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Ein rätselhafter Patient  

Gefährliches Silikon

04.05.2014, 10:17 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Gefährliches Silikon. Schönheits-Operation: Röntgenbilder eines ähnlichen Falles in Venezuela.  (Quelle: Reuters/Carlos Garcia Rawlins)

Röntgenbilder eines ähnlichen Falles in Venezuela. (Quelle: Carlos Garcia Rawlins/Reuters)

Die Frau fühlt sich schlapp, sieht verschwommen, hat Bauchschmerzen und ständig Durst. Ein rätselhafter Patient. Bei der Suche nach der Ursache erfahren die Ärzte von abenteuerlichen Schönheitsprozeduren mit schwerwiegenden Folgen.

Die Geschichte der transsexuellen Frau beginnt Jahre zuvor. Nach ihrer Geschlechtsangleichung lässt sie sich aus ästhetischen Gründen Silikon in das Gesäß spritzen. Weil sie kaum Geld hat, wird der Eingriff nicht an einer regulären Klinik oder in einer zertifizierten Praxis durchgeführt. Und sie bekommt statt Silikon, das für die Anwendung im menschlichen Körper zugelassen ist, nur industrietaugliches Silikon.

Gesäß schmerzt und ist geschwollen

Zehn Jahre später ist von ihrem natürlichen Gesäß kaum noch etwas übrig. Beide Pohälften und die Oberschenkel schmerzen, sie sind extrem vergrößert und hart. Die Haut der 40-Jährigen ist dunkelrot verfärbt, Bewegungen und Sitzen tun ihr seit Jahren weh.

Die HIV-positive Afroamerikanerin sucht das Beth Israel Medical Center in New York allerdings aus anderen Gründen auf: Sie fühlt sich schlapp, hat Bauchschmerzen und ständig Durst. Außerdem leidet sie unter Schmerzen beim Wasserlassen und sieht nur noch verschwommen. Als die Ärzte die Frau untersuchen, berichtet sie von den Silikonspritzen, die sie zehn Jahre zuvor bekommen hat und die ihr deformiertes, schmerzendes Gesäß erklären. Ansonsten fällt den Medizinern bei der körperlichen Untersuchung nichts Besonderes auf.

Was reichert sich in den Wucherungen am Gesäß an?

Blutanalysen zeigen: Der Kreatinin-Wert, der nicht über 1,2 Milligramm pro Deziliter Blut liegen sollte und die Funktionstüchtigkeit der Nieren widerspiegelt, ist auf 1,56 Milligramm pro Deziliter erhöht. Das spricht dafür, dass die Nieren nur eingeschränkt arbeiten. Gleichzeitig ist das Kalzium im Blut stark erhöht. Das sogenannte Parathormon, das mit anderen Hormonen und Vitamin D zusammen den Kalzium- und Knochenstoffwechsel steuert, ist hingegen deutlich zu niedrig, ebenso wie eine inaktive Vorstufe von Vitamin D. Andere Blutwerte wie Schilddrüsenparameter oder spezielle Antikörper, wie sie bei Autoimmunkrankheiten vorkommen, sind nicht erhöht.

Die Mediziner befürchten bereits, dass die Silikonspritzen für die gefährlichen Veränderungen im Körper der Frau verantwortlich sind. Aber sie müssen zunächst andere Ursachen ausschließen. Auf der Suche nach einem weiteren Entzündungsherd im Körper kontrollieren sie mit Röntgenaufnahmen und Computertomografie-Bildern die Lunge. Im Stuhl und im Urin suchen sie nach Blut und Erregern, fündig werden sie nicht. So weit möglich, schließen sie auch Krankheiten wie Tuberkulose, Sarkoidose und bösartige Tumoren aus.

Um die Entzündung besser lokalisieren zu können, spritzen sie ihrer Patientin Gallium-67. Die Substanz reichert sich daraufhin in den Wucherungen an ihrem Gesäß an. Eine Computertomografie ihrer Beckenregion zeigt zudem große Bereiche, in denen sich das Bindegewebe entzündet und knotig verändert hat.

Abwehr gegen Industriesilikon

Als Nächstes entnehmen die Ärzte der Frau einen Lymphknoten aus der Leistenregion. Darin finden sie fetthaltige Zellen, Fress-, Riesen- und andere Entzündungszellen. Damit steht für die Mediziner die Diagnose: Das Industriesilikon hat zu einer chronischen Abwehrreaktion im Körper geführt. Um das körperfremde Material haben sich Wucherungen gebildet, die Ärzte Granulome nennen.

Diese erklären auch, warum im Blut der Frau zu viel Kalzium schwimmt und die Nieren nicht mehr richtig arbeiten: Bestimmte Entzündungszellen in den Granulomen produzieren ein Enzym, das indirekt dafür sorgt, dass immer mehr Kalzium aus dem Knochen freigesetzt und aus der Nahrung über den Darm ins Blut aufgenommen wird. Das Kalzium kann die Nieren verkalken lassen und die Durchblutung stören.

Für eine Operation ist es schon zu spät

Um einem dauerhaften Nierenschaden vorzubeugen, beginnen die Ärzte eine Therapie mit einem sogenannten Bisphosphonat, das den Knochenabbau hemmen soll. Außerdem bekommt die Frau Methylprednisolon, das die Entzündungen im Gesäß hemmt. Durch diese Behandlung geht es der Patientin schnell viel besser: Ihre Schmerzen verschwinden, das Gewebe schwillt sogar leicht ab, und die Nierenfunktion stabilisiert sich.

Das erleichtert die Frau so sehr, dass sie ihre Tabletten alsbald wieder weglässt, berichten die Ärzte um Koppany Visnyei vom Beth Israel Medical Center im "Journal of Medical Case Reports". Weil die Schmerzen sofort zurückkehren, die Entzündung wieder aufblüht und auch der Kalziumspiegel erneut steigt, nimmt sie die Therapie dauerhaft wieder auf. Für eine operative Behandlung komme ihre Patientin jedoch nicht in Frage, schreiben Visnyei und sein Team. Zehn Jahre nach der schädlichen Injektion sei bereits zu viel Gewebe betroffen, und die chronische Entzündung habe sich bereits zu weit ausgebreitet.

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