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Ein rätselhafter Patient: Tückisches Mitbringsel aus den Tropen

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Ein rätselhafter Patient  

Tückisches Mitbringsel aus den Tropen

11.10.2014, 15:26 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Tückisches Mitbringsel aus den Tropen. Sandfliegen können die Infektionskrankheit Leishmaniose übertragen. (Quelle: dpa)

Sandfliegen können die Infektionskrankheit Leishmaniose übertragen. (Quelle: dpa)

Auf der Suche nach einer Arznei gegen die Verschorfungen an seiner Nase bittet ein Mann zehn Medizinexperten um Rat. Er bekommt zehn verschiedene Medikamente - aber keines hilft. Erst Tropenmediziner haben die richtige Idee.

Schon auf der Reise durch Venezuela schmerzt dem 32-Jährigen die Nase. Sie ist auf der linken Seite geschwollen und immer wieder entstehen kleine Wunden, die blutig verschorfen. Der Mann sucht vor Ort Rat bei einem Hautarzt und bekommt ein Antibiotikum verschrieben. Weil das nicht hilft, geht er zum nächsten Dermatologen. Der verschreibt ein anderes Antibiotikum, was ebenfalls unwirksam ist. Auch ein Allgemeinmediziner und ein HNO-Arzt finden nicht die richtige Arznei.

Wieder zu Hause in den USA sucht der Mann zwei weitere Dermatologen, zwei Allgemeinärzte, eine speziell ausgebildete Krankenschwester und einen Infektionsspezialisten auf. Die insgesamt zehn Experten, die der Mann mit seinem Problem um Hilfe bat, geben ihm zehn verschiedene Medikamente, die geschluckt, auf die Haut geschmiert oder in den Muskel gespritzt werden müssen. Keine der Therapien hilft.

Lymphknoten am Hals geschwollen

Schlimmer noch, mittlerweile ist nicht nur die Nase geschwollen, rot, verkrustet und schmerzhaft. Jetzt schmerzt auch eine Stelle am Hals, an der die Haut gerötet ist und die an Größe zunimmt. Schließlich landet der Patient an der University of Texas in Houston, wo die Ärzte ihn genau befragen und untersuchen, wie sie in ihrem Fallbericht im Fachblatt "Jama" schreiben. Zunächst berichtet der Mann von seiner Reise nach Venezuela und dem Beginn der Symptome. Weitere Krankheiten habe er nicht, auch müsse er keine Medikamente einnehmen. Bei der Untersuchung stellen die Ärzte fest, dass seine Lymphknoten am Hals geschwollen sind. Neben der verkrusteten und geschwollenen Nase finden sie ansonsten keine Auffälligkeiten.

Als Nächstes entnehmen die Mediziner ein Stück Gewebe aus dem schmerzhaft veränderten Nasenflügel. Darin fallen sich stark teilende Hautzellen auf und lymphatische Entzündungszellen, wie sie bei verschiedenen Infektionen auftreten können. Organismen, die eine solche Infektion ausgelöst haben könnten, können sie allerdings auch mit speziellen Färbungen nicht finden.

Parasit löst Hautinfektion aus

Dennoch glauben die Experten, dass ein Erreger die Hautprobleme des Mannes ausgelöst hat. Zwar könnte es auch andere Ursachen geben wie etwa bestimmte Formen von Blutkrebs. Weil der Patient aber in Venezuela auch durch den Regenwald gereist ist, denken die Mediziner jetzt an spezielle Parasiten.

Tatsächlich werden sie fündig: Mittels einer speziellen Labormethode können sie das Erbgut von Leishmaniasis braziliensis nachweisen. Dieser Parasit löst eine Infektion der Haut und der Schleimhäute aus und muss in jedem Fall behandelt werden.

Mücken sind Überträger der Parasiten

Parasiten der Gattung Leishmania werden von Sand- oder Schmetterlingsmücken übertragen und können verschiedene Erkrankungen auslösen. Normalerweise kommen Sandmücken vor allem in warmen Ländern vor, kürzlich wurden sie aber sogar in Hessen entdeckt. Die Parasiten nutzen Nager und Hunde als Hauptreservoir. Werden die infizierten Tiere von einer Sandmücke gestochen, können sich die Erreger in den Insekten weiterentwickeln. Von dort gelangen sie dann durch einen Stich in den Menschen. Das Immunsystem versucht dann, die Parasiten zu beseitigen, es können sich aber Komplexe aus Antikörpern und Erregern bilden, die bei einer schweren Verlaufsform kleine Gefäße verstopfen und Organe und Gewebe schädigen können.

Ohne Therapie können Leishmanien schwere Schäden anrichten, sich im ganzen Körper ausbreiten und lebensgefährlich werden. Bei jenem Patienten aus den USA etwa drohte eine Zerstörung der Nase, was seine Gesichtszüge schwer entstellt hätte. Von seinen Ärzten bekam er 28 Tage lang ein sogenanntes Natriumstibogluconat. Drei Monate später waren die verkrusteten Stellen an der Nase deutlich zurückgegangen, auch die Nase war weniger rot und nicht mehr so stark geschwollen.

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