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Herpes: Fast jeder trägt das Virus in sich

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Fast jeder trägt das Virus in sich  

"Ich hatte Herpes um den ganzen Mund"

11.06.2014, 10:12 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Herpes: Fast jeder trägt das Virus in sich. Emotionaler Stress kann Herpesviren aktivieren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Emotionaler Stress kann Herpesviren aktivieren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Erst kribbelt und brennt es, dann zeigen sich die kleinen Herpes-Bläschen an der Lippe. "Teilweise hatte ich um den ganzen Mund die unschöne Kruste", sagt Bärbel*, 52 Jahre. "Das sieht nicht nur schlimm aus, es ist auch richtig schmerzhaft." Das Tückische: In fast jedem von uns schlummert das Herpes-Virus – und kann jederzeit ausbrechen. Wir haben Professor Philipp Babilas, Dermatologe und Mitglied im Berufsverband Deutscher Dermatologen (BVDD) gefragt, wann die Infektion zum Ausbruch kommt.

Bärbel hat seit ihrer Pubertät mit den Bläschen zu kämpfen. Erst bilden sich nur einige wenige, dann immer mehr. "Ich hatte in meiner Jugendzeit ständig diese lästigen Knubbel. Im Laufe der Zeit wurde es dann schlimmer. Bei einem Ausflug in die Berge hatte ich schließlich den ganzen Lippenbereich voll mit großen Krusten. Ich konnte nicht mehr richtig essen. Immer wenn ich meinen Mund aufgemacht habe oder die Gabel an meine Lippe gekommen ist, hat es höllisch weh getan. Auch Zähneputzen war eine echte Tortur", erinnert sich Bärbel. "Teilweise haben die kleinen Wunden geblutet und es hat ewig gedauert, bis alles verheilt war."

Zu viel Sonne aktiviert das Herpes-Virus

"Dass die Herpesbläschen im Urlaub auftreten, ist nicht ungewöhnlich", weiß Babilas. "UV-Licht schwächt die Hautbarriere und das Immunsystem. Das Virus hat es dann leicht, sich an den irritierten Hautzellen festzusetzen." Fast jeder von uns trage den Erreger in sich, betont er. Theoretisch reiche bereits ein Virus aus, um uns zu infizieren. "Das Virus ist überall zu finden. Es ist vollkommen normal, dass man als Kind mit ihm in Berührung kommt. Es nistet sich dann in den Nervenknoten des Rückenmarks ein und verbleibt dort ein Leben lang."

Ob und wann die Erkrankung ausbricht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. "Die Veranlagung, die Beschaffenheit der Hautstruktur sowie das Immunsystem spielen die bedeutenden Rollen", erklärt der Hautexperte. Über Gläser, Besteck und Küsse sei keine Ansteckungsgefahr zu befürchten. "Die Frage ist eher, wann eine Lücke im Immunsystem auftritt, die das Virus reaktiviert."

Ekel erhöht das Herpes-Risiko

Alles, was das Immunsystem schwächt, beeinflusst laut Babilas das Herpes-Risiko. Dazu gehören Stress, Angst, Ekel, zu wenig Schlaf und Erkrankungen. Auch hormonelle Veränderungen wie sie in der Pubertät, in den Wechseljahren und während der Schwangerschaft vorkommen, können Herpes fördern. Ebenfalls bestimmte Medikamente: "Besonders bei sogenannten Immunsupressiva, die das Immunsystem herunterfahren, ist die Herpes-Gefahr erhöht", sagt Babilas. "Das ist beispielsweise bei einigen Rheumapräparaten der Fall oder bei Medikamenten, die im Zuge einer Organtransplantation verschrieben werden. Auch HIV-Kranke haben oft mit dem Herpes-Virus zu kämpfen. Hier kommt es oftmals zu sehr starken Erscheinungsformen, bei denen teilweise der gesamte Körper betroffen ist. Bei einem sehr geschwächten Immunsystem kann der Erreger sogar Gehirnentzündungen hervorrufen." Ein sehr starker Befall könne auf eine ernsthafte Immunschwäche hindeuten und Hinweise auf noch unerkannte Krankheiten wie einen Tumor geben.

So entsteht das typische Herpes-Kribbeln

Bei Bärbel sind es besonders die stressigen Phasen, die das Virus aktivieren. Dann wandert es über die Nervenbahnen zu ihrer Lippe. So entsteht auch das unangenehme Kribbeln. Ärzte sprechen dann von der sogenannten Aura. "Je mehr ich um die Ohren habe, desto schlimmer ist es. Ich spüre das Bitzeln und Brennen und weiß, jetzt hilft nichts mehr." Sie hat schon vieles ausprobiert, aber wirklich geholfen hat nichts. Hausmittel wie Zahnpasta, Mundwasser oder Babypuder machen bei ihr alles nur noch schlimmer. "Irgendwann habe ich es aufgegeben."

Finger weg von Hausmitteln

Doch müssen Betroffene wirklich ausharren und warten, bis die Bläschen von selbst wieder abheilen? "Nein", sagt Babilas. "Hausmittel sind allerdings nicht für die Behandlung geeignet, da sie die gereizte Haut nur noch mehr strapazieren." Der Dermatologe empfiehlt, beim ersten Kribbeln eine Salbe mit dem Wirkstoff Aciclovir aufzutragen. Diese dämme die Viren ein und verhindere, dass sich die Entzündung ausbreite. "Mit der Salbe dauert es ungefähr sieben Tage, bis alles wieder abgeheilt ist, ohne zehn Tage."

Melissenextrakt manchmal besser als Medizinprodukte

Gute Erfahrungen hat Babilas auch mit Melissenextrakt gemacht: "Viele Patienten greifen lieber auf pflanzliche Wirkstoffe zurück. Bei einigen helfen Melissenextrakt und Salbei-Rhabarber-Tinkturen sogar besser als medizinische Wirkstoffe." Bei besonders schlimmem Herpesbefall werde oftmals noch eine austrocknende und desinfizierende Salbe verabreicht. Auch Kortisonpräparate seien manchmal hilfreich, um eine schnellere Abheilung zu erreichen.

"Zudem gibt es die Möglichkeit, den Wirkstoff Aciclovir auch in Tablettenform zu verabreichen. Vielen Patienten hat diese Therapie geholfen. Dabei wird in einem Zeitraum von einem halben Jahr jeden Tag eine geringe Dosis des Medikaments eingenommen. Die meisten Betroffenen sind während dieser Zeitspanne nicht nur beschwerdefrei. Auch die Haut kann sich wieder regenerieren. So kann das Auftreten der Bläschen wesentlich verringert und bei manchen Personen sogar ganz zurückgedrängt werden", erklärt Babilas. Besonders bei Personen, die mehrmals im Monat unter den Infektionen leiden, komme diese Therapieform zum Einsatz.

Herpes kann an jeder Körperstelle auftreten

Bei Bärbel bleibt es nicht bei dem Herpes am Mund. Obwohl das Virus meist immer wieder an derselben Stelle auftritt, hat es sich bei ihr ausgebreitet: "Seit ich in den Wechseljahren bin, habe ich die Verkrustungen nicht mehr nur am Mund. Oft bilden sie sich auch in meiner Nase. Das ist ebenfalls sehr schmerzhaft und an Naseputzen ist dann nicht mehr zu denken. Es brennt und kribbelt genau wie an der Lippe. Immerhin sieht man den Herpes nicht."

Herpes kann auch innere Organe befallen

Laut dem Dermatologen kann Herpes an jeder Körperstelle auftreten. Auch im Ohr, im Mund, in und an der Nase sowie am Auge. Bei Patienten mit einer ausgeprägten Störung der Immunabwehr können selbst innere Organe betroffen sein. "Wenn eine Körperstelle besonders stark gereizt wird, beispielsweise durch einen starken Schnupfen, eine schwere Erkrankung oder auch bei Neurodermitis, kann sich das Herpes-Virus dort besonders leicht festsetzen", sagt er.

Einmal im Körper, immer im Körper

Dass man die Herpes-Viren irgendwann erfolgreich aus dem Körper verbannen kann, bezweifelt der Experte. Aktuell gebe es keine neuen Forschungsergebnisse. Babilas schätzt lediglich eine Impfung als umsetzbar ein. Dabei sei aber riskant, dass diese wahrscheinlich schon im Säuglingsalter gespritzt werden müsse. Da sei das Immunsystem des Babys noch nicht stark genug.

Sei das Virus erst einmal in den Körper gelangt, könne man es nicht mehr loswerden. Dafür seien die Viren zu klein und in zu großer Menge vorhanden. Man könne nur versuchen, zu verhindern, dass das Virus erneut ausbricht. Um vorzubeugen sei es am besten, ausreichend zu schlafen, auf einen hohen UV-Schutz zu achten, Stress zu vermeiden und Situationen zu umgehen, bei denen man weiß, dass das Herpes-Risiko erhöht ist.

*Name von der Redaktion geändert

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