Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Ebola-Virus: Was man zum Ebola-Ausbruch wissen muss

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gefährliches Virus  

Epidemie in Westafrika: Was man zum Ebola-Ausbruch wissen muss

31.07.2014, 09:15 Uhr | Irene Berres, Spiegel Online

Ebola-Virus: Was man zum Ebola-Ausbruch wissen muss. Mikrospokische Aufnahme des Ebola-Virus: Bislang fehlen Schutzimpfungen und Medikamente gegen den Erreger. (Quelle: dpa)

Mikrospokische Aufnahme des Ebola-Virus: Bislang fehlen Schutzimpfungen und Medikamente gegen den Erreger. (Quelle: dpa)

Noch nie dokumentierten Ärzte einen so schlimmen Ebola-Ausbruch wie derzeit in Westafrika. Wie verläuft die meist tödliche Krankheit? Welche Gefahr besteht für Menschen in Deutschland? Die wichtigsten Fakten.

Bei Ebola handelt es sich um eine von Viren verursachte Krankheit, die Infektion endet sehr oft tödlich. Die Erreger werden durch Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Urin übertragen. Die Viren können auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden, bei Männern, die die Infektion überstanden haben, fanden sich noch nach sieben Wochen Erreger in der Samenflüssigkeit. Anders als etwa die Grippe kann sich Ebola jedoch nicht über die Luft verbreiten.

Infizierte entwickeln nach frühestens zwei und spätestens 21 Tagen plötzlich Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, fühlen sich schwach und leiden unter Halsschmerzen. Anschließend kommen Durchfall, Erbrechen und ein Hautausschlag hinzu, es können Blutungen der Schleimhäute im Magen-Darm- und Genitaltrakt auftreten. Später versagen zuerst Leber und Nieren, viele Patienten sterben durch Herz-Kreislauf-Versagen. Bisher existieren weder am Menschen erprobte Schutzimpfungen noch Medikamente.

UMFRAGE
Haben Sie Angst vor einer Ebola-Infektion?

Wie konnte es zu dem Ausbruch kommen?

Bei den aktuellen Fällen handelt es sich um den ersten dokumentierten Ebola-Ausbruch in Westafrika. Neben Menschen können auch Flughunde und andere Wildtierarten wie Menschenaffen und kleine Waldantilopen den Erreger in sich tragen. Kommen Menschen mit den Körperflüssigkeiten infizierter Tiere in Kontakt, etwa indem sie deren Fleisch nicht komplett durchgaren und essen, kann das Virus auf sie übergehen. Dann droht eine Epidemie.

Den Ursprung des aktuellen Ausbruchs vermuten Forscher in den bewaldeten Regionen im Südosten Guineas. Dort starb Anfang Dezember 2013 ein zweijähriges Mädchen an dem Virus - laut Europäischem Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC gilt sie als das erste Opfer der Epidemie. Woher genau der Erreger stammte, ist laut Robert Koch-Institut bislang nicht bekannt. Als wahrscheinlichster Überträger gelten Flughunde. Ob das Mädchen mit Viren belastetes Fleisch verzehrt hat oder auf andere Weise mit den Körperflüssigkeiten eines infizierten Tieres in Kontakt kam, ist unklar.

Bei den meisten Menschen, die sich bislang mit dem Virus angesteckt haben, konnten die Helfer Verbindungen zu anderen Infizierten herstellen - etwa durch eine Teilnahme an Trauerzeremonien. Es sei wahrscheinlich, dass Ansteckungen von Mensch zu Mensch der Hauptantriebsfaktor der aktuellen Epidemie seien, schreibt die ECDC. Allerdings könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Virus in einigen Fällen weiter von Tieren auf die Betroffenen übergehe.

Warum lässt sich das Virus so schwer bekämpfen?

Theoretisch ließe sich Ebola einfach eindämmen: Die Kranken müssten isoliert und die Toten so begraben werden, dass niemand mehr mit ihrem Körper in Kontakt kommt. Abgesehen davon lässt sich der Erreger durch Seife, Sonnenlicht und Trocknen der Körperflüssigkeiten leicht töten, schreibt die ECDC. Etwa auf Oberflächen, die länger der Sonne ausgesetzt sind, kann das Virus nicht überdauern. Praktisch jedoch ist die Eindämmung deutlich schwieriger.

Ein Hauptproblem ist, dass viele Infizierte keine medizinische Hilfe suchen,manche bezweifeln laut einem Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen sogar die Existenz der Krankheit. Medienberichte und persönliche Berichte sprächen dafür, dass die Eindämmung des Ausbruchs möglicherweise daran gescheitert sei, das Vertrauen und die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen, schreibt die ECDC. Beides sei notwendig, um alle Kontaktpersonen von Ebola-Patienten aufzuspüren, zu überwachen und solche mit Symptomen zu isolieren.

Viele Hilfsteams vor Ort versuchen deshalb, die Menschen nicht nur zu untersuchen, sondern sie auch aufzuklären. Laut der US-Behörde CDC könnte sich die aktuelle Epidemie Monate hinziehen, die Experten rechnen noch im Oktober mit neuen Fällen.

Warum fordert der aktuelle Ausbruch so viele Todesopfer?

Ebola ist eine der tödlichsten Krankheiten weltweit. Hinzu kommt, dass der aktuelle Erreger genetisch zu 98 Prozent mit dem Zaire-Ebola-Virus übereinstimmt. Dabei handelt es sich um den gefährlichsten Typ der fünf bislang bekannten Stämme des Virus.

Am 27. Juli meldete die WHO insgesamt 1201 mit Ebola Infizierte seit Beginn des Ausbruchs, 672 der Betroffenen starben an der Krankheit.

Warum tritt das Virus bislang fast ausschließlich in Afrika auf?

Seit fast 40 Jahren kennen Fachleute das Ebola-Virus, erkrankt sind bislang fast ausschließlich Menschen in Afrika. Dies liegt daran, dass hauptsächlich bestimmte Flughunde das Virus in sich tragen, die in Afrika leben. Es existiert zwar eine Variante des Ebola-Virus, die Südostasien vorkommt, an dieser erkranken jedoch nur bestimmte Tiere.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich Reisende anstecken und das Virus in die EU tragen?

Das ECDC hält es für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich, dass Reisende das Virus in die EU bringen und dort weitere Menschen infizieren. "Das Risiko von Touristen, sich während eines Aufenthalts in den betroffenen Regionen mit dem Ebola-Virus zu infizieren und nach der Rückkehr zu erkranken, ist extrem gering", schreibt die Behörde. Dies treffe sogar dann zu, wenn die Reisenden Regionen besuchten, in denen die ersten Fälle aufgetreten seien.

Eine Ansteckung setze voraus, dass die Menschen mit infizierten Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen. Dies sei für einen durchschnittlichen Touristen sehr unwahrscheinlich, so die ECDC. Bei Alltagssituationen, etwa beim Schwimmen in einem Pool, beim Austausch von Geld oder in einem Lebensmittelladen, bestehe keine Ansteckungsgefahr. Dennoch rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in die Regionen ab.

Abgesehen davon ist es laut ECDC grundsätzlich möglich, dass ein Infizierter in die Europäische Union einreist. Dann sei es jedoch "hochwahrscheinlich, dass er nach der Ankunft in der EU sofort medizinische Versorgung erhalten und isoliert werden würde", schreibt die EU-Agentur.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
„Keine Macht den Flecken“: Siemens Waschmaschinen
ab 599,- € auf OTTO.de
Meistgesuchte Themen A bis Z

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017