Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Masern: Rätselhafter Patient verblüfft Mediziner

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Mysteriöser Medizinfall  

Ein rätselhafter Patient: Verhängnisvolle Europareise

18.08.2014, 09:23 Uhr | Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Masern: Rätselhafter Patient verblüfft Mediziner. Röntgenbild des Brustkorbs: Eine Trübung in der linken Lunge spricht für eine Lungenentzündung. (Quelle: neijm)

Röntgenbild des Brustkorbs: Eine Trübung in der linken Lunge spricht für eine Lungenentzündung. (Quelle: neijm)

Gerade noch ist der 41-Jährige durch Europa gereist, dann muss er mit Fieber, Hals- und Kopfschmerzen ins Krankenhaus. Rote Punkte bedecken seinen Körper. Ein Souvenir, das US-Ärzte sonst selten zu Gesicht bekommen.

Zuerst kommt das Fieber. 38,3 Grad Celsius misst der 41-Jährige, dazu gesellen sich Müdigkeit, Kopfschmerzen und Halsschmerzen. Der Mann nimmt ASS und Paracetamol, doch nachdem die Beschwerden sich zwei Tage lang nicht bessern, geht er in die Ambulanz der Universitätsklinik in Rochester im US-Bundesstaat New York.

Erste Labortests sind negativ

Den Ärzten fallen mehrere geschwollene, schmerzende Lymphknoten am Hals des Patienten auf, ein Hinweis auf eine Infektion. Sie machen einen Schnelltest auf Streptokokken, die typischen Krankheitserreger bei einer bakteriellen Racheninfektion (Pharyngitis), doch der Test ist negativ; zusätzlich nehmen sie eine Probe aus dem Rachen, um im Labor Bakterienkulturen anzuzüchten und so dem Auslöser auf die Spur zu kommen.

UMFRAGE
Sind Sie gegen Masern geimpft?

Um die möglichen Ursachen seiner Symptome eingrenzen zu können, fragen die Ärzte routinemäßig nach Auslandsaufenthalten des Patienten. Der Mann ist in Europa geboren, wo er alle dort üblichen Impfungen erhalten hat, und ist erst vor sechs Monaten in die USA umgezogen, wo er einem Bürojob nachgeht.

Er reist regelmäßig nach Europa und ist erst zwei Tage vor dem Beginn seiner Beschwerden von einer dreiwöchigen Reise nach Deutschland, Spanien, Portugal und Großbritannien zurückgekehrt. Dort war er mit dem Mountainbike unterwegs und wandern, kann sich aber nicht an Insektenstiche erinnern. Aus Sicht der Ärzte ist die wahrscheinlichste Ursache seiner Beschwerden eine harmlose Vireninfektion, sie schicken den Mann nach Hause.

Röntgenbild zeigt Trübung der Lunge

Zwei Tage später kommt der Mann wieder in die Klinik. Sein Fieber ist auf 39,4 Grad Celsius gestiegen, er fühlt sich sehr krank, hat Gliederschmerzen, schwitzt stark. Seine Halsschmerzen sind verschwunden, jetzt schmerzt der Kopf. Am Oberkörper fallen den Ärzten Hautflecken auf, die der Patient allerdings schon seit Jahrzehnten kennt. Er leidet unter Neurodermitis, die bei Schüben mit Kortisonpräparaten behandelt wird.

In den Bakterienkulturen aus seinem Rachen sind keine Streptokokken gewachsen. Eine Blutuntersuchung im Labor ist nahezu unauffällig, es gibt lediglich Hinweise auf die Infektion. In einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs sehen die Mediziner eine Trübung in der linken Lunge, sie befürchten eine Lungenentzündung und beginnen mit einer Antibiotikabehandlung, berichten Christine Hay und ihre Kolleginnen im "New England Journal of Medicine". Der Patient darf aber nach Hause gehen.

Steigendes Fieber und Hautausschlag

Bereits am nächsten Abend ist der Mann erneut in der Notaufnahme, sein Fieber ist bis auf 40,0 Grad Celsius angestiegen, und er hat am Oberkörper einen neuen Hautausschlag. Mittlerweile hat er keinen Appetit mehr, seine Schmerzmittel Ibuprofen und Paracetamol hat er abgesetzt, weil sie ihm auf den Magen schlagen.

Auf der Haut sehen die Ärzte zarte Rötungen auf Brust, Bauch und Rücken, die nicht jucken. Sie wechseln das Antibiotikum und setzen die Schmerzmittel wieder an. Weil in der Nacht die Sauerstoffsättigung im Blut des Patienten abfällt, bekommt er Sauerstoff. Als auch am nächsten Tag das Fieber nicht sinkt, wechseln die Ärzte erneut das Antibiotikum und lassen den Patienten atemerleichternde Medikamente inhalieren. In den Blutkulturen wächst immer noch nichts.

Der Hautausschlag verändert sich am zweiten Tag im Krankenhaus: Rote Knötchen tauchen auf der Stirn und im Gesicht des Mannes auf und breiten sich über die Arme aus, die Haut ist in diesen Gebieten empfindlich. Nach wie vor liegt das Fieber bei über 38,0 Grad Celsius. In einer erneuten Blutuntersuchung sind die Leberwerte erhöht, auf einer neuen Röntgenaufnahme ist dafür die Trübung in der Lunge kleiner geworden. Erneut wechseln die Ärzte die Antibiotika.

Krank trotz Impfung?

Sowohl das Fieber als auch das Krankheitsgefühl bessern sich in den nächsten zwei Tagen. Im Mund-Rachen-Raum sehen die Ärzte jetzt einige Punktblutungen in der Schleimhaut. Der Hautausschlag aus gleichförmigen, ebenen, rötlich-pinkfarbenen Knötchen breitet sich auf Gesicht, Oberkörper, Arme, Beine, Hände und Füße aus - spart aber Handflächen und Fußsohlen aus. Die Ärzte nehmen erneut einen Abstrich aus dem Mund-Rachen-Raum ab und untersuchen ihn auf ein Virus, das sie jetzt im Verdacht haben.

Die Ärzte vermuten, dass der Mann an den Masern erkrankt ist. Zwar ist er wie in Europa üblich gegen Masern geimpft worden, allerdings gibt es - gerade wenn Kinder nur einmal geimpft werden - Menschen, die im Erwachsenenalter dennoch erkranken, typischerweise leichter als Nichtgeimpfte.

Fehlende Nachimpfung mit fatalen Folgen

Tatsächlich können die Ärzte nicht herausfinden, ob der Mann Auffrischungsimpfungen gegen die Masern erhalten hat. Viele der Symptome und Veränderungen in den Laboruntersuchungen des Mannes passen zu Masern bei Erwachsenen, auch die in Mitleidenschaft gezogene Lunge. In Europa sind Masernausbrüche im Gegensatz zu den USA häufig, insbesondere in Deutschland und Großbritannien - hier könnte der Mann sich infiziert haben.

Im zweiten Abstrich finden die Mediziner nicht nur Antikörper, die für eine Maserninfektion sprechen, sie können im Labor sogar Virusbestandteile aus dem Abstrich vervielfältigen und so die Diagnose zweifelsfrei stellen. Nach wenigen Tagen bessern sich die Beschwerden des Mannes, und er muss, da er nicht mehr ansteckend ist, nicht isoliert behandelt werden. Drei Wochen später sind die Hautveränderungen verschwunden, er hat kein Fieber mehr, allerdings ist er körperlich noch nicht voll belastbar und kämpft weiterhin mit anhaltender Müdigkeit; seine Leberwerte sind allerdings wieder normal.

Sorgen bereitet den US-Ärzten noch die Ehefrau des Mannes, die schwanger ist. Eine Untersuchung ergibt, dass sie keinen Impfschutz gegen die Masern hat. Doch glücklicherweise hat sie sich bei ihrem Mann nicht angesteckt und bringt wenig später ein gesundes Kind zur Welt.

Liebe Leserinnen und Leser, leider können wir bei bestimmten Themen und bei erhöhtem Aufkommen die Kommentarfunktion nicht zur Verfügung stellen. Warum das so ist, erfahren Sie in einer Stellungnahme der Chefredaktion.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Zaubern Sie die Zeichen der Zeit einfach weg
Bye-bye Falten mit Youthlift von asambeauty
Shopping
Boxspringbett inkl. Topper statt 1.111,- € für nur 599,- €
jetzt bei ROLLER.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017