Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Ein rätselhafter Patient: Mysteriöser Tumor verschwindet wieder

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ein rätselhafter Patient  

Die seltsame Nuss

04.10.2014, 12:53 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Mysteriöser Tumor verschwindet wieder. Eine Computertomographie vom Kopf des Patienten: Das grüne Kreuz zeigt, wo der Tumor liegt und dessen Ausmaße. (Quelle: BioMed Central Ltd.)

Eine Computertomographie vom Kopf des Patienten: Das grüne Kreuz zeigt, wo der Tumor liegt und dessen Ausmaße. (Quelle: BioMed Central Ltd.)

Ein junger Mann liegt blutend auf der Straße. Intensivmediziner können sein Leben retten, aber in seinem Kopf entdecken sie einen Tumor. Doch als sich der Patient von dem Trauma erholt, zweifeln die Mediziner plötzlich an ihrer Diagnose.

Als die Helfer den 23-Jährigen finden, liegt er auf der Straße. Aus einer Platzwunde an seinem Hinterkopf blutet es, der Mann reagiert nur langsam, sprechen kann er kaum. Was passiert ist, weiß niemand, vermutlich war es eine Schlägerei. In Costa Ricas Hauptstadt San José ist das keine Seltenheit.

Schwere Gehirnerschütterung

Schnell wird der Verletzte in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Notfallmediziner und Neurologen erkennen sofort, dass der Mann in Lebensgefahr schwebt: Er reagiert nur noch auf Schmerzreize und seine Pupillen sind ungleich groß - Zeichen für ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Um seine Atmung zu sichern, intubieren ihn die Ärzte in der Klinik.

Dann röntgen sie seinen Schädel. Die CT-Aufnahmen zeigen mehrere Hirnblutungen, eine Bruchlinie im Schädelknochen und geschwollenes Hirngewebe. Diese Befunde erklären den kritischen Zustand des Mannes, den die Ärzte zur Überwachung und Therapie auf die Intensivstation verlegen.

Eichelgroße Struktur im Kopf

Auf den Schichtaufnahmen des Kopfes entdecken die Neurologen aber noch etwas anderes: eine etwa eichelgroße Struktur, die dort nicht hingehört. Sie befindet sich im sogenannten Türkensattel (Sella turcica) in der mittleren Schädelgrube auf Höhe der Nase. In dieser knöchernen Ausbuchtung liegt normalerweise die wesentlich kleinere Hirnanhangsdrüse, in der lebenswichtige Hormone produziert werden, die den Regelkreislauf von Wachstum, Stoffwechsel und Fortpflanzung steuern. Auch die Funktion der Schilddrüse wird über die Hirnanhangsdrüse, Hypophyse genannt, reguliert.

Große Nase, breite Füße

Die Neurologen ziehen einen Hormonspezialisten zu Rate. Der Endokrinologe betrachtet den schwerkranken Mann und weist die Kollegen auf Auffälligkeiten hin: Die Nase des Patienten sei groß, das Kinn markant, der Knochenwulst über den Augen auffallend prominent. Der Experte hat bereits eine Verdachtsdiagnose, wie er im "Journal of Medical Case Reports" berichtet: eine sogenannte Akromegalie. Dabei handelt es sich um eine Hormonstörung, bei der das Wachstumshormon GH ("Growth Hormone") in zu hohen Mengen produziert wird. Ursache ist meist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse, wo das GH gebildet wird.

Im Kindesalter wirkt sich eine Akromegalie vor allem auf das Längenwachstum aus. Sobald die Wachstumsfuge geschlossen ist, wachsen nur noch Hände, Füße, Nase, Kinn und Organe. Diabetes mellitus, sexuelle Funktionsstörungen, Gelenkerkrankungen undBluthochdruck sind häufige Folgen. Menschen mit Akromegalie haben eine eingeschränkte Lebenserwartung, wenn das Adenom in der Hirnanhangsdrüse nicht operativ entfernt werden kann.

Die Ärzte bestimmen die Blutwerte des Mannes: Sowohl das Wachstumshormon als auch ein darüber regulierter Wachstumsfaktor sind stark erhöht. Die Diagnose des Endokrinologen scheint richtig zu sein. Im Vordergrund der Therapie steht aber zunächst, den Mann auf der Intensivstation zu stabilisieren. Erst 19 Tage nach dem schweren Schädel-Hirn-Trauma geht es ihm allmählich besser und er wird zur Rehabilitation verlegt.

Verwirrung nach Labortests

Nach acht Wochen Reha stellt sich der Mann ambulant wieder in der Endokrinologie des Krankenhauses vor. Es geht ihm wieder gut, und er kann den Spezialisten jetzt seine Krankengeschichte erzählen: Seitdem er zehn Jahre alt war, sei er der größte unter fünf Brüdern gewesen. 20 Monate vor dem Schädel-Hirn-Trauma habe ein Arzt bei ihm Diabetes diagnostiziert, seither habe er Insulin spritzen müssen. Außerdem habe er stark geschwitzt und seine Füße seien größer geworden.

Seltsamerweise habe er aber zuletzt in der Rehabilitation nach den Insulin-Injektionen immer wieder gefährlich niedrige Blutzuckerspiegel gehabt und daher mit dem Spritzen aufgehört. Er komme jetzt auch ohne aus. Die Ärzte entnehmen dem Mann erneut Blut - und erleben eine Überraschung: Sowohl GH als auch der Wachstumsfaktor sind im Normbereich oder sogar darunter. Auch ein Belastungstest widerlegt die ursprüngliche Diagnose.

Plötzlich ist der Tumor weg

Verwirrt schieben die Mediziner ihren Patienten erneut in den Computertomografen. Im Türkensattel, der auf den Aufnahmen knapp drei Monate zuvor noch mit einem eichelgroßen Adenom gefüllt war, ist jetzt eine fast normalgroße Hirnanhangsdrüse zu sehen. Das Adenom ist verschwunden, die Akromegalie mit ihm.

Eine Wunderheilung ist es dennoch nicht. Wie Alejandro Cob in seinem Fallbericht schreibt, gebe es das Phänomen der sogenannten posttraumatischen Hypophysenunterfunktion. Vermutlich durch das Trauma könne es nach einer Schädel-Hirn-Verletzung passieren, dass die Hypophyse nicht mehr ausreichend Hormone produziert. Weil die Symptome aber nicht besonders auffallen, werde das Krankheitsbild oft übersehen, meint Cob. Die Betroffenen ermüdeten schneller, das Herz arbeite mitunter nicht mehr so gut, die Knochendichte nehme ab. "Dies ist möglicherweise der erste Bericht von einem Patienten mit Akromegalie, dessen Adenom sich durch ein Schädel-Hirn-Trauma zurückgebildet hat und der dazu noch eine Unterfunktion entwickelt hat", so Cob.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Weiße Westen für Jederman: Bauknecht Haushaltsgeräte
OTTO.de
Shopping
Die neuen Prepaid-Tarife der Telekom entdecken
zur Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017