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IGeL: Bei Selbstzahler-Leistungen skeptisch sein

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Wenn Krebsvorsorge eher schadet

21.03.2013, 15:50 Uhr | dpa

IGeL: Bei Selbstzahler-Leistungen skeptisch sein. Viele Patienten vertrauen dem Rat ihrer Ärzte und lassen sich auf IGeL-Angebote ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Patienten vertrauen dem Rat ihrer Ärzte und lassen sich auf IGeL-Angebote ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Millionenfach willigen Patienten in Selbstzahler-Leistungen ein. Doch diese sind nicht immer sinnvoll, ab und an sind sie sogar gefährlich. Denn viele Angebote bergen unnötige Risiken und schaden dem Patienten somit mehr, als sie helfen. Krankenkassen bezweifeln deshalb, ob die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) auch dem Versicherten - und nicht nur dem Geldbeutel des Arztes - etwas bringen.

Ärztlicher Rat verunsichert Patienten

Viele Patienten verunsichert der ärztliche Rat zu Selbstzahler-Leistungen. So auch die 51-jährige Patienten aus Berlin. Ihr Arzt hatte ihr eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke angeboten. Zahlen müsste sie selbst, aber Krebs könnte so auch früh erkannt werden. Sie wandte sich an die Unabhängige Patientenberatung - und die riet ab. Millionenfach willigen Patienten aber in Selbstzahler-Leistungen ein. Nach Darstellung der Krankenkassen ist die Hoffnung trügerisch, dass die Untersuchungen und Behandlungen eine echte Hilfe sind.

Unnötige Operationen nahegelegt

Die Patientenberatung antwortete der 51-Jährigen: "Ein sicherer Nachweis, dass der Eierstock-Ultraschall bei der Krebsfrüherkennung nützlich ist, fehlt bislang." Oft würden Auffälligkeiten entdeckt - ob es Krebs ist, lasse sich verlässlich dann aber nur durch eine operative Entfernung der Eierstöcke herausfinden. Nur bei einer von 20 operierten Frauen stoßen die Ärzte tatsächlich auf Krebs. Frauen ohne jede Beschwerde können also viel Stress oder sogar eine unnötige OP vermeiden, wenn sie auf eine Untersuchung verzichten.

Nutzen der Selbstzahler-Leistungen angezweifelt

Ob Vorsorge gegen Grünen Star beim Augenarzt, professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt, bestimmte Bluttests beim Hausarzt oder auch Ultraschalluntersuchungen zur Brustkrebsvorbeugung - am Nutzen der häufigsten Angebote gibt es laut Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDS) durchweg Zweifel. 26 der IGe-Leistungen bewertete der MDS bisher für sein Internetangebot IGeL-Monitor. Zwölf Mal lautete das Ergebnis: Nutzen nicht erwiesen, Schäden möglich. In elf Fällen gebe es zu wenig Studien, um klare Aussagen zu treffen - oder Nutzen und Schäden halten sich die Waage. Nur drei Mal gibt es ein tendenziell positives Fazit: bei der Akupunktur gegen Migräne, der Laserbehandlung von Krampfadern und der Lichttherapie bei saisonaler Depression.

IGeL bessern Ärztekasse auf

Für viele Ärzte sind die IGeL-Angebote eine willkommene Möglichkeit, den Praxisumsatz jenseits der strengen Honorarbudgets aufzubessern. Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO) wuchs der Markt in den vergangenen Jahren stark, die Ärzte kämen so auf mittlerweile rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Niemand weiß genau, wie oft der Mediziner das Angebot mit einem lapidaren Satz garniert wie: "Das sollte Ihnen Ihre Gesundheit wert sein." Oft lassen die Mediziner laut den Krankenkassen aber durchblicken, dass die Patienten besser das Selbstzahler-Angebot annehmen sollen, wenn sie weitere Behandlungen auf Kassenkosten wollen.

Krankenkassen: "Unnötige Belastungen" vermeiden

Doch ist es nicht so, dass die Kassen knausern und die entsprechenden Leistungen oft nicht mehr angeboten werden? "Das ist schlichtweg falsch", versichert die Chefin des Kassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer. Bestimmte IGeL-Angebote hätten die Versicherten mangels Nutzennachweis noch nie per Chipkarte bekommen. Bei anderen Angeboten wie vielen Krebsvorsorge-Untersuchungen müsse ein Krankheitsverdacht vorliegen, so dass sie nicht zu unnötigen Belastungen führen.

Bessere Patientenaufklärung nötig

Die obersten Standesvertreter der Ärzte fahren eine Doppelstrategie: Die Bewertungen des MDS kritisiert Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery als vielfach problematisch. An die eigene Zunft gerichtet mahnt er, die Patienten immer gut aufzuklären. Das ist laut der WIdO-Studie auch bitter nötig. Nicht gut aufgeklärt wurden demnach 59 Prozent der Patienten bei einer Glaukomvorsorge, 47 Prozent bei Blutuntersuchungen, 40 Prozent bei ergänzender Krebsfrüherkennung bei Frauen. Reichlich Zulauf dürfte der Unabhängigen Patientenberatung oder den Infoseiten von Kassen und Ärzteschaft im Internet weiter gesichert sein.

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