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Michael Schumacher: So holt man einen Patient aus dem künstlichen Koma

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Künstliches Koma  

So wird der Patient aus dem Kunstschlaf geholt

30.01.2014, 15:12 Uhr | akl

Michael Schumacher: So holt man einen Patient aus dem künstlichen Koma. Beim künstlichen Koma wird der Stoffwechsel des Patienten heruntergefahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim künstlichen Koma wird der Stoffwechsel des Patienten heruntergefahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Seit mehr als drei Monaten liegt Michael Schumacher bereits im künstlichen Koma. Jetzt hat seine Managerin bestätigt: Der Ex-Formel-1-Weltmeister zeigt endlich Zeichen des Erwachens. Was genau passiert eigentlich beim Aufwachprozess im Körper? Wir haben Dr. Andreas Pingel, leitender Arzt für Neurochirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt am Main (BGU) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie gefragt, wie dieser Weg aussieht und wie lange es dauern kann, bis der Patient wieder bei Bewusstsein ist.

Hirndrucksonden messen unentwegt die Werte im Gehirn. So werden Schwellungen und Veränderungen rund um die Uhr dokumentiert. Erst wenn die Sonde keine krankhaften Werte mehr misst, die Schwellung zurückgegangen ist und das Gehirn teilweise Funktionen wieder übernehmen kann, entscheiden sich die Mediziner, den Patienten langsam wieder zurückzuholen. "Der Patient wird während dieser Zeit streng überwacht, auch die Hirndrucksonde bleibt weiterhin angeschlossen, damit Veränderungen schnell erkannt werden", erklärt Pingel. In dieser Phase sei besondere Aufmerksamkeit geboten, da es zu erneuten Schwellungen im Gehirn kommen kann.

Aufwachphase kann sich über Monate hinziehen

Die Aufwachphase kann viele Wochen dauern, das ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Während dieser Zeit werden die Narkosemittel Stück für Stück reduziert. Zusätzliche Medikamente werden nicht verabreicht. Allerdings sei die Gabe von Beruhigungsmitteln üblich, sagt der Neurochirurg: "Beruhigende Medikamente werden eingesetzt, um zu verhindern, dass der Blutdruck hochschnellt und die Herzfrequenz steigt." Der Aufwachprozess bedeute für den Körper enormen Stress, die Medikamente wirken abschirmend und schützen den Körper.

Doch nicht nur die Narkosemittel werden langsam reduziert. Auch muskelentspannende Medikamente, die dafür sorgen, dass der Körper nicht verspannt, werden in immer kleineren Dosen verabreicht. Die Reduzierung der Präparate wird immer an den Zustand des Patienten angepasst. Während des künstlichen Komas wird zudem die Herz- und die Lungenfunktion von Maschinen übernommen. Diese Maschinen laufen so lange weiter, bis der Patient von selbst wieder in der Lage ist, zu atmen. Die Herz-Kreislauf unterstützenden Medikamente werden ebenfalls Stück für Stück minimiert.

Im künstlichen Koma verspürt der Patient keine Schmerzen. (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Atmung wird langsam wieder hergestellt

"Der Beatmungsschlauch, der sogenannte Tubus, sorgt nicht nur für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr, sondern minimiert auch das Risiko für eine Lungenentzündung", erklärt Pingel. Dieser Schlauch werde möglichst lange eingesetzt und auch während der ersten Aufwachphase vom Patienten meist toleriert, da er die Atmung unterstützt. "Es kann zum Beispiel sein, dass die Beatmungsmaschine das Einatmen unterstützt, der Patient aber bereits selbst wieder ausatmen kann", sagt der Neurochirurg. "Bis der Patient wieder selbstständig atmen kann, können Wochen vergehen. Das ist ein sehr langsamer Prozess."

Der Patient braucht seine Familie

Familienangehörige können den Patienten in dieser Phase stark unterstützen. "Ihre Berührungen und ihre Stimmen wirken sich positiv auf die Aufwachphase aus und können diese sogar beschleunigen", weiß Pingel. Doch die Wahrnehmung des Patienten verbessert sich nur sehr langsam. Es ist ein schleichender Prozess.

"Wie ein Computer, der heruntergefahren wurde"

Die künstliche Ernährung wird weiterhin beibehalten. "Bis der Patient wieder essen und trinken kann, können Monate vergehen. Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Computer, der heruntergefahren wurde. Der Patient hat im Zuge des Schädel-Hirn-Traumas und des künstlichen Komas diese Vorgänge vergessen. Er muss die Schluckbewegungen erst wieder lernen. Er fängt bei null an", erklärt der Experte. Zu Beginn ist das Verschluckungsrisiko sehr hoch.

Sprechen wird verlernt

Auch könne sich der Patient meist erst nur über Augenbewegung mitteilen. Später komme dann die Mimik langsam hinzu und erst danach seien leichte körperliche Reaktionen wie das Bewegen der Finger möglich. Welchen Bewusstseinszustand der Patient im Wachkoma erlangt, sei im Vorhinein nicht einschätzbar. Das sei von der Schädigung der Gehirns abhängig. "Es kann durchaus sein, dass das Bewusstsein nicht mehr vollständig erlangt werden kann. Sind auch nach Monaten keine gezielten Reaktionen im Wachzustand wahrnehmbar, ist es wahrscheinlich, dass sich dieser Zustand nicht mehr ändert wird", sagt Pingel.

Man könne nicht davon ausgehen, dass der Patient in drei Tagen wach ist und danach wieder alles normal wird. Die Aufwachphase stellt nur einen Teil der Rehabilitation dar. Erst im Zuge dieser Aufwachphase wird klar werden, wie stark die Schädigungen wirklich sind.

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