Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Durafistel: Verbundene Arterien stecken hinter Pochen im Ohr

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gehirnkrankheit  

Ein rätselhafter Patient: Herzschlag im Ohr

03.06.2013, 12:53 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Durafistel: Verbundene Arterien stecken hinter Pochen im Ohr. Tinnitus: Eine Durafistel im Kopf kann pulssynchrone Ohrgeräusche auslösen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Tinnitus: Eine Durafistel im Kopf kann pulssynchrone Ohrgeräusche auslösen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gequält von einem Geräusch im Ohr läuft eine Patientin von einem Arzt zum anderen. Ein Tinnitus-Verdacht bestätigt sich nicht. Was also ist Ursache ihres Leidens? Erst eine Ultraschalluntersuchung bringt die Mediziner auf die richtige Spur.

Pochen im Ohr - so schnell wie der Herzschlag

Der Hausarzt findet nichts und der HNO-Arzt auch nicht. Der nächste Internist ist ebenso ratlos wie sein kardiologischer Kollege, auch der Orthopäde hat keine zündende Idee, und die Diagnostik des Neurologen bleibt ohne eindeutiges Ergebnis: Keiner weiß, warum die 72-jährige Frau, die in Hamburg einen Arzt nach dem anderen konsultiert, Ohrgeräusche hat. Seit über einem Jahr plagt das Pochen im linken Ohr die Patientin. Es ist genauso schnell wie ihr Herzschlag, pulsiert mal mehr und mal weniger laut, bei Ruhe aber ist es immer da. Vor allem in der Nacht kann die Frau nicht schlafen, sie fühlt sich matt und gequält. Dabei sind die Mediziner nicht untätig: Der eine lässt ein Computertomogramm vom Kopf machen, der andere eine Kernspinaufnahme. Die Radiologen vermuten, es könne sich um eine "gering ausgeprägte Labyrinthitis" handeln, also um eine unspezifische Entzündung des Innenohrs, wie sie mitunter beim Tinnitus vorkommt. Auf die Frage, ob es außergewöhnliche Gefäße im Kopf der Frau gebe, antworten sie: "Keine Gefäßanomalie. Keine Fistel."

Ein Tinnitus kann ausgeschlossen werden

Der nächste niedergelassene Neurologe gibt sich mit diesen Befunden nicht zufrieden. Die Frau hat keinen typischen Tinnitus, der schwierig zu therapieren und nur selten komplett zu beheben ist. Diese Patientin hat ein pulssynchrones Ohrgeräusch. Längst nicht jedem Mediziner ist dieses Phänomen bekannt: Ein direkt im Ohr gehörter Herzschlag spricht für eine sogenannte Durafistel. Dabei handelt es sich um eine Verbindung zwischen den Arterien im Kopf, die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgen, und den venösen Abflüssen, die im Gehirn innerhalb der harten Hirnhaut unter der Schädeldecke verlaufen.

Sehen, hören, schmecken: ganz normal

Normalerweise gibt es eine solche Verbindung nicht, mitunter entsteht sie durch einen Unfall, manchmal aber auch ohne erkennbaren Grund. Das Problem dabei: Eine solche Fistel kann gefährlich werden, wenn sich der hohe Blutdruck aus den Arterien auch in den Venen aufbaut und das Blut nicht schnell genug abfließt. Eine Hirnblutung droht. Weil der Arzt dieses Krankheitsbild vermutet und die bislang angefertigten Aufnahmen für eine endgültige Beurteilung nicht ausreichen, schickt er die gequälte Patientin zur weiteren Abklärung in die neurologische Abteilung der Hamburger Asklepios-Klinik Wandsbek. Die Mediziner dort finden neben den subjektiven Beschwerden keine krankhaften Veränderungen: Die Frau kann normal sehen, hören, riechen und schmecken, sie hat keine Kopfschmerzen oder Lähmungen, die für einen pathologischen Vorgang im Gehirn sprechen würden. Die Ärzte machen nun den entscheidenden Schritt: Sie untersuchen den Kopf der Frau per Ultraschall - und finden heraus, dass die linke Hinterhauptsarterie ungewöhnlich stark durchströmt ist. Wie der Neurologe Achristian Arning und seine Kollegen im Hamburger Ärzteblatt berichten, ist dieser Befund typisch für eine Durafistel.

Endlich frei vom Dröhnen im Ohr

Nun klären die Radiologen mit einer genaueren Röntgenuntersuchung, ob die Verdachtsdiagnose stimmt: Sie spritzen der Patientin Kontrastmittel und beobachten im Röntgen, ob sich die Substanz durch die Füllung der linken Hinterhauptsarterie auch im benachbarten Venenabfluss verteilt, dem sogenannten Sinus sigmoideus. Die Gefäßdarstellung bestätigt die Verdachtsdiagnose Durafistel. Die Therapie ist vor allem abhängig von der Blutungsgefahr, aber auch vom Leidensdruck der Betroffenen.

Das Risiko, dass es aus den Gefäßen der Patientin ins Gehirn blutet, ist gering, denn der venöse Abfluss ist bei ihr kaum gestört. Weil sie sich aber extrem gequält fühlt durch das Pulsieren im Ohr, wird der Kurzschluss zwischen den Gefäßen in ihrem Kopf verschlossen. Dazu schieben die Ärzte einen Katheter durch ihre Gefäße bis hoch in die Hinterhauptsarterie und verkleben die falsche Verbindung. Danach ist die Patientin beschwerdefrei und erleichtert. Als das Geräusch ein Jahr später erneut auftritt, muss sie nicht mehr lange nach der richtigen Therapie suchen und ist nach einem weiteren Eingriff wieder befreit von dem störenden Pulsieren.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Die Duftkerze mit der bekannten NIVEA Creme-Note
jetzt bestellen auf NIVEA.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017