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Autismus: Vier Betroffene erzählen aus ihrem Leben

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Autismus Teil 4: "Ihr Kind spricht in der Schule nicht"

28.01.2013, 14:21 Uhr | Spiegel Online

Autismus: Vier Betroffene erzählen aus ihrem Leben. In der Schule stellte Annika das Reden komplett ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In der Schule stellte Annika das Reden komplett ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sie haben Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, tun sich schwer, Mimiken zu erkennen, und gelten oft als sonderbar. Doch eigentlich sind Asperger-Autisten nur eines: anders. Vier Betroffene erzählen über ihr Leben mit der Störung - und wie sie ihren Alltag damit meistern.

"Ihr Kind spricht in der Schule nicht"

Meike und Horst Brendel*, 59 und 63, Eltern einer 17-jährigen Asperger-Autistin

"Als Annika* drei Jahre alt war, fiel uns auf, wie schwer ihr das Sprechenlernen fiel. Im Kindergarten war sie sehr schüchtern und fand kaum Anschluss. Aber eine dreijährige Sprachtherapie brachte Besserung. Annika konnte alle Buchstaben richtig aussprechen und sich mit uns unterhalten, auch wenn sie oft Zeit brauchte, um zu überlegen, was sie sagen wollte. Bis zur Einschulung schien sie Dank der Therapie ihre größten Probleme überwunden zu haben.

Dann kam der Schulalltag - und mit ihm die Verwunderung der Lehrer und der Mitschüler: Mitunter brauchte Annika mehr als zehn Sekunden, bis sie auf eine Frage antwortete. Ihre Lehrerin schimpfte sie oft aus und drängte sie dazu, mehr zu reden. Annika aber stellte das Reden in der Schule schließlich völlig ein. Vier Jahre lang bekamen wir immer wieder zu hören: 'Ihr Kind spricht in der Schule nicht.' Dabei redete sie zu Hause sehr viel und war an allem interessiert.

Telefongespräche üben

Auch auf dem Gymnasium sprach unsere Tochter kaum. Und so suchten wir eine Gruppen-Sprachtherapie für sie. Dort übte sie zum Beispiel Telefongespräche oder Gesprächssituationen beim Einkaufen. Das stärkte ihr Selbstbewusstsein. Schließlich begann sie in der siebten Klasse allmählich, auch in der Schule zu reden.

Vieles blieb dennoch schwierig, auch für uns: Es tat weh zu sehen, wie Annika von ihren Mitschülern oft gemobbt wurde. Nur selten war sie zu Geburtstagsfeiern von anderen eingeladen. Wenn wir bei uns zu Hause ihren Geburtstag feierten, bekam sie viele Absagen. Dennoch ermutigten wir Annika stets, über Schüler-VZ oder andere Foren Kontakt mit ihren Mitschülern aufzunehmen. Auf diese Weise fand sie sogar eine Freundin, mit der sie öfter die Nachmittage zusammen verbrachte.

Erst als Annika 14 war, stellten Psychologen die Diagnose 'hochfunktional autistisch'. Beim hochfunktionalen Autismus ist im Gegensatz zum Asperger-Syndrom die allgemeine Sprachentwicklung verzögert. Dennoch liegt die Störung im Autismusspektrum im Bereich des Asperger-Syndroms und hat damit viele typische Symptome gemein, wie etwa motorische Probleme oder Schwierigkeiten bei der Erkennung von Mimik und Gestik. Für uns war die Diagnose eine große Erleichterung. Endlich waren alle Besonderheiten unserer Tochter erklärbar.

Eine Schulbegleiterin half bei der Integration

Nach der Diagnose setzten wir uns dafür ein, dass Annika eine Schulbegleiterin bekommt. Sie half ihr bei der Integration in die Klasse und konnte sie auch vor Angriffen der Mitschüler schützen. Inzwischen ist unsere Tochter 17 Jahre alt und im zweiten Jahr der Oberstufe eines technischen Gymnasiums.

Wir haben uns für eine Schule entschieden, in der es noch Klassen statt Kurse gibt. So muss sie sich nicht andauernd an wechselnde Personen gewöhnen. Annika ist gesichtsblind. Das heißt, ihr fällt es sehr schwer, Klassenkameraden oder Lehrer wiederzuerkennen.

Manche Mitschüler empfinden es zwar als unfair, wenn Annika beispielsweise mehr Zeit für Klausuren bekommt oder teilweise anders benotet wird. Doch wir schätzen es sehr, dass die Schulleitung bereit ist, neue Wege zu gehen und die in der Politik viel erwähnte Inklusion zu fördern.

Mit den üblichen Smalltalk-Themen von Teenagern über Mode oder Freunde kann Annika nach wie vor nichts anfangen. Aber es gibt Schülerinnen, die sogar sehr gerne mit ihr zusammenarbeiten, weil es besonders produktiv ist. Unsere Tochter ist auf dem besten Weg, sowohl in der Schule als auch im Alltag selbständiger zu werden. Fremden Menschen fällt es kaum noch auf, dass sie 'anders' ist.

*Namen geändert

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