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Rippenbekenntnis

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Unerkannter Knochentumor  

Ein rätselhafter Patient: Rippenbekenntnis

16.03.2014, 12:38 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Rippenbekenntnis. Schmerzen in der Rippe: Die Suche nach der Ursache dauerte lange.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schmerzen in der Rippe: Die Suche nach der Ursache dauerte lange. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Plötzlich sticht es beim Joggen im Brustkorb: Mit heftigen Schmerzen kommt eine 21-Jährige in die Notaufnahme. Helfen können ihr die Ärzte zunächst nicht. Ist das Lungenfell der jungen Studentin entzündet? Oder hat das Leid doch psychische Ursachen?

Der Schmerz kommt plötzlich beim Joggen. Unerträglich plagt er die 21-jährige Italienerin auf der linken Seite im unteren Brustkorb. Wenn sie sich bewegt, wird der Schmerz noch stärker, sie kann nicht mehr weiterlaufen.

Keine Erklärung für die Schmerzen

Die junge Frau wird in die Notaufnahme der Universitätsklinik im italienischen Catania eingeliefert. In ihrer Krankengeschichte finden die behandelnden Ärzte zunächst keine Erklärung für die plötzlichen Schmerzen, berichten Marcello Migliore und seine Kollegen im Medizinjournal "The Lancet".

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Üben die Mediziner Druck auf die Flanke der Frau aus, wird der Schmerz größer. Klopfen sie an der Wirbelsäule entlang, löst das allerdings keine zusätzlichen Beschwerden aus. Die Schmerzen strahlen auch nicht aus. Die zunächst verdächtigten Nieren scheinen nicht die Auslöser zu sein. Eine Urin- und eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Röntgenaufnahme des Bauchs liefern keine auffälligen Ergebnisse.

Schmerzmittel lindern vorübergehend die Beschwerden

Ohne recht zu wissen, woher die Schmerzen kommen, geben die Ärzte ihrer Patientin entzündungshemmende Schmerzmittel, die Beschwerden lassen daraufhin nach, und die Frau wird entlassen. Als sie aber eine Woche später wieder auftreten, schlägt der Hausarzt eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs vor. Doch auf dem Bild ist nichts Ungewöhnliches zu erkennen. Die Patientin bekommt erneut Schmerzmittel.

Der Hausarzt will sie sogar zum Psychiater schicken

Eine weitere Woche kämpft die Frau mit ihren Beschwerden. Sie versucht es erfolglos mit einer Behandlung beim Chiropraktiker. Ein Magen-Darm-Spezialist vermutet ein Reizdarmsyndrom, das er mit Medikamenten behandelt - ebenfalls erfolglos. Mittlerweile behindert die Krankheit das Studium der jungen Frau, auch ihr Privatleben leidet darunter. In dieser Lage schlägt der Hausarzt einen Besuch beim Psychiater vor, den die Patientin allerdings ablehnt.

In diesem Zustand nimmt schließlich die chirurgische Klinik der Universitätsklinik Catania die 21-Jährige auf, ihr Fall wird in einem fachübergreifenden Team besprochen. Die Experten diskutieren mögliche Diagnosen: Lungenfellentzündung, Lungenentzündung, Nervenwurzelentzündung, Gürtelrose, eine erweiterte Bauchschlagader. Ein Psychiater schließt aus, dass eine psychische Erkrankung der Grund für die Schmerzen ist, kommt aber zu dem Schluss, dass die Schmerzen mittlerweile das Leben der Frau bestimmen.

Tumor entfernt, Patientin gesund

Bei einer erneuten Untersuchung stellt ein Chirurg schließlich fest, dass er die Schmerzen immer wieder auslösen kann, wenn er den linken unteren Rand des Rippenbogens anhebt. An dieser Stelle spannt die Frau auch ihre Muskeln an. Als die Ärzte ein lokal wirkendes Schmerzmittel in die Region spritzen, lässt der Schmerz für zwei Tage nach. Eine Computertomografie (CT) zeigt keine Auffälligkeiten an der betroffenen elften Rippe. Dennoch ist sich das Ärzteteam sicher, dass dieser Knochen die Schmerzen auslöst: Sie vermuten, dass die Bewegungen der Rippe Nerven reizen, die in der Nähe verlaufen.

In einer Operation entfernen Chirurgen die letzten zehn Zentimeter der elften Rippe. Bereits am Tag nach der Operation hat die Frau deutlich weniger Schmerzen. Bei der Untersuchung des Knochens finden die Pathologen einen gutartigen Knochentumor, ein Enchondrom. Seit der Operation hat die junge Patienten keine Beschwerden mehr.

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