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Aids: "Liebe Kollegen, ich habe HIV" - Mutige Bekenntnisse von Betroffenen

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HI-Virus  

"Liebe Kollegen, ich habe HIV" - Mutige Bekenntnisse von Betroffenen

26.11.2012, 17:08 Uhr | dpa

Aids: "Liebe Kollegen, ich habe HIV" - Mutige Bekenntnisse von Betroffenen. Moritz (l.) und David sind HIV-Positiv. Für eine neue Aufklärungskampagne gehen sie ganz offen mit ihrer Krankheit um. (Quelle: dpa)

Moritz (l.) und David sind HIV-Positiv. Für eine neue Aufklärungskampagne gehen sie ganz offen mit ihrer Krankheit um. (Quelle: dpa)

Dank wirkungsvoller Medikamente ist Aids heutzutage kein Todesurteil mehr und lässt sich gut behandeln. Viele HIV-Positive arbeiten. Doch im Job offen über die Infektion zu reden - das wagen längst nicht alle. Zwei Betroffene berichten von ihren Erfahrungen.

HIV-Positive können fast alle Berufe ergreifen

Manchmal war es wie ein doppeltes Leben, ein Gefühl von Versteckspiel. Mehr als drei Jahre lang hat David seinen Kollegen die Krankheit verschwiegen. Niemandem fiel auf, dass er alle paar Wochen zum Arzt ging. Warum auch? David ist Mitte 40 und wirkt topfit. Heute geht er in Berlin auf dem Weg zur Arbeit an großflächigen Plakaten mit seinem Gesicht vorbei. "Ich habe HIV" steht links neben seinem Foto. "Und die Akzeptanz meines Chefs", geht es unten weiter. Es sind Plakate zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember, die seit Ende Oktober in ganz Deutschland hängen. Sie signalisieren, dass beim Thema HIV noch längst nicht alles gesagt ist. HIV und Job - geht das überhaupt?

Ja, es geht. Aber erst, seit die Immunschwächekrankheit dank moderner Therapien vor rund 15 Jahren für viele Patienten zu einer chronischen Infektion wurde. Unheilbar noch immer, aber mit Tabletten beherrschbarer. Doch die Bilder von ausgemergelten und sterbenden Aidskranken aus den 80er Jahre sind in vielen Köpfen noch fest verankert. So fest, dass es für manche vielleicht eine Denkblockade ist, an HIV und Arbeit zu denken. Dabei können Männer und Frauen mit HIV-Diagnose und Therapie heute fast alle Berufe ergreifen. Nur in Kliniken gibt es Einschränkungen, bei Operationen zum Beispiel.

Man darf die Krankheit verschweigen

wie Ob Vorgesetzte und Kollegen aber um die Infektion wissen, steht auf einem anderen Blatt. Es gebe keine Pflicht, sich zu erklären, sagt David. "Man darf auch lügen." Wer die Wahrheit sagen möchte, dem rät David zur Besonnenheit. Auch, wenn er nun als Botschafter für das Bundesgesundheitsministerium, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Aids-Hilfe öffentlich sein Gesicht zeigt. Nur sein Nachname bleibt ungenannt. Das ist der Deal. 

David arbeitet in Berlin in einer sozialen Einrichtung. Er mag seinen Job, hilft schwächeren Menschen gern. Doch bevor er über seine eigene Krankheit sprach, erkundigte er sich beim Betriebsrat nach der Position der Geschäftsführung zu HIV. Erst als die Rückmeldung nicht auf Ressentiments schließen ließ, suchte er das Gespräch mit seinem Chef. "Er hat nach dem ersten Schock gefragt, wie es mir gesundheitlich geht", erinnert sich David. Sein Job stand nicht in Frage. Doch er weiß, dass solche Offenheit auch andere Folgen haben kann - von Mobbing bis Kündigung. 

Dass David den Mut fand, sich über die Plakate auch ahnungslosen Kollegen und Bekannten zu offenbaren - das hat viel mit dem ersten Zuspruch zu tun. "Ich habe durchweg Anerkennung für meinen Schritt erfahren", sagt David. Einen Teil dieser Kraft gibt er nun zurück, als Ermutigung für andere Betroffene - und auch als Denkanstoß für Unternehmen.

Aids unterliegt vielen Klischees

Rund 78.000 Menschen leben nach den jüngsten Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen in Deutschland mit HIV/Aids. Allein von dieser Zahl her ist nicht völlig unwahrscheinlich, dass ein Kollege oder Mitarbeiter infiziert ist. Doch oft sorgt eine Mischung aus Tabu und Berührungsangst für eine reflexartige Abwehrhaltung in Unternehmen: So etwas gibt es bei uns nicht. In einer solchen Atmosphäre erklärt sich kaum jemand freiwillig. 

Die neue Kampagne bedeutet auch für die Gesundheitsbehörden ein anderes Herangehen an HIV. Keine humorvolle Aufklärung wie beim TV-Spot "Tina, was kosten die Kondome?". Es ist die Frage, wie offen Deutschland etwa 30 Jahre nach den ersten Aids-Schreckensmeldungen mit der Krankheit umgeht. Und wie groß das Wissen darüber überhaupt ist. Die Kampagne zeigt Thomas, der als HIV-Positiver gerade Vater geworden ist, mit gesunder Freundin und gesundem Baby. Sie zeigt Mütter mit HIV und Menschen jenseits der 50. Es ist wie ein Gegenbild zu dem Klischee, dass diese Infektion nur irgendwas mit Schwulen oder Drogen zu tun hat. Und, dass sie ein schnelles Todesurteil ist. 

Eine Aidserkrankung kostet 20.000 Euro im Jahr

Es ist aber auch ein schmaler Grat. Für die Kampagne lassen sich nur Menschen gewinnen, die einen Weg gefunden haben, gut mit HIV zu leben. Die im Schatten sieht man nicht. Rund 550 Menschen, schätzt das RKI, hat Aids 2012 das Leben gekostet. Rund 50.000 Patienten müssen Medikamente nehmen, die das Virus im Körper in Schach halten. Nicht alle leben automatisch gut damit. Es gibt Menschen, die sich viel zu spät oder gar nicht auf HIV testen lassen. Und es gibt auch noch den Kostenfaktor. Mit rund 20.000 Euro pro Jahr schlägt eine HIV-Behandlung im Moment pro Patient zu Buche. 

Lesen Sie im zweiten Teil, wie der Student Moritz mit seiner Erkrankung lebt.

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