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Börsen-Spekulationen als Sucht

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Börsen-Spekulationen als Sucht  

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09.03.2014, 15:22 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Börsen-Spekulationen als Sucht. "Pures Adrenalin": Das Handeln mit Wertpapieren kann auch zur Sucht werden.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Pures Adrenalin": Das Handeln mit Wertpapieren kann auch zur Sucht werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Uli Hoeneß muss sich ab Montag wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Jahrelang hat er Börsengewinne nicht angezeigt. Kann Aktienhandel süchtig machen? Ja, sagen Experten. Besonders das schnelle Daytrading kann zum Zocken verlocken.

Der typische Spielsüchtige in Deutschland ist männlich, jung, arbeitslos, hat Migrationshintergrund und verzockt sein Geld am Automaten oder bei Sportwetten. Mit Uli Hoeneß hat er also wenig gemein.

Der Bayern-Boss, der sich ab Montag vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten muss, hat im vergangenen Jahr der "Zeit" ein aufschlussreiches Interview gegeben, in dem er auch über seine Börsenspekulationen sprach.

"Das pure Adrenalin"

Er habe mehrere Jahre richtig gezockt: "Ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin."

Das Geld sei für ihn "virtuelles Geld" gewesen. "Wie wenn ich Monopoly spiele. Rücken Sie vor auf die Schlossallee, und wenn Sie über Los kommen, kassieren Sie 4000 Euro. So war das für mich."

Börsenspekulationen können einen starken Sog ausüben, der Menschen in die Abhängigkeit treibt. Insbesondere beim sogenannten Daytrading mit schnellen An- und Verkäufen lockt ständig der Reiz großer Gewinne - im Prinzip das Gleiche wie beim Daddelautomat, der blinkt und quietscht, um das Weiterspielen zu forcieren. Er habe immer einen Pager dabei gehabt, um Kurse zu checken, sagte Hoeneß der "Zeit." "Manchmal war es sogar im Fußballstadion so, wenn das Spiel ein bisschen langweiliger war, habe ich heimlich auf meinen Pager geschielt."

Wie häufig sind Börsianer süchtig?

Unabhängig davon, ob die Diagnose bei Hoeneß tatsächlich zutreffen sollte oder nicht: Spielsucht, offiziell bezeichnet als pathologisches Spielen, betrifft nicht nur Zocker am Daddelautomaten, sondern auch Börsianer. Wie häufig dies der Fall ist, lässt sich jedoch schwer sagen. Laut jüngsten Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind rund 1,3 Prozent der Männer und 0,3 Prozent der Frauen in Deutschland spielsüchtig. Das Zocken mit Wertpapieren war in der Befragung jedoch kein Thema, sondern lediglich klassische Glücksspiele vom Lotto bis zur Sportwette.

"In der Therapie sieht man Betroffene sehr selten", sagt Volker Premper, leitender Psychologe an der AHG Klinik Schweriner See. In 14 Jahren sei er nicht mehr als fünf Bankern begegnet, die in eine Therapie kamen, um vom Zocken an der Börse loszukommen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass das Phänomen bei Spekulanten praktisch kaum vorkommt. "Möglicherweise begeben sich die Betroffenen viel seltener in eine Therapie als andere Spielsüchtige", sagt Premper.

Griechische Forscher kamen nach einer kleinen Studie 2011 zum Schluss, dass Menschen, die aktiv an der Börse spekulieren, deutlich häufiger Anzeichen für Spielsucht zeigen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Eine spanische Untersuchung belegte zudem eine naheliegende Vermutung: Dass Börsen-Zocker häufiger einen höheren Schulabschluss und einen Job haben als andere Spielsüchtige.

Der Ausstieg aus der Sucht

Die typischen Spielsucht-Symptome sind dennoch die gleichen, egal ob Pferdewette oder Devise: das Unvermögen, aufzuhören, das Setzen immer größerer Summen, die Kritik von Freunden und Familie, die Schuldgefühle und schließlich die Lügen, um das eigene Verhalten zu vertuschen.

Wie lässt sich die Abhängigkeit überwinden? "Wie vielen Spielsüchtigen der Absprung von ganz allein gelingt, ist nicht bekannt. Nicht jeder begibt sich in eine Therapie", sagt Premper. Falls doch, wird der Spekulant sich dort den gleichen Fragen stellen müssen, die auch die anderen Zocker bewegen. Was hat zum Abgleiten in die Sucht geführt? Und wie ist es möglich, sich aus der Abhängigkeit zu lösen. Im Zweifel bedeutet letzteres eine völlige Abkehr von der Börse, um der Versuchung nicht wieder zu erliegen. "Bei den wenigen Bankern, die ich in der Therapie kennengelernt habe, hieß das meist: sich einen neuen, anderen Job suchen", sagt Premper.

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