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Bauchspeicheldrüse kann sich selbst verdauen

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Bauchspeicheldrüse  

Bauchspeicheldrüse kann sich selbst verdauen

31.07.2013, 11:08 Uhr | dpa-tmn

Bauchspeicheldrüse kann sich selbst verdauen. Eine entzündete Bauchspeicheldrüse kann gefährlich werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine entzündete Bauchspeicheldrüse kann gefährlich werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Starke Schmerzen im Oberbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen: Eine entzündete Bauchspeicheldrüse entwickelt sich in wenigen Stunden - und kann lebensgefährlich werden. Besonders kritisch ist es, wenn das Organ beginnt, sich selbst zu verdauen. Was sie über die Entzündung wissen sollten.

Betroffene leiden unter starken Schmerzen

Die Entzündung entwickelt sich schnell. Betroffene leiden unter heftigen Schmerzen im Oberbauch, die gleichzeitig stechend, ziehend und reißend sind, gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend und oft von Fieber und Erbrechen begleitet werden. Ein hoher Wert des Pankreasenzyms Lipase verrät die Entzündung. "Per Ultraschall oder Computertomografie (CT) kann die Schwellung des Organs ebenso erkannt werden wie Gallensteine", erklärt Professor Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten in Wiesbaden.

Gallensteine sind häufigster Auslöser der Entzündung

Gallensteine sind nach Angaben der Gastro-Liga in etwa 60 Prozent der Fälle die Ursache für eine akute Entzündung: Sie rutschen aus der Gallenblase in den Gallengang und verstopfen den Pankreasgang, der in den Gallengang mündet. Die Folge: Das Bauchspeicheldrüsensekret fließt nicht ab, die enthaltenen Verdauungsenzyme können aktiv werden und die Bauchspeicheldrüse zersetzen. Ein weiterer häufiger Auslöser für die Erkrankung ist Alkoholmissbrauch, wobei nicht nur Alkoholiker betroffen sind. Auch hier und da ein Glas zu viel kann reichen. Denn Alkohol und seine Abbauprodukte schädigen das Pankreasgewebe, und einige Menschen reagieren sensibler als andere - Mediziner vermuten genetische Ursachen.

Wenn sich die Drüse selbst verdaut

Rund 80 Prozent der Patienten leiden unter einer akut ödematösen Pankreatitis, Mediziner sprechen von einem milden Verlauf. "Mild" bedeutet, dass die Entzündung wieder zurückgeht und die Krankheit komplett ausheilt. Doch bei 20 Prozent der Patienten kommt es zu einer akut nekrotisierenden Pankreatitis: "Das Gewebe des Organs zersetzt sich, und kein Kraut kann diesen Prozess stoppen", erklärt Raedsch. Es bleibt nur die Hoffnung, dass der Körper das Absterben selbst beendet.

Abgestorbenes Gewebe muss entfernt werden

"Erst nach vier Tagen können wir Nekrosen auf dem CT erkennen", sagt Professor Waldemar Uhl, Leiter des Pankreaszentrums am St. Josef-Hospital Bochum. Infiziert sich das zersetzte Areal, wird es mit Drainagen gespült. "Die besten Chancen für einen Eingriff ergeben sich vier bis sechs Wochen nach Erkrankungsbeginn, um das abgestorbene und infizierte Gewebe zu entfernen", erläutert Uhl. Die Patienten bleiben oft mehrere Monate in der Klinik, die Sterblichkeit liegt bei 15 bis 20 Prozent. Wird ein Teil des Organs entfernt, unterstützen Enzyme in Kapselform die Verdauung, die Blutzuckerwerte können mit Insulin reguliert werden.

Patienten müssen auf die Intensivstation

Da erst innerhalb von 48 Stunden erkennbar ist, welche der beiden Formen sich entwickelt, werden die Patienten auf der Intensivstation beobachtet. "Wir können den Patienten nur stabilisieren, um Komplikationen zu verhindern", sagt Professor Thomas Seufferlein von der Gastro-Liga in Gießen. Sie erhalten starke Schmerzmittel. Blutdruck und Sauerstoffsättigung werden überwacht. Über eine Vene läuft literweise eine isotonische Lösung in den Körper, da sich Flüssigkeit im Gewebe um die Bauchspeicheldrüse sammelt, die Menge des in den Gefäßen zirkulierenden Blutes abnimmt und daher ein Schock bis hin zu Multiorganversagen droht.

Erkrankung lähmt auch den Darm

Viele Ärzte geben Antibiotika, um möglichen Infektionen zu begegnen. Auch der Darm muss in Bewegung gehalten werden. "Er ist wie gelähmt, wenn man nichts isst. Dann können Keime durch die Darmwand hinauf wandern und eine Infektion auslösen", erläutert Seufferlein. Daher wird der Patient über eine Magensonde ernährt oder erhält fettfreie Schonkost.

Ernährungsberatung ist ratsam

Nach und nach wird die Ernährung aufgebaut, beginnend mit Kohlenhydraten, dann kommt Eiweiß hinzu. Experten empfehlen eine Ernährungsberatung, damit der Patient zu Hause zur Erholung des Organs selbst beitragen kann. "Jeder Betroffene muss zudem herausfinden, was er verträgt", sagt Renate Holz-Larose, Ernährungsmedizinische Beraterin/DGE am St. Josef-Hospital Bochum. "Ich rate zu kleinen Portionen. Und gut gekaut ist halb verdaut."

Verdauung braucht Unterstützung

Da die akut entzündete Bauchspeicheldrüse nicht in vollem Umfang arbeitet, helfen Enzyme bei der Verdauung. Auf Wein, Bier und Co. sollte mindestens ein halbes Jahr verzichtet werden. War Alkohol die Ursache, sind ein Leben lang nur noch alkoholfreie Getränke erlaubt - sonst droht eine erneute Pankreatitis. Auch rauchen ist tabu, egal ob es eine schwere oder milde Verlaufsform war.

Regelmäßige Nachuntersuchungen sind Pflicht

Ein halbes Jahr nach der Ausheilung sollte ein Gastroenterologe die Bauchspeicheldrüse mittels Laborwerten sowie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) kontrollieren. Nach einem schweren Verlauf muss der Patient einmal pro Jahr untersucht werden. Schließlich war die Krankheit - ob schwer oder mild - das, was die meisten Menschen mit ihr verbinden: gefährlich.

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung, auch Pankreatitis genannt, ist relativ selten. "Auf 100 000 Einwohner der Gesamtbevölkerung in westlichen Ländern kommen pro Jahr zehn bis 20 Fälle", sagt Raedsch.

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