andere Risiken als Frauen

Dass sich Männer und Frauen über ihre Anatomie hinaus aus medizinischer Sicht unterscheiden, ist keine neue Erkenntnis - aber eine junge. Die Berliner Charité hat 2003 für die Geschlechterforschung in der Medizin (Gender) ein eigenes Institut eingerichtet. Zu den ersten Forschungsergebnissen gehört zum Beispiel die Erkenntnis, dass Frauen nach Bypass-Operationen häufiger unter depressiven Verstimmungen leiden als Männer. Und für Männer sind wabbelige Fettbäuche wahrscheinlich gefährlicher als für Frauen.

Gender-Medizin macht Schule

Die geschlechterspezifische Medizin hat auch für Frauen Vorteile. So hat Dr. Stephanie Krüger, Chefärztin am Berliner Vivantes Humboldt-Klinikum, vor einem Jahr das Zentrum für Seelische Frauengesundheit in Berlin mitgegründet. Es trifft wohl einen Nerv: Immer mehr Frauen wollten mit Fachfrauen über unerfüllte Kinderwünsche, Wechseljahrbeschwerden oder Depressionen reden, sagt die Ärztin. Den tröstenden Satz "Da musst du durch" ließen sie nicht mehr gelten. Hormonpflästerchen beim Gynäkologen reichten ihnen nicht. Es sei eine Selbstbewusstseins- und eine Generationenfrage. Stephanie Krüger hatte als Psychiaterin früher eine Sprechstunde an der Charité - nur für Frauen. Sie bringt auch Erfahrungen aus Kanada mit. Auch Großbritannien sei weit in der Gender-Medizin, sagt sie. Deutschland hinke hinterher. Das Zentrum in Berlin ist ein Versuch, das zu ändern. "Noch ist es in dieser Form bundesweit das einzige", sagt Krüger. Der Zustrom sei bundesweit so groß, dass Frauen inzwischen sechs Wochen lang auf einen Termin warten müssten. "Leider", seufzt Krüger. "Da gibt es eine Lücke im Versorgungsnetz."

Der Wunsch nach einem erfüllteren Leben

Die Schwerpunkte des Zentrums lesen sich auf den ersten Blick so, dass man besser keine Frau sein möchte: Schmerzen während der Menstruation, seelische Not nach Fehlgeburten, Lebensunlust bei unerfülltem Kinderwunsch, Probleme in den Wechseljahren, psychische Erkrankungen bei Brustkrebs, Depressionen im Alter. Natürlich sei davon nicht jede Frau betroffen, betont Krüger. Aber wenn ein Punkt zutreffe, sei ein aufmunterndes Schulterklopfen oder der Satz "Das wird schon wieder" eben oft nicht ausreichend. "Die Bagatellisierung von seelischen Frauenleiden war lange ein Problem", sagt die Chefärztin. Scheu, Angst und Scham hätten häufig die Suche nach Hilfe behindert. Heute seien viele Frauen entschlossen, körperlichen und seelischen Schmerz nicht mehr zu tolerieren. "Da geht es um den Wunsch nach einem erfüllten Leben, auch nach einem erfüllten sexuellen Leben", sagt Krüger.

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