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Darmerkrankung: Über Stuhlinkontinenz spricht niemand gern

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Tabukrankheit  

Über Stuhlinkontinenz spricht niemand gern

29.09.2014, 11:32 Uhr | t-online.de

Darmerkrankung: Über Stuhlinkontinenz spricht niemand gern. Stuhlinkontinenz ist eine Tabukrankheit. Dabei gibt es geeignete Therapien, mit deren Hilfe Patienten ihr Leiden lindern können. (Quelle: imago)

Stuhlinkontinenz ist eine Tabukrankheit. Dabei gibt es geeignete Therapien, mit deren Hilfe Patienten ihr Leiden lindern können. (Quelle: imago)

Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland haben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Probleme, den Stuhlgang zu halten. Sie können ihre Ausscheidungen nicht mehr bewusst kontrollieren. Ursache hierfür kann ein Schlaganfall oder auch eine Beckenbodenschwäche sein. Viele Betroffene schämen sich dafür und versuchen, ihr Leiden geheim zu halten. Doch es gibt wirksame Therapien, mit denen Patienten das Leiden in den Griff bekommen können.

"Stuhlinkontinenz darf kein Tabuthema sein“, sagt DGVS-Beirat Professor Dr. med. Peter Layer, Direktor der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Für die meisten Patienten gebe es langfristig wirksame Hilfen.

Der erste Schritt dabei sei ein offenes Gespräch mit dem Hausarzt, der den Patienten dann gegebenenfalls zum Gastroenterologen überweist.

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Endoskopie und Ultraschall bringen Gewissheit

Der Magen-Darm-Spezialist kann dann mit Hilfe einer Endoskopie oder Ultraschall feststellen, ob eine chronische Darmerkrankung vorliegt und den Schließmuskel untersuchen. Anhand der Ergebnisse entscheidet er, welche Therapie für den Patienten in Frage kommt.

Schwacher Beckenboden als mögliche Ursache

"Eine häufige Ursache ist beispielsweise eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur, also jener Muskelgruppe, die die Ausgänge von Blase und Darm dicht hält", erklärt der Experte. Auch Verletzungen durch Geburten und Operationen können die Funktion des Schließmuskels beeinträchtigen. "Bei Menschen mit Diabetes mellitus oder bei Schlaganfallpatienten kann die Nervenwahrnehmung am Darmausgang auch derart abgeschwächt sein, dass der Patient den Stuhldrang nicht mehr bemerkt", fügt Layer hinzu.

Jedem vierten Patienten hilft eine Ernährungsumstellung 

Einem Viertel der Betroffenen hilft es schon, sich anders zu ernähren. „Eine ballaststoffreiche Ernährung erhöht Volumen und Konsistenz des Stuhls, so dass dieser nicht mehr so leicht austreten kann“, erklärt Professor Layer. Medikamente, die den Stuhl fester machen oder die Darmaktivität verringern, unterstützen dabei.

Langfristig lassen sich Beckenboden und Schließmuskel mit gymnastischen Übungen trainieren. Das sogenannte Biofeedback verstärkt den Trainingseffekt. Dabei führt der Arzt eine Sonde durch den After ein, die die Spannung in der Beckenbodenmuskulatur misst. Das Ergebnis liest der Patient auf einer Skala ab. "Patienten, bekommen so ein besseres Gespür für ihre Muskulatur", berichtet Layer. „Fast 80 Prozent der Behandelten lernen den Schließmuskel wieder zu kontrollieren.“

Elektroden am Darmausgang zur Nervenstimulation

Hilft die konservative Therapie nicht weiter, kommen auch chirurgische Verfahren in Frage. "Wenn beispielsweise ein Dammriss vorliegt, kann ein Chirurg den defekten Schließmuskel operativ korrigieren“, sagt Layer. Eine weitere Möglichkeit bietet die sakrale Nervenstimulation: Dabei baut der Chirurg Elektroden am Darmausgang ein, die den Schließmuskel stimulieren. Mit einer kleinen Fernbedienung kann der Patient diese Elektroden selbst steuern, wenn ein Toilettengang ansteht.

Stuhlinkontinenz: Es trifft nicht nur alte Menschen

Stuhlinkontinenz trifft Menschen in jedem Alter, doch besonders häufig sind Ältere die Leidtragenden. So kommt eine Erhebung aus den USA zu dem Ergebnis, dass über 15 Prozent der über 70-Jährigen unter Stuhlinkontinenz leiden. Die Betroffenen bemerken den Stuhldrang entweder gar nicht oder können den Stuhl nicht lange genug halten, um die Toilette zu erreichen.

Aus Scham trauen sie sich nicht über ihr Problem zu sprechen und versuchen allein mit der Situation zurechtzukommen – mit der Folge, dass sie sich immer mehr zurückziehen und vereinsamen.

Fehlbehandlung als "Durchfall"

Oft wird das Problem fälschlich als "Durchfall" bezeichnet und dann fehlbehandelt. Die DGVS empfiehlt darum auch Angehörigen das Problem anzusprechen und die Betroffenen auf die Möglichkeit medizinischer Hilfe hinzuweisen.

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