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Krankenhauskeime zunehmend resistent gegen Antibiotika

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Hygiene  

Resistente Krankenhauskeime auf dem Vormarsch

20.09.2013, 10:32 Uhr | dpa

Krankenhauskeime zunehmend resistent gegen Antibiotika. Restistente Keime, gegen die Antibiotika machtlos sind, haben in den letzten Jahren in Krankenhäusern zugenommen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Restistente Keime, gegen die Antibiotika machtlos sind, haben in den letzten Jahren in Krankenhäusern zugenommen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Resistente Krankheitserreger, gegen die Antibiotika nichts oder nur wenig ausrichten können, werden in deutschen Krankenhäusern immer häufiger zum Risiko. Das geht aus einer Liste aus dem Bundesgesundheitsministerium hervor. Sie stammt aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Je nach Bakterien-Art stieg der Anteil an Keimen, die gegen alle Breitband-Antibiotika unempfindlich sind, an allen gemessenen Keimen in den letzten fünf Jahren um 50 bis 200 Prozent.

Diese Keime werden zunehmend resistent

Die Fallzahlen lagen im vergangenen Jahr beim Erreger Escherichia coli (Darminfektionen und Harnwegsinfektionen) bei 55 - zwei Jahre zuvor waren es noch 16. Bei Acinetobacter baumannii (Lungenentzündung) wurden 250 Fälle gemeldet. Im Vergleich zu 2010 waren es nur 217. Und die Infektionen bei Pseudomonas aeruginosa (Lungenentzündung, Haut- und Harnwegsinfektionen) stiegen von 2.722 auf 3.888 im gleichen Zeitraum. Die Daten stammen aus einem Kontrollprojekt zu Antibiotika-Resistenzen, bei dem Kliniken ihre einschlägigen Daten mitteilen.

Rapide Resistenzentwicklung als "Warnschuss"

Allerdings betont Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) in ihrem Schreiben an die Grünen, dass der Vergleich der absoluten Zahlen nicht zulässig sei. Denn die Zahl der teilnehmenden Häuser veränderte sich über die Jahre - sie stieg an: 269 Kliniken waren es 2010, 286 im Jahr 2012. Der Abgeordnete Friedrich Ostendorff, der bei den Grünen für den Bereich zuständig ist, sieht die Situation als besorgniserregend an. "Die rapide Resistenzentwicklung ist ein weiterer Warnschuss", sagte er. So müsse die Politik dafür sorgen, dass jeder Patient vor Aufnahme in ein Krankenhaus auf gefährliche Keime hin untersucht werde.

Die derzeitige Regierung hatte im Juni eine Finanzspritze für die rund 2.000 Kliniken in Deutschland Deutschland beschlossen, unter anderem soll das Geld in besseren Infektionsschutz fließen. Ursachen für die Entwicklung von resistenten Keimen sind eine sorglose Verschreibung von Antibiotika sowie Antibiotika-Einsatz in der Tierzucht. Ein neuer Report über die Qualität in Krankenhäusern stellt fest, dass es gut sei, dass in der Regel rund um Operationen zur Vorbeugung vor Infektionen Antibiotika gegeben würden - "möglicherweise aber ein Verbesserungspotenzial dahingehend besteht, dass diese an sich sinnvolle Antibiotikaprophylaxe nicht unnötig lange fortgeführt wird".

Kliniken haben "Keimbekämpfung verbessert"

Aus diesem Qualitätsreport 2012 des AQUA-Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, der der dpa vorliegt, geht auch hervor, dass die Patienten in deutschen Kliniken überwiegend gut behandelt werden. Bei einer Auswertung der Daten der Kliniken fielen sogar deutlich weniger gravierende Schwachstellen auf als im Vorjahr. In Auftrag gegeben hatte diesen Report das höchste Gremium im Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, sagte der dpa, der Report zeige auch, "dass die Kliniken sich in der Keimbekämpfung verbessert haben". Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte, die Politik habe den Kampf gegen Krankenhauskeime etwa mit Meldepflichten und Schnelltests bereits aufgenommen. Die Antibiotika-Erforschung gehöre verstärkt.

Gesamtzahl der Infektionen unklar

Wie viele Menschen sich insgesamt in Deutschland jährlich mit resistenten Keimen infizieren, ist schwer zu beziffern. Fachverbände gehen von rund 700.000 Fällen aus, von denen etwa 30.000 tödlich enden.

Alerts-Studie liefert aktuelle Zahlen

Genauere Zahlen liefert die Alerts-Studie des Uniklinikums Jena: Sie erfasste die Zahl von Patienten, die sich innerhalb eines Jahres in dem Universitätsklinikum mit so genannten Krankenhauskeimen angesteckt hatten. Dazu werden sämtliche Infektionen gezählt, die sich die Patienten erst in der Klinik zuziehen. Häufig sind diese Erreger gegen Antibiotika resistent. Für die Studie wurden rund 40.000 Patienten systematisch auf Krankenhauskeime untersucht.

Das Ergebnis: 4,3 Prozent der in den ersten sechs Monaten behandelten Patienten - insgesamt 823 - steckten sich mit Krankenhauskeimen an. Die Auswertung weiterer sechs Monate läuft noch.

Drei Prozent aller Patienten stecken sich mit Krankenhauskeimen an

Die ersten Ergebnisse der Studie bestätigen die bisherigen Expertenschätzungen, dass sich mehr als drei Prozent aller in deutschen Kliniken behandelten Patienten Krankenhauskeimen infizieren. Das sind mehr als 600.000 Menschen pro Jahr. Etwa 15.000 sterben daran.

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