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Ein rätselhafter Patient: Not-OP nach Höhenflug

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Ungewöhnliche Operation  

Ein rätselhafter Patient: Not-OP nach Höhenflug

21.10.2013, 09:52 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Not-OP nach Höhenflug. Milz: Die Milz des Patienten war dreimal so schwer wie normal. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Druckschwankungen im Flugzeug führten dazu, dass die Milz bei einem Patienten gerissen ist. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein 23-Jähriger reist drei Stunden im Flugzeug. Danach krümmt er sich vor Bauchschmerzen, jede Berührung der Ärzte tut ihm weh. Der Ultraschall deckt auf, welches Organ schuld ist - der junge Mann muss sofort in den OP.

Schmerzen sind keinem Organ direkt zuzuordnen

Als das Flugzeug nach drei Stunden endlich landet, hält es der 23-Jährige kaum noch aus. Starke Bauchschmerzen plagen ihn, sein Kopf tut weh und in der linken Schulter zieht es. Er vermeidet jede unnötige Bewegung. So schnell wie möglich lässt er sich in die chirurgische Notaufnahme des Universitätskrankenhauses in Miami bringen.

Bei der Untersuchung spüren die Ärzte eine deutliche Abwehrspannung im Bauch des Mannes, beim Abtasten tut es ihm überall weh. Die Schmerzen lassen sich daher keinem Organ direkt zuordnen. Sein Blutdruck ist mit 96 zu 46 niedrig, das Herz schlägt mit einer Frequenz von 77 aber normal schnell. Atmung und Sauerstoffsättigung sind unauffällig, der Patient hat kein Fieber.

Behandlung einer viralen Infektion am Vortag

Eine Bauchverletzung habe er nicht erlebt. Allerdings berichtet er, dass er erst am Vortag aus einem Krankenhaus entlassen worden sei, wo er aufgrund einer viralen Infektion behandelt worden sei. Genaueres weiß der Patient darüber aber offenbar nicht, zumindest lassen es Allan Bassan und seine Kollegen von der Notfallchirurgie der University of Miami offen, die im Fachblatt "Jama Surgery" über den Fall des 23-Jährigen berichten.

Alles voller Blut

Weil der Mann offensichtlich sehr leidet, müssen die Mediziner schnell herausfinden, woher genau die Schmerzen kommen. Sie machen eine Ultraschalluntersuchung und begutachten Organe wie den Darm und den Blinddarm, die Leber, die Bauchspeicheldrüse und den Magen. Alles sieht gesund aus. Doch bei der Milz werden sie fündig. Das Organ, das normalerweise etwa so groß ist wie eine Computermaus, und einen wichtigen Teil des Immunsystems darstellt, ist stark geschwollen. In der direkten Umgebung hat sich viel Flüssigkeit angesammelt.

Die Kapsel der Milz ist gerissen

Die Ärzte vermuten, dass es sich dabei um Blut handelt und die Milz verletzt sein könnte. Sie bringen den Mann sofort in den OP. Als sie den Bauch öffnen, schwimmt darin tatsächlich eine riesige Menge Blut, es sind insgesamt vier Liter. Die Kapsel der Milz ist gerissen, Blut sickert nach. Mit Klemmen binden die Chirurgen den Blutfluss der Arterie und Vene ab und nähen diese zu. Dann entnehmen sie das ganze Organ, das mit fast 600 Gramm rund dreimal so schwer ist wie im Normalzustand. Obwohl die Milz ein Teil des Immunsystems ist, kann der Mensch ohne das Organ leben.

Bei Infektionskrankheiten schonen

Die Blutung ist gestillt, der Mann gerettet. Doch warum ist seine Milz ohne erkennbaren Grund gerissen? Dass das Organ spontan rupturiert, kommt äußerst selten vor. In diesen Fällen liegt häufig eine Infektionskrankheit vor, die das Gewebe anschwellen lässt. Erhöht sich dann plötzlich der Druck im Bauch - durch Sport, ein geringes Trauma oder Pressen beim Stuhlgang - reißt die zarte Kapsel. Aufgrund der guten Durchblutung der Milz kann der Blutverlust schnell gefährlich werden.

Bei dem Patienten war genau das der Fall. Wie die Ärzte später den angeforderten Unterlagen über den vorherigen Krankenhausaufenthalt entnehmen, hatte der Mann Pfeiffersches Drüsenfieber. Das bestätigt auch die Untersuchung der entfernten Milz durch den Pathologen. Die auch Mononukleose genannte Infektionskrankheit wird durch Epstein-Barr-Viren ausgelöst, die das lymphatische Gewebe in Lymphknoten, Rachen, Leber und Milz befallen. Die meisten Menschen bemerken eine Infektion gar nicht, es gibt allerdings auch langwierige und schwierige Fälle. Treten Beschwerden auf, mahnen Ärzte ihre Patienten, sich zu schonen - unter anderem auch, um die möglicherweise geschwollene Milz zu schützen und eine Verletzung zu vermeiden.

Druckschwankungen beim Flug

Im Fall des 23-Jährigen vermuten die Mediziner, dass die Druckschwankungen im Flugzeug zur spontanen Ruptur geführt haben könnten. So etwas sei nach ihrer Kenntnis noch nicht in der Literatur beschrieben worden, berichten sie. Allerdings handelt es sich bei den Annahmen der Mediziner lediglich um eine Theorie, die sie nicht belegen können. Nach der unkomplizierten Operation erholt sich der Mann rasch und kann bald wieder nach Hause gehen.

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