Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Ein rätselhafter Patient: Pulsierende Beule

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ein rätselhafter Patient  

Pulsierende Beule

23.11.2013, 14:32 Uhr | Vov Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein Mann kann seinen Herzschlag nicht links unter, sondern rechts auf dem Brustbein spüren. In einem pulsierenden Knoten. Seine Ärzte sind sich schnell sicher, dass seine Hauptschlagader eine riesige Aussackung hat. Aber vor der OP müssen sie erst herausfinden, warum.

Der Mann wartet erstaunlich lange, bis er ins Krankenhaus geht. Drei Monate beobachtet er, wie eine Beule auf seinem rechten Brustkorb langsam wächst und bei jedem Herzschlag pulsiert. Schließlich stellt sich der 45-Jährige im Sri Jayadeva Institute of Cardiovascular Sciences and Research im indischen Bangalore vor.

Die Ärzte dort untersuchen den Patienten vorsichtig und beobachten, wie sich die faustgroße Aussackung unterhalb des Schlüsselbeins immer wieder hebt und senkt. Schnell schicken sie ihren Patienten zu weiteren Untersuchungen, denn die Beule ist eine tickende Zeitbombe. Die Ärzte sind sich weitgehend sicher, dass ein sogenanntes Aneurysma hinter der pulsierenden Veränderung stecken muss. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta) oder anderer Arterien. Diese Gefäßbeule kann jederzeit reißen, schon ein Niesen kann reichen - eine lebensbedrohliche Komplikation.

Eigentlich zu jung für ein Aneurysma

Das rasch angefertigte Elektrokardiogramm (EKG) ist unauffällig. Auf der Röntgenaufnahme des Brustkorbes sehen die Ärzte vor allem, dass das sogenannte Mediastinum vergrößert ist, der Brustraum, in dem unter anderem das Herz liegt. Die Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Hauptschlagader zeigt, dass das Blut teilweise nicht in Richtung Herz, sondern wieder zurück fließt. Außerdem bestätigt sich der Verdacht der Herzspezialisten: Der Teil der Hauptschlagader, der direkt aus der linken Herzkammer in Richtung Hals aufsteigt, ist massiv erweitert.

Die genaue Größe des Aneurysmas bestimmen der Klinikleiter Cholenahally Manjunath und sein Kollege Sunil Sriniva per Computertomografie und mit einem Kontrastmittel. Wie sie im "New England Journal of Medicine" berichten, misst sie 9x11x6 Zentimeter. Damit ist die Aussackung so groß, dass sie Organe wie die Luftröhre, die Speiseröhre, die Lungenarterien und große Venen verdrängt. Selbst der Knochen des Brustbeins muss dem Aneurysma bereits weichen.

Damit steht für die Ärzte zwar fest, worunter der Mann leidet. Warum sein Körper aber an der ungewöhnlichen Stelle ein so riesiges Aneurysma ausgebildet hat, ist für sie rätselhaft. Sein Alter ist äußerst untypisch: In den meisten Fällen sind ältere Menschen betroffen, weil ihre Gefäßwände etwa durch Ablagerungen und Verschleißerscheinungen schwächer werden. Oft sind Aneurysmen auch angeboren, dann sind sie allerdings deutlich kleiner und liegen im Körper verborgen.

Klar ist allerdings eines: Sie müssen ihren Patienten unbedingt operieren. Denn je größer die Aussackung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gefäß reißt und der Mann verblutet. Ein Eingriff hat zwar viele Risiken, aber die Gefahr durch einen Riss ist bei dem Patienten größer. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie schreibt in ihren Leitlinien: "Bei Patienten mit thorakalen Aneurysmen, bei denen der Durchmesser mehr als sechs Zentimeter betrug, war das Quotenverhältnis für eine Ruptur um das 27-fache gesteigert."

Knoten in den Gefäßen

In seltenen Fällen sind Infektionen verantwortlich dafür, dass die Gefäße ihre Elastizität verlieren oder brüchig werden. Auf Nachfrage berichtet der Patient, dass bei ihm schon vor längerer Zeit die Geschlechtskrankheit Syphilis festgestellt worden sei. Dass die Infektion, die häufig zunächst schmerzlose Geschwüre im Genitalbereich auslöst und einige Wochen später Hautknoten, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen verursacht, an seiner rätselhaften Beule Schuld sein könnte, hatte der Mann nicht vermutet.

Doch Mediziner kennen das sogenannte Tertiärstadium der Syphilis, in dem sich die Erreger im ganzen Körper ausgebreitet haben und auch in inneren Organen zur Bildung von Knoten führen können. Oft treten diese Veränderungen erst Jahre nach der ersten Infektion auf. Gefürchtet sind sie unter anderem dann, wenn sie die Wände der Arterien befallen. Das führt dann zu Aussackungen, die im Extremfall so groß werden wie die des 45-Jährigen.

Jetzt, wo sie die Ursache der Krankheit kennen, können die Ärzte sie auch behandeln. Gegen den Erreger der Syphilis, Treponema pallidum, ist Penicillin wirksam. Dieses Antibiotikum hat der Mann jedoch niemals genommen. Bevor sie ihn operieren, therapieren die Mediziner ihn daher mit Penicillin und entfernen erst dann die große Gefäßaussackung. Der Eingriff gelingt. Anhand von Gewebeuntersuchungen können die Pathologen die Diagnose Syphilis bestätigen.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Shopping
Shopping
Warme Strickmode für die kalte Jahreszeit
jetzt bei BONITA shoppen
Shopping
MagentaMobil Start L bereits für 14,95 €* pro 4 Wochen
zur Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017