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Behandlungsfehler und OP-Zunahmen: Kliniken operieren des Geldes wegen

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Behandlungsfehler  

"Krankenhäuser operieren auch aus ökonomischen Gründen"

06.05.2014, 16:41 Uhr | cme, AFP, dpa

Behandlungsfehler und OP-Zunahmen: Kliniken operieren des Geldes wegen. Die Zahl der Operationen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. (Quelle: dpa/Felix Kästle)

Die Zahl der Operationen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. (Quelle: Felix Kästle/dpa)

In Deutschland wird immer mehr operiert - offenbar nicht nur aus medizinischen Gründen. Zudem sind laut AOK-Bundesverband Patienten in den Krankenhäusern oft dem Risiko von Behandlungsfehlern ausgesetzt. Hintergrund sei, dass die Kliniken in zunehmendem Konkurrenzdruck stehen.

In kaum einem anderen Land ist die Zahl der Operationen in den letzten Jahren so stark gestiegen wie in Deutschland. Das zeigte auch eine OECD-Studie, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Unter anderem nahm die Zahl der Eingriffe an der Wirbelsäule stark zu. Über die Gründe diskutieren Experten.

Mehr Operationen durch wirtschaftlichen Druck

"Höchstens ein Drittel des Anstiegs kann auf die steigende Lebenserwartung zurückgeführt werden", sagte Kai Behrens, Pressesprecher des AOK-Bundesverband, gegenüber T-Online.de. Teilweise würden medizinische Fortschritte als Gründe aufgeführt oder auch veränderte Wünsche der Patienten. Aber: "Es gibt Anzeichen, dass Krankenhäuser auch aus ökonomischen Gründen mehr operieren", so Behrens.

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"Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar"

Ohne medizinische Notwendigkeit steigt aber das Risiko für Behandlungsfehler - beispielsweise, wenn Krankenhäuser nicht auf bestimmte Operationen spezialisiert sind. "Das Risiko für die Patienten steigt, wenn Kliniken mangels Erfahrung in einzelnen Bereichen suboptimale Ergebnisse erzielen.", sagte AOK-Vorstand Uwe Deh.

Dies zeigt sich auch in den Zahlen: Im vergangenen Jahr haben deutlich mehr Patienten wegen Verdachts auf einen Behandlungsfehler Hilfe bei den Krankenkassen gesucht. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung erstellte rund 14.600 entsprechende Gutachten, wie der Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS) mitteilte. Das sind gut 2000 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der bestätigten Fehler sank dagegen etwas. Knapp 3700 Mal kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt. "Viele Behandlungsfehler wären vermeidbar", sagte der leitende Arzt des MDS, Stefan Gronemeyer.

"Mauer des Schweigens ist niedriger geworden"

Deh verwies auf Fortschritte in den vergangenen Jahren. "Die Mauer des Schweigens ist niedriger geworden", sagte er. "Es gibt auch weniger Berührungsängste etwa in den Kliniken, Fehler in anonymen Meldesystemen zu melden." Doch das Risiko sei immer dann groß, wenn eine Behandlung komplex sei und es viele Beteiligte gebe.

Offenbar zeige auch das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz Wirkung, sagte Gronemeyer. Das Gesetz hat den Anspruch der gesetzlich Versicherten auf Unterstützung durch die Krankenkassen bei Behandlungsfehlern gestärkt und räumt ihnen auch mehr Möglichkeiten zur Durchsetzung von Schadensersatzforderungen ein.

Behandlungsfehler in Pflege und Zahnmedizin häufig bestätigt

Gut 30 Prozent der vermuteten Behandlungsfehler betrafen niedergelassene Ärzte, in knapp 70 Prozent der Fälle richtete sich der Verdacht gegen Krankenhäuser. Das hat damit zu tun, dass die meisten Vorwürfe im Zusammenhang mit Operationen erhoben wurden. Davon betroffen waren demnach vor allem die Bereiche Orthopädie und Unfallchirurgie sowie die Allgemeinchirurgie, gefolgt von Zahnmedizin und Gynäkologie.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen mahnte bei der Interpretation der Zahlen allerdings zur Vorsicht. "Eine hohe Zahl an Vorwürfen bedeutet nicht automatisch eine hohe Zahl an Behandlungsfehlern", erklärte Astrid Zobel vom MDK Bayern. So wurden die meisten Vorwürfe in der Pflege und in der Zahnmedizin bestätigt. Da es sich aber um absolute Zahlen handelt, kann laut Zobel nicht daraus geschlossen werden, welcher Bereich nun besonders risikobehaftet sei.

Der MDK geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, weil Fehler einerseits nicht erkannt werden oder Patienten dem Verdacht nicht nachgehen.

Verwechslung bei Medikamenten, mangelnde Desinfektion

Laut AOK-Krankenhausreport sterben jedes Jahr tausende Patienten wegen Behandlungsfehlern in Kliniken. Typische Fehler seien Verwechslungen bei den Medikamenten und mangelnde Desinfektion der Hände bei Ärzten und Pflegern. Ab 26. Mai will eine Kommission aus Vertretern von Bund, Ländern und Koalitionsfraktionen eine Klinikreform aushandeln, die auch auf mehr Qualität abzielt. Ein Ziel ist, dass Klinikabteilungen mit unterdurchschnittlichen Behandlungserfolgen geschlossen werden können. Krankenhäuser sollen je nach Qualität besser oder schlechter bezahlt werden können.

Deh forderte, mit der Reform Ernst zu machen. "Alle wissen, dass der Kliniksektor zu wenig am Bedarf und am Effekt für die Patienten orientiert ist", sagte er. Ein großer Schritt sei nötig. "Es geht um gute Strukturen für die nächsten Jahrzehnte."

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