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Alzheimer: Auch Jüngere können betroffen sein

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Erschütternde Dokumentation  

Zerreißprobe für die Familie: Alzheimer mit 42

07.11.2013, 10:43 Uhr | ag

Alzheimer: Auch Jüngere können betroffen sein. Alzheimer: Yvonne Herber erhielt die Diagnose mit 42 Jahren. (Quelle: WDR/privat)

Yvonne Herber erhielt die Alzheimer-Diagnose mit 42 Jahren. (Quelle: WDR/privat)

Mit kleinen Vergesslichkeiten fing alles an. Am Anfang nahm das keiner ernst. Als sich die Aussetzer jedoch häufen und Yvonne Herber im Büro mehrfach am Tag die Passwörter für ihren PC vergisst und ständig Dinge verlegt, sucht sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans ärztliche Hilfe. Die Diagnose schockiert: Alzheimer im Frühstadium. Das war vor drei Jahren. Die ARD-Dokumentation "Leben, lieben, vergessen - Alzheimer mit 40" zeigt, wie Yvonne innerhalb von kurzer Zeit zum Pflegefall wird und wie die Krankheit die Familie an die Grenzen der Belastbarkeit bringt.

Geistiger Verfall wie im Zeitraffer

Dass Patienten bereits in jungen Jahren an Alzheimer erkranken können, ist vielen nicht bekannt. Etwa jeder hundertste Patient bekommt die Krankheit schon sehr früh - manche schon mit Ende 30. Schuld daran ist ein Gendefekt. Eine Blutuntersuchung bei Yvonne Herber ergab, das dies auch bei ihr der Fall ist. Die Prognose für diese Art von Alzheimer ist besonders ungünstig: Denn der geistige Verfall läuft wie im Zeitraffer. Zudem kann der Gendefekt auch an Kinder weitergegeben werden. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50 Prozent. Für Yvonnes Sohn Marc, der zum Zeitpunkt der Diagnose 12 Jahre alt ist, bedeutet dies eine große Belastung. Mit 18 Jahren kann er sich selbst entscheiden, einen Bluttest machen zu lassen, um Gewissheit zu erlangen.

Innerer Rückzug noch schlimmer als Vergesslichkeit

Schon im ersten Jahr nach der Diagnose verschlechtert sich Yvonnes Zustand rapide. Zunehmend braucht sie auch in alltäglichen Situationen Hilfe. Beispielsweise im Supermarkt, wo sie nur noch mithilfe ihres Sohnes die Lebensmittel im Regal findet. Auch ihr Orientierungssinn verschlechtert sich. Hans Herber muss sich nun um alles kümmern: die Organisation des Haushalts, die Schulprobleme seines Sohnes, Yvonnes Arztbesuche. Daneben muss er noch im Schichtdienst arbeiten. Das führt den Familienvater an seine Grenzen. Als besonders schmerzlich empfindet er die Persönlichkeitsveränderungen seiner Frau. Sie zieht sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück. "Der innere Rückzug ist noch schlimmer als die Vergesslichkeit", sagt Herber. Doch gerade jetzt will er die Familie zusammenhalten, seiner Frau und seinem Sohn Sicherheit und Geborgenheit geben.

Bewusstes Erleben des Gedächtnisverlustes

Den Verlust ihres Gedächtnisses nimmt Yvonne Herber ganz bewusst wahr. Dabei ist es erschütternd zu sehen, wie präzise sie sich selbst beobachtet und darunter leidet, wie ihr die Eigenständigkeit entgleitet. Man sieht sie nachdenklich, weinend. "Das frustriert, das frustriert jeden Tag", sagt Yvonne Herber. Doch noch ist sie positiv gestimmt. Gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer besten Freundin Sandra, die ebenfalls im Haus wohnt und die Familie tatkräftig unterstützt, unternimmt sie noch eine Reise durch die USA. Gegen ihre Vergesslichkeit kämpft sie mit Hilfe von Gedächtnisübungen und Rätselraten an.

Neue Infusionstherapie weckt Hoffnungen

Derweil hoffen die Ärzte, den rapiden Krankheitsverlauf mit einer neuen Behandlungsmethode zu stoppen. Yvonne Herber setzt all ihre Hoffnungen auf eine Infusionstherapie, bei der Immunstoffe die Bildung der Ablagerungen in ihrem Gehirn stoppen sollen. Doch all das bringt keine Besserung. Yvonnes Zustand verschlechtert sich immer weiter. Es folgen schwere depressive zustände, die sogar in einem Selbstmordversuch gipfeln. Danach folgt ein mehrwöchiger Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie. Schließlich wird die Patientin wieder nach Hause entlassen.

Neue Beziehung mit Freundin der Familie

Hans Herber ist der Belastung kaum noch gewachsen. Ohne Sandra, die ihn bei der Pflege von Yvonne unterstützt, könnte er das Ganze gar nicht mehr stemmen. Aus anfänglicher Freundschaft hat sich zwischen den beiden im Laufe der Zeit eine Liebesbeziehung entwickelt. Sie wird zunächst vor Yvonne und den Freunden verheimlicht. Doch die neue Beziehung ändert nichts daran, dass Yvonne weiterhin liebevoll gepflegt wird. Das Versprechen, dass Hans Herber seiner Frau anfangs gab, immer für sie da zu sein, wird nicht gebrochen.

"Leben, lieben, vergessen" ist das Porträt einer Familie, die nicht mehr normal leben kann, aber mit aller Kraft um so viel Normalität wie möglich kämpft. Gezeigt werden traurige und schwierige Momente, aber auch kurze Augenblicke des Glücks. Dem Autor Thomas Liesen gelingt es dabei, eine intensive Beziehung zu den Betroffenen aufzubauen, die es ermöglicht, dass diese sich vor der Kamera öffnen und so dem Zuschauer ungewöhnlich tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewähren.

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