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Macht Fluorid in Zahncremes krank?

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Mythos oder Medizin  

Macht Fluorid in Zahnpasta krank?

11.02.2014, 12:22 Uhr | Irene Berres, Spiegel Online

Macht Fluorid in Zahncremes krank?. Mehrere Studien belegen, dass Fluorid als Zusatz in Zahnpasten die Zähne stärkt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mehrere Studien belegen, dass Fluorid als Zusatz in Zahnpasten die Zähne stärkt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zahncremes sollen das Gebiss weiß halten und Karies verhindern. Doch immer wieder hört man, das in vielen Produkten enthaltene Fluorid sei gesundheitsschädlich. Ist der Slogan von der gesunden Zahncreme also eine Lüge?

Wie drastisch Fluorid Zähne zerfressen und Knochen zerbröckeln kann, zeigt der Fall einer 47-jährigen Britin. Jeden Tag kochte sich die Frau mehrere Kannen schwarzen Tee, in jede hängte sie 100 bis 150 Teebeutel. Stark musste das Gebräu sein, sehr stark. 17 Jahre lang frönte die Frau ihrer extremen Leidenschaft, dann musste sie ins Krankenhaus.

UMFRAGE
Benutzen Sie Zahnpasta mit Fluoridzusatz?

Alles nur eine Frage der Dosis

Alle ihre Zähne waren zerbröckelt, ihr Rücken schmerzte, auch die Arme und Beine bereiteten der Frau Beschwerden. Nach etwas Rätseln kamen die Ärzte auf eine Diagnose, die der Frau ihr Lieblingsgetränk für alle Zeiten vermiesen sollte. Ihr exzessiver Teekonsum war Schuld an den Beschwerden, genau genommen das im Tee enthaltene Fluorid. Jener Stoff, der Zahnpasta zugesetzt wird, und Zähne vor Karies schützen soll, hatte ihr Gebiss komplett zerstört. Der Fall verdeutlicht, was im Prinzip für jeden Wirkstoff gilt: Die Dosis macht das Gift.

Immer wieder kursieren Warnungen vor Fluorid im Internet: Das Spurenelement vergifte den Körper, heißt es da, Fluorid sei eine der größten Gesundheitslügen. Diese Warnungen wurden in den vergangenen Wochen tausendfach auf Twitter und Facebook geteilt und sorgten für große Verunsicherung bei den Verbrauchern. Insbesondere Zahnpasta bereitet vielen Unbehagen, denn seit einigen Jahrzehnten wird diese künstlich mit dem Spurenelement angereichert. Dafür gibt es auch gute Gründe.

Wohnort entschied über Kariesrisiko

Die Erfolgsgeschichte des Fluorids begann mit einer Beobachtung in der Zeit vor den siebziger Jahren, als Trinkwasser praktisch die einzige Fluoridquelle war: In Gegenden, in denen das Spurenelement natürlicherweise im Trinkwasser vorkam, hatten die Menschen deutlich häufiger weiße Flecken auf den Zähnen. Sie entwickelten aber auch deutlich seltener Karies als die Menschen in vergleichbaren Regionen, in denen das Trinkwasser kaum Fluorid enthielt.

Als Konsequenz begannen manche Länder, darunter Australien, die USA und Großbritannien, ihr Trinkwasser künstlich mit Fluorid anzureichern. Auch die Deutschen diskutierten darüber, entschieden sich aber dagegen. Eine solche "Zwangsmedikation" konnte sich hierzulande nicht durchsetzen. Stattdessen aber reicherte man Produkte mit Fluorid an: Es wurden spezielle Gele, Mundspülungen, Tabletten und sogar fluoridiertes Salz entwickelt.

Studien belegen positive Wirkung von Fluorid

Heute belegen zahlreiche Studien zweifelsfrei die positive Wirkung des Spurenelements. Mit modernen Zahnpasten lassen sich durch das Fluorid bis zu 40 Prozent aller Kariesfälle verhindern. "Der Nutzen ist auf höchstem wissenschaftlichen Niveau untersucht", sagt Stefan Zimmer, der an der Universität Witten/Herdecke den Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahntechnik leitet. Die Stiftung Warentest bewertet das Spurenelement als so bedeutend, dass alle Zahnpasten ohne Fluorid in ihren Tests sofort durchfallen.

Dass viele Menschen dem Fluorid trotzdem skeptisch gegenüber stehen, liegt wahrscheinlich auch an einem chemischen Missverständnis: Anders, als es der Name vermuten lässt, hat Fluorid kaum etwas mit dem hochgiftigen, reinen Fluor zu tun. Das chemische Element ist tatsächlich hochreaktiv und frisst sich durch viele Materialien. Dagegen ist Fluorid, das als Salz (zum Beispiel Natrium- oder Kalziumfluorid) vorkommt, weitgehend ungefährlich. Ähnlich ist es beim Kochsalz (Natriumchlorid), das kaum etwas mit dem Chlor im Schwimmbecken zu tun hat.

Gefahr für weiße Flecken auf den Zähnen

Gleichwohl ist es ratsam, die eigene Fluoridzufuhr zu kontrollieren. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa empfiehlt, jeden Tag insgesamt 0,05 Milligramm des Spurenelements pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen, egal ob als Kind oder Erwachsener, schwanger oder stillend, egal ob aus Zahnpasta, Salz oder Wasser. "Exakte Zufuhrdaten für Fluorid in Deutschland liegen nicht vor, es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Menge normalerweise nicht erreicht wird", schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf Anfrage von "Spiegel online". "Insofern besteht bezüglich der Gesamtzufuhr an Fluorid kein Grund zur Sorge".

Bei Überdosierung leidet der Zahnschmelz

Kommt es dennoch zu einer Überdosis, droht Kindern ein ästhetisches Problem. Ihr Körper lagert das Fluorid bei der Bildung der Zähne direkt in den Schmelz ein. Bei großen Mengen entstehen weiße Flecken oder Streifen, sogenannte Fluorosen. Aus diesem Grund sollten Kinder bis zum Alter von sechs Jahren spezielle, fluoridreduzierte Zahnpasten benutzen. Um der Gesundheit von Knochen und Zähnen ernsthaft zu schaden, muss das Spurenelement jedoch über zehn und mehr Jahre extrem überdosiert werden (10 bis 25 Milligramm pro Tag).

Vergiftung mit Zahnpasta so gut wie unmöglich

Mit Zahnpasta ist das kaum zu schaffen. Der Fluoridanteil darf bei bei Erwachsenenpasten höchstens 0,15 Prozent, bei Kinderpasten höchstens 0,05 Prozent betragen. "Bei sachgerechter Anwendung (also Putzen der Zähne und anschließendes Ausspucken, nicht Verspeisen des Inhalts von Zahnpastatuben in großen Mengen) ist eine Vergiftung mit Zahnpasta aufgrund der geringen Fluoridmenge nicht möglich", schreibt auch das BfR.

Fazit: Fluorid schützt in geringen Mengen, wie sie in Zahnpasta enthalten sind, die Zähne vor Karies. Eine Gefahr für die Gesundheit von Knochen und Zähnen droht erst, wenn jemand über Jahre hinweg immer wieder größere Mengen Zahnpasta isst.

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