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Sind Darmbakterien verantwortlich für Übergewicht?

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Übergewicht  

Sind Darmbakterien schuld an Übergewicht?

26.11.2015, 19:32 Uhr | dpa

Sind Darmbakterien verantwortlich für Übergewicht?. Normalgewichtige Menschen haben eine andere Darmflora als Übergewichtige. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Normalgewichtige Menschen haben eine andere Darmflora als Übergewichtige. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Übergewicht hat viele Ursachen. Inwieweit der Darm dabei eine Rolle spielt, wurde in der Vergangenheit viel diskutiert. Jetzt stellt eine neue Studie die These auf, dass auch das Sättigungsgefühl von Darmbakterien gesteuert wird. Die Erkenntnisse sind umstritten.

Die Bakterien im Darm sind nicht nur an der Verdauung beteiligt, sondern beeinflussen die Gesundheit auf vielen Wegen - darüber ist man sich einig. Ob sich Gewichtsprobleme mit Hilfe der Erkenntnisse bewältigen lassen, bleibt fraglich.

Steuern Proteine das Hungergefühl?

In Zell- und Tierversuchen zeigten Forscher um Jonathan Breton vom Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm) in Rouen (Frankreich), dass Escherichia coli-Bakterien einige Zeit nach dem Essen Signale aussenden. Diese rufen auf ähnlichen Wegen wie der Körper ein Sättigungsgefühl hervor, wodurch Mäuse im Tierversuch ihre Nahrungsaufnahme einschränkten. Die Änderungen der Proteine scheinen sich auf die Nahrungsaufnahme direkt auszuwirken, meinen die Forscher, die ihre Arbeit im Fachblatt "Cell Metabolism" vorstellten.

"Das sind interessante Experimente", kommentiert Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam die Studie. "Aber ich halte die Daten momentan für überinterpretiert." Es sei unklar, welche Komponenten für die beobachteten Effekte wirklich verantwortlich seien. "Insgesamt ist das noch nicht gut genug zusammengeführt."

Bakterien helfen bei der Verdauung

Schätzungen zufolge leben an und im menschlichen Körper etwa zehnmal so viele Darmbakterien wie der Mensch Zellen besitzt. Viele Mikroorganismen haben sich im Dickdarm eingenistet, und helfen bei der Verdauung. Experten gehen davon aus, dass es etwa 1000 unterschiedliche Bakterienstämme gibt. "Neue molekularbiologische Methoden erlauben es endlich, die speziellen Bakterienkolonien in unserem Körper detailliert zu untersuchen", sagt Professor Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Ist die Darmflora schuld an Übergewicht?

Weil viele der Darmbakterien außerhalb des Körpers nicht überleben können und Tests an Bakterienkulturen nur begrenzt möglich sind, blieb ihre Identität bislang zum Teil im Verborgenen. Inzwischen gibt es Erkenntnisse über ihre Rolle bei entzündlichen Darmerkrankungen und Störungen des Immunsystems - auch dank der Forschung an Teilen des Bakterienerbguts, die sich im Stuhl nachweisen lassen. "In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass auch die Entstehung von Übergewicht etwas mit der Darmflora zu tun hat", sagt Bischoff. 

"Zu viel Essen wird doppelt bestraft"

Bereits 2011 hatten internationale Forscher berichtet, dass sich Menschen in drei verschiedene Darmtypen einordnen lassen könnten. Ob ein Mensch dick sei oder nicht, könnte auch daran liegen, welche Bakterien das Verdauungssystem besiedeln, hieß es. Laut Bischoff haben dicke Menschen mehr sogenannte Firmicutes-Bakterien im Darm. Diese helfen, schwer verdauliche Kohlenhydrate aufzunehmen. Auch bei Normalgewichtigen werde durch mehr Nahrung die Zahl der Bakterien erhöht - und dadurch mehr Energie gewonnen. "Zu viel Essen wird doppelt bestraft", sagt Bischoff. Erstens durch die übermäßige Zufuhr von Energie. Zweitens werde die Verwertung der Nahrung durch ein Mehr an Firmicutes optimiert. Die Folge: Überschüssige Energie lagert sich als Fett an Hüften und Bauch ab. 

Veränderte Darmflora, veränderte Verdauung

Wird die Mikroflora eines Lebewesens in den Darm eines anderen verpflanzt, so nimmt sie bestimmte Informationen und Funktionen mit. Das zeigte beispielsweise eine Gruppe, an der Professor Philip Rosenstiel vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel beteiligt ist. Das Team machte Experimente mit Mäusen mit einem Enzymmangel. "Bei diesen Tieren ist das Immunsystem geschwächt, die Mikroflora im Darm ist verändert, und sie neigen mehr zu Entzündungen", sagt Rosenstiel. Die Forscher "verpflanzten" Exkremente dieser Nagetiere in den Darm gesunder Labormäuse: Diese zeigten daraufhin ebenfalls Entzündungszeichen. "Man kann aber streng genommen nicht von einer Ansteckung im Sinne einer Infektion sprechen", sagt Rosenstiel. 

In einer kleinen Studie machten unlängst niederländische Mediziner Versuche mit 18 fettleibigen Männern, die Störungen des Zuckerstoffwechsels hatten. Ein Teil dieser Männer bekam Darmbakterien von schlanken Menschen in das Verdauungssystem "gespült". Die Darmflora hatte sich daraufhin sechs Wochen später verändert. Die Männer konnten den Zucker besser verarbeiten.

Lichtblick für die Adipositas-Behandlung

"All diese Studien liefern Erkenntnisgewinn und eröffnen eine neue Spielwiese für therapeutische Konzepte", sagt Bischoff. So könnte die Darmflora noch gezielter über die Ernährung oder durch Medikamente manipuliert werden, wie das ja teils schon geschehe. "Auch wenn konkrete Mikrobiotika noch Zukunftsmusik sind, so sind die Ergebnisse doch ein Lichtblick, beispielsweise in Sachen Adipositas-Behandlung".

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