Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Ein rätselhafter Patient: Auf geschwollenem Fuß

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ein rätselhafter Patient  

Auf geschwollenem Fuß

17.05.2014, 12:30 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Auf geschwollenem Fuß. Bei der rätselhaften Patientin waren die Füße betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei der rätselhaften Patientin waren die Füße betroffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine ältere Japanerin leidet darunter, dass ihre Füße regelmäßig anschwellen und schmerzen. Die Ärzte vermuten, dass ein Medikament die Beschwerden verursacht, doch sie können es nicht absetzen.

Ihre Fußschmerzen führen eine 81-jährige Frau zum Arzt. Bereits seit fünf Jahren plagen die Beschwerden sie, allerdings nicht durchgehend. Anfallsweise schwellen die Füße an, verfärben sich dunkel und tun stark weh, etwa zwei Mal pro Woche kommt es dazu. Im Oktober 2012 kommt sie deswegen schließlich in die Universitätsklinik der japanischen Stadt Chiba.

Die merkwürdigen Symptome treten immer auf, wenn die Frau ein warmes Bad nimmt. Auch mitten in der Nacht schwellen ihre Füße schmerzhaft an, so dass sie deswegen nicht schlafen kann. Tagsüber bleibt sie davon verschont, berichten Takeshi Kondo und seine Kollegen im Fachmagazin "The Lancet".

Bei einem solchen Anfall kühlt die Frau ihre Fußsohlen, um die Schmerzen zu lindern. Außer den Beschwerden am Fuß hat die Frau erhöhte Blutfettwerte, die gut behandelt sind. Ihre das Herz versorgenden Gefäße verschließen sich ab und zu krampfartig, wogegen sie schützende Medikamente nimmt.

Nur die Temperatur ist seltsam

Bei der Untersuchung in der Klinik sehen die Ärzte zunächst nur normale Fußsohlen, die weder geschwollen oder rot sind noch schmerzen. Die für die Füße zuständigen Gefäße sind in Ordnung, allein die Fußtemperatur ist höher als erwartet.

Die japanischen Mediziner haben schon aufgrund der Schilderung ihrer Patientin eine Idee, was die Beschwerden verursachen könnte. Sie verschreiben ihr ein Medikament, ein sogenanntes Benzodiazepin, das sie von nun an täglich nimmt. Tatsächlich werden die Anfälle danach deutlich seltener, berichten die Ärzte.

Benzodiazepine sind vor allem als Beruhigungsmittel bekannt, da sie angstlösend wirken und das Einschlafen fördern. Der von den Ärzten verschriebene Wirkstoff Clonazepam kann jedoch auch bei einer Erythromelalgie helfen - so lautet der Name des seltenen Leidens. Wahrscheinlich leiden etwa drei von einer Million Menschen daran, ergaben Studien in Skandinavien. Verschiedene Reize sorgen für die schmerzhafte Schwellung meist beider Füße, die diese grotesk verfärbt. Auch die Temperatursteigerung ist typisch. Weil dieser Effekt bei Patienten mit anderen, schweren Erkrankungen auftreten kann, machen sich die japanischen Ärzte auf die Suche. Doch sie finden nichts, ihre Patientin leidet nicht unter typischen Krankheiten wie Lupus erythematodes, Gefäßerkrankungen oder Bindegewebsstörungen.

Herz vor Fuß

Bei einem der Medikamente, das die Frau wegen der Gefäßkrämpfe im Herzen einnimmt, als Schutz vor der sogenannten Angina pectoris, ist die Erythromelalgie als Nebenwirkung beschrieben. Doch können die Mediziner das Medikament nicht einfach absetzen, um auszuprobieren, ob die Fußschwellungen dann ausbleiben - zu wichtig ist der Schutz des Herzens. Bei einer Kontrolle im Frühjahr 2014 sind die Anfälle nach wie vor seltener und es gibt keine Hinweise, dass eine andere Krankheit für sie verantwortlich wäre.

Tatsächlich gibt es die Erythromelalgie auch bei ansonsten gesunden Patienten, die keine Medikamente einnehmen. Die teilweise Stunden dauernden Schwellungen befallen in manchen Fällen auch die Hände. Die genaue Ursache der Krankheit ist unklar, bei manchen Patienten spielen Gendefekte eine Rolle. Schäden an den Schmerzfasern erklären die Schmerzen, so die Ärzte im "Lancet".

So unklar die genaue Ursache, so unsicher ist oft auch die Diagnose, eine eindeutige Therapie gibt es ebenso wenig. Meist behandeln Ärzte die Schmerzen ähnlich wie die von Diabetikern, bei denen nach vielen Jahren der Zuckerkrankheit ebenfalls die Nerven geschädigt sind, wodurch es zu typischen brennenden Fußschmerzen kommt.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Sonderverlosung am 7.11.17 - 20 Mio. € extra
jetzt Glücks-Los bestellen
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017