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Behandlungsfehler im Krankenhaus: Ärzte geben 2200 Fälle zu

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Leistungsdruck und Stress als Ursache  

Ärzte geben 2200 Behandlungsfehler zu

24.06.2014, 07:46 Uhr | rtr, AFP, dpa

Behandlungsfehler im Krankenhaus: Ärzte geben 2200 Fälle zu. Behandlungsfehler: Jährlich werden mehrere Tausend Behandlungsfehler registriert.  (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)

Jährlich werden mehrere Tausend Behandlungsfehler registriert. (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa)

Falsch operierte Knie, übersehene Vorerkrankungen, schlecht zusammenwachsende Brüche: Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft haben im vergangenen Jahr in 2243 Fällen einen Behandlungsfehler anerkannt. Damit wurde mehr als jeder vierte der 7922 untersuchten Verdachtsfälle der Patienten bestätigt, wie die Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin mitteilte.

Die Zahl der Patientenbeschwerden sank leicht von 12.232 auf 12.173 Fälle. Für das Jahr 2013 seien 77 Todesfälle durch Behandlungsfehler nachgewiesen worden. Gerichte und Krankenkassen hinzugerechnet gebe es pro Jahr rund 40.000 Anträge von Patienten, die einen Fehler vermuten, sagte der Chef der Gutachtergremien, Andreas Crusius.

Röntgen- und Ultraschalldiagnosen oft fehlerhaft

Rund drei Viertel der geprüften Behandlungen betrafen die Krankenhäuser, der Rest die Praxisärzte. Die meisten Gutachten betrafen Unfallchirurgen und Orthopäden, gefolgt von anderen Chirurgen und Internisten. Bei den niedergelassenen Ärzten wurden Patienten mit Brustkrebs, Rückenschmerzen und Kniegelenksarthrosen am häufigsten falsch behandelt. Vor allem bei der Diagnose von Krankheiten mit Hilfe von Röntgen oder Ultraschall seien Fehler bemängelt worden. Bei Hüftarthrose gab es im Vergleich einzelner Krankheiten die meisten bestätigten Fehler - mit allerdings nur 73 Fällen.

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Im Krankenhaus ereigneten sich die meisten Fehler bei den Behandlungen, zum Beispiel Operationen. Dabei handele es sich jedoch äußerst selten um spektakuläre Fälle wie eine vergessene Schere im Bauch oder ein verwechseltes Bein bei einer Amputation, sagte Crusius.

Er warnte erneut davor, Behandlungsfehler per se mit Ärztepfusch gleichzusetzen. "Wir Ärzte machen Fehler, wir sind aber keine Pfuscher", erklärte er. Es werde nichts unter den Tisch gekehrt. Die Ärzteschaft mache ihre Fehler seit Jahren öffentlich.

Wachsender Leistungsdruck auch unter Ärzten

Die Ärztekammern führen Behandlungsfehler unter anderem auf überlange Arbeitszeiten und wachsenden Leistungsdruck zurück. Die Arbeitsintensität und die Zahl der Behandlungsfälle sei in den vergangenen Jahren "enorm gestiegen", erklärte die (BÄK) bei der Vorstellung der aktuellen Fehlerstatistik. Umso bemerkenswerter sei es, dass die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler seit Jahren relativ konstant geblieben sei.

"Jeder Behandlungsfehler ist einer zu viel", erklärte Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Gemessen an der Gesamtzahl der Behandlungsfälle lägen sie aber "im Promillebereich".

Ärztekammer nur eine von mehreren Anlaufstellen

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern dienen bei Streitfällen als eine unabhängige, außergerichtliche Anlaufstelle für Patienten. Sie bewerten den Angaben zufolge gut ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle in Deutschland. In rund 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen laut Bundesärztekammer von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt.

Auch die Haftpflichtversicherer, Gerichte und Krankenkassen befassen sich mit Vorwürfen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat seine Statistik für 2013 bereits vorgelegt. Sie hatte im vergangenen Jahr rund 14.600 Gutachten erstellt - in knapp 3700 der Fälle wurde ein Behandlungsfehler bestätigt.

Ein Überblick über Behandlungsfehler in Deutschland fehlt

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies zurück, dass Stress auf Station verantwortlich für Behandlungsfehler sei. "Gerade Einrichtungen mit hohen Fallzahlen wie bei Gelenk-OPs weisen eine geringere Fehlerquote auf", sagte Vorstand Eugen Brysch. Um einen Überblick über die Fehler zu bekommen, müsse die Bundesregierung per Gesetz ein nationales Fehlerregister auf den Weg bringen. "Jeder zählt die Behandlungsfehler einzeln, niemand hat den gesamten Überblick", so Brysch.

Auch Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink forderte eine bessere Erfassung der Fälle. "Die Statistik der Schlichtungsstellen bildet nur die Spitze des Eisbergs ab." Linke-Expertin Kathrin Vogler: "Fachleute dagegen schätzen die Anzahl aller Fälle auf eine Million und mehr."

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