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Nelson Mandela: Muss ein alter Mensch unbedingt am Leben erhalten werde?

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Muss ein alter Mensch unbedingt am Leben erhalten werde?

03.07.2013, 12:25 Uhr | AP

Nelson Mandela: Muss ein alter  Mensch unbedingt am Leben erhalten werde?. Nelson Mandela: Sollte man einen alten Mann intensiv medizinisch versorgen oder sterben lassen? (Quelle: picture alliance/ abaca)

Nelson Mandela: Sollte man einen alten Mann intensiv medizinisch versorgen oder sterben lassen? (Quelle: picture alliance/ abaca)

Die Krankheit von Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela stellt dessen Angehörige vor eine universelle Frage: Soll ausgeprägte Intensivmedizin Menschen möglichst lange am Leben erhalten oder soll der Sterbende sanft in den Tod begleitet werden?

Loslassen fällt jedem schwer

Die Berühmtheit des weltweit verehrten Friedensnobelpreisträgers macht die Lage nach Einschätzung von Medizinern und Sterbebegleitern für die Familie noch komplizierter. Nelson Mandela "wird nicht nur verehrt, er wird von Leuten auf der ganzen Welt geliebt und tief bewundert, und das Loslassen wird jedem schwer fallen", sagt William Schaffner, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Vanderbilt-Universität in Nashville im US-Staat Tennessee.


Alte Menschen lässt man in Afrika gehen

In weiten Teilen Afrikas liegt die durchschnittlich Lebenserwartung bei unter 60 Jahren. Stirbt ein Mensch im hohen Alter, so löst sein Tod zwar Trauer aus, doch feiern Freunde und Familie meist große Partys, um ein erfülltes Leben zu ehren. Einen alten Menschen unbedingt am Leben zu erhalten werde als unwürdig angesehen, sagt Sola Olopade, nigerianischstämmiger Klinikdirektor am Centre for Global Health der Universität von Chicago. Sollte dies bei Mandela der Fall sein, so wäre es für manche "ziemlich schmerzlich", sagt Olopade, "denn dies sind nicht die letzten Erinnerungen, die man von jemandem mit einem solch beispielhaften Leben haben möchte".


Mandela wahrscheinlich an Lungenentzündung erkrankt

US-Medizinern zufolge leidet Mandela höchstwahrscheinlich an Lungenentzündung - bei alten Menschen häufig Ursache von Krankheit und Tod. Die Infektion wird normalerweise von Bakterien ausgelöst und verursacht die Ansammlung von Flüssigkeit oder Eiter in der Lunge, was das Atmen erschwert und oft Fieber und Schwäche zur Folge hat. Behandelt wird unter anderem mit Antibiotika und Sauerstoffzufuhr.


In den USA würde ein älterer Patient mit Lungenentzündung auf der Intensivstation behandelt und an einen mechanischen Ventilator oder ein Beatmungsgerät angeschlossen, sagt J.P. Kress, Leiter der Intensivstation für Lungenkrankheiten und Intensivpflege an der Universität von Chicago. Beatmungsgeräte erfordern oft einen Atemschlauch im Hals, so dass die Patienten dafür sediert werden müssen.


Experte: Genesung unwahrscheinlich

Ihre Ernährung erfolgt normalerweise über Magensonden, hinzu kommen Schläuche von Infusionen und Überwachungsgeräten zur Kontrolle von Herzrhythmus oder Blutdruck. Um Liegegeschwüre zu vermeiden, müssen sie immer wieder umgebettet werden. Regelmäßig werden ihre Arme und Beine bewegt, um Muskelabbau entgegen zu wirken. Mandela wurde seit Dezember einige Male wegen einer wiederkehrenden Infektion der Lunge ins Krankenhaus gebracht, außerdem hatte er Tuberkulose. Im März und April holten Ärzte Flüssigkeit aus seiner Lunge, um die Atmung zu erleichtern. Auch zu Hause wurde er medizinisch versorgt, bevor er am 9. Juni wieder in die Klinik kam. Ältere Patienten mit wiederholten Krankenhausaufenthalten wegen Lungenproblemen haben oft wenig Aussicht auf Genesung, sagt Kress. "Es ist möglich, dass er in einem Stuhl sitzt und sagt: 'Wann komme ich aus dem Krankenhaus raus'" aber das ist sehr unwahrscheinlich", sagt er. Zwar bessere sich ihr Zustand zuweilen, doch die Prognose bleibe schlecht.


Lebenserhaltene Maschinen auf Wunsch von Patientin abgestellt

Wie nun Mandelas Angehörige so musste auch Ada Levine über die letzten Tage ihrer Mutter Maria Robles in Chicago entscheiden. Robles starb im Juni im Alter von 75 Jahren, nachdem sie zwölf Jahre lang wegen Herzinsuffizienz und anderen Problemen häufig im Krankenhaus gewesen war. "Es wurde nicht besser", sagt Levine. "Man schöpft Hoffnung, glaubt an Wunder. Irgendwann erkennt man, dass es kein Wunder gibt, und dann muss man stark sein und das Richtige tun." Ihre Mutter wollte nicht mit Maschinen am Leben erhalten werden, doch fand es Levine schwierig, diesem Wunsch nachzukommen. "Es ist brutal, sehr schwierig, hart, einem Menschen beim Verfall zuzusehen und dann für ihn Entscheidungen treffen zu müssen."

Wenn keine Chance besteht, kann das Leben im Hospiz enden

Auch Schaffner machte diese Erfahrung mit seiner Mutter. Sie starb vor zehn Jahren nach einigen Schlaganfällen und einer Lungenentzündung im Alter von 84 Jahren. Zuvor hatte sie festgelegt, dass sie nicht künstlich beatmet werden wollte. Als sie dann mit einer Lungenentzündung in die Klinik kam, wurde sie zwar mit Infusionen, Antibiotika und Beruhigungsmitteln versorgt, doch nicht intensivmedizinisch behandelt. Nach einigen Tagen, als laut Schaffner "keine Chance mehr bestand, dass sie gerettet werden kann", holte die Familie sie nach Hause und organisierte eine Hospizversorgung. Sie starb nach knapp zwei Wochen Krankheit.


Das Sterben oder das Leben verlängern?

Loretta Downs, ehemalige Vorsitzende der Chicago End-of-Life Care Coalition fordert, dass bei Entscheidungen über lebensverlängernde Maßnahmen die Wünsche des Patienten berücksichtigt werden. "Sehr häufig ist es nicht die Entscheidung des Sterbenden", sondern der Familie, sagt Downs. "Jetzt, da wir das Sterben verlängern können, stellt sich die große Frage, ob wir eher das Sterben oder eher das Leben verlängern? Es ist nicht angenehm, an lebenserhaltenden Maschinen zu hängen."

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