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Ein rätselhafter Patient: Periodischer Husten

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Ein rätselhafter Patient  

Periodischer Husten

26.08.2013, 11:24 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Periodischer Husten. Husten: Nicht immer stecken Viren dahinter. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Husten: Nicht immer stecken Viren dahinter. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine junge Chinesin hustet Blut. Ärzte stellen schnell die Diagnose Tuberkulose. Doch die Atemnot tritt trotz Antibiotika wieder auf. Erst als die Mediziner genau hinhören, wann und wie lange die Frau hustet, kommen sie der Ursache auf die Spur.

Husten kommt in regelmäßigen Abständen

Eigentlich ist die 29-jährige Mutter zweier Kinder gesund. Die Chinesin fühlt sich fit, ihr Gewicht ist stabil, meistens hat sie keine Beschwerden. Doch in regelmäßigen Abständen überfallen sie Schmerzen in den Lungen, sie hustet dann wie eine schwerkranke Frau. Bei jedem Atemzug rasselt es, oft hustet sie sogar Blut. Nach ein paar Tagen ist dann alles wieder vorbei.

Antibiotika wirken nicht

Die Frau sucht Rat in einer Klinik. Dort stellen die Ärzte schnell die Diagnose Tuberkulose. Vieles passt zusammen: der Husten, das Blut, die Schmerzen. In China haben sich von 1,2 Milliarden Einwohnern der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge mehr als 400 Millionen irgendwann im Leben einmal mit Tuberkulose infiziert, jährlich bricht die Krankheit bei 1,4 Millionen Chinesen aus, mehr als eine viertelmillion stirbt daran. Doch vieles passt auch nicht: Die Patientin hat kein Fieber, verliert nicht an Gewicht und auch ihr Allgemeinzustand ist gut.

Trotzdem verschreiben die Mediziner der jungen Frau Antibiotika, die eine Infektion mit Tuberkulosebakterien bekämpfen sollen. Einige Wochen lang geht es ihr besser. Doch nach vier Monaten hustet sie wieder Blut. Weil sie nicht an eine Tuberkulose glaubt, setzt sie die Medikamente wieder ab.

Knoten im linken Lungenflügel entdeckt

Sie lässt sich jetzt von Lungenexperten in Shanghai untersuchen. Denen fällt auf, dass sie nur über der linken Lunge feuchte Rasselgeräusche hören. Das passt zu den Beschwerden, die die Frau stets links bemerkt. Auch eine Röntgenaufnahme bestätigt, dass lediglich links Knoten sichtbar sind, die dort normalerweise nicht hingehören.

Husten setzt mit der Periode ein

Den wichtigsten Schritt zur richtigen Diagnose gehen die Ärzte allerdings im Gespräch mit der Patientin, wie sie im Fachblatt "European Journal of Medical Research" berichten. Die Frau erzählt zunächst von ihren unkomplizierten Schwangerschaften und drei Abtreibungen. Detailliert fragen die Ärzte nach, wann ihre Beschwerden genau auftreten. Einmal pro Monat, lautet die Antwort der Frau, und sie dauerten mehrere Tage lang. Je mehr Fragen die Mediziner stellen, desto klarer wird: Die Frau hustet immer dann Blut, wenn sie ihre Menstruation hat. Ist die Periode vorbei, klingen auch ihre Beschwerden wieder ab - bis zum nächsten Monat.

Diagnose: Gebärmutterschleimhaut in der Lunge

Weil die Ärzte einen Verdacht haben, legen sie die Patientin erst in die Computertomografie-Röhre, als sie ihre Tage hat. Auf den Bildern erkennen sie eine Entzündungsreaktion im linken oberen Lungenflügel und einen Knoten. Daraufhin machen sie eine Bronchoskopie. Dabei führen sie durch den Mund der Patientin einen Schlauch in ihre Bronchien, der vorne mit einer Kamera ausgestattet ist. So können sie das Lungen- und Bronchialgewebe direkt auf einem Bildschirm anschauen. Bei der Untersuchung sehen sie deutlich eine Blutung. Um die Diagnose Tuberkulose so gut wie möglich auszuschließen, suchen sie in der Bronchialflüssigkeit nach Bakterien, ohne Erfolg.

Die Ärzte sind sich so gut wie sicher: Ihre Patientin hat eine sogenannte Endometriose. Bei der gutartigen Erkrankung entwickelt sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Wie genau das passiert, wissen Forscher bis heute nicht. Klar ist allerdings, dass sich das versprengte Gewebe genauso wie in der Gebärmutter innerhalb eines Zyklus aufbaut. Wenn sich die Eizelle nach dem Eisprung nicht einnistet, verändert sich die Konstellation der Hormone und das aufgebaute Gewebe wird wieder abgestoßen. Es kommt zur Blutung - auch in der Lunge, wenn dort ein Endometrioseherd sitzt.

Zwei Jahre ohne Beschwerden

Eine Lungenendometriose ist sehr selten. Viel häufiger befindet sich die Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum, an den Eierstöcken, der Harnblase oder dem Bauchfell. Doch das Gewebe kann sich sogar im Gehirn ansiedeln. Weil die Symptome und Beschwerden so unterschiedlich sind, vergehen oft Jahre, bis die Diagnose gestellt wird.

Bei der gynäkologischen Untersuchung finden die Ärzte keine weiteren Auffälligkeiten. Sie würden die junge Frau gerne mit Hormonen behandeln, doch sie lehnt ab, weil sie sich vor Nebenwirkungen fürchtet. Ein Jahr lang erträgt sie ihre Beschwerden weiter, bis sie schließlich einer Biopsie zustimmt. Denn nur nach der Analyse einer Gewebeprobe können die Ärzte sicher sein, dass es sich bei dem Knoten in der Lunge auch tatsächlich um Gebärmuttergewebe handelt und nicht um etwas anderes.

Eine Operation bringt Besserung

Die Biopsie bestätigt die Verdachtsdiagnose Endometriose. Um die Frau von dem schmerzhaften Herd zu befreien, müssen die Ärzte sie operieren. Dabei entfernen sie einen zwei mal zwei Zentimeter großen Knoten aus dem linken Lungenflügel und einen Teil des Lungengewebes. Andere Stellen mit auffälliger Schleimhaut finden sie nicht. Nachdem die Frau im Krankenhaus fünf Tage lang Antibiotika geschluckt hat, darf sie wenig später wieder nach Hause. Blut hustet sie seither nicht mehr, auch zwei Jahre nach dem Eingriff ist sie beschwerdefrei.

Wechseljahre beenden die Beschwerden

Allerdings beendet eine Operation längst nicht bei allen Frauen die Beschwerden. Häufig entwickeln sie die schmerzhaften Herde neu. Die Betroffenen brauchen daher eine kontinuierliche ärztliche Betreuung und mitunter auch eine Psychotherapie, weil die Schmerzen sie stark beeinträchtigen. Eine gute Nachricht aber gibt es: Mit Beginn der Wechseljahre kommt eine Endometriose meist zur Ruhe.

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