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Hautkrankheiten: Röschenflechte kommt aus dem Nichts

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Röschenflechte kommt aus dem Nichts  

Plötzlich mit juckenden Flecken übersät

10.12.2014, 17:44 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Hautkrankheiten: Röschenflechte kommt aus dem Nichts. Bei der Röschenflechte leiden Betroffene unter stark juckendem Ausschlag.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Privat)

Bei der Röschenflechte leiden Betroffene unter stark juckendem Ausschlag. (Quelle: Privat/Thinkstock by Getty-Images)

Es beginnt mit einer rauen Stelle an der Hüfte, die nicht mehr abheilt. Etwa zwei Wochen später ist Verenas* Körper plötzlich mit roten, juckenden Herden übersät. Erschrocken denkt sie an Windpocken, doch die Diagnose ihrer Ärztin lässt sie staunen.

"Angefangen hat alles mit einer handtellergroßen, rauen Stelle an der Hüfte. Ich habe mir nichts dabei gedacht, da ich mir beim Sport manchmal kleine Verletzungen zuziehe", erzählt Verena. Sie ölt die trockene Hautstelle ein und beachtet sie nicht weiter. Der Schreck kommt einige Tage später. "Ich kam gerade vom Joggen und wollte unter die Dusche. Als ich meine Haut gesehen habe, bin ich richtig erschrocken. Mein Bauch war mit roten Punkten übersät. Ich war überzeugt, dass es Windpocken sind", erinnert sich die 31-Jährige.

Röschenflechte kommt häufig im Herbst

Der Auslöser für Verenas Erscheinungsbild ist schnell gefunden: eine Röschenflechte. Die Hauterkrankung tritt besonders im Frühjahr und im Herbst gehäuft auf. "Dafür gibt es zwei Gründe", erklärt Dr. Günter Frings, Dermatologe aus Hamburg und Mitglied im Berufsverband der deutschen Dermatologen (BVDD). "Während dieser Jahreszeiten wird nicht nur das Immunsystem stark gefordert, auch die Hautbeschaffenheit verändert sich."

Habe man im Sommer noch eine etwas dickere Hautschicht, werde diese im Herbst wieder dünner. "Das liegt daran, dass sich die sogenannte Lichtschwiele, ein natürlicher Hautschutz, wieder zurückbildet", erklärt der Experte. Zu diesem Zeitpunkt sei die Haut besonders anfällig für Irritationen. Stress erhöhe das Risiko zu erkranken ebenfalls.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer

Was genau die Hautreaktion auslöst, ist bisher nicht abschließend geklärt. Einige Mediziner vermuten als Ursache Herpesviren. "Man geht davon aus, dass die Herpesviren Typ sechs und sieben zu den Auslösern gehören. Diese haben aber nichts mit dem Lippenherpes oder dem Genitalherpes zu tun", erklärt Frings.

Treffen kann es jeden. "Schätzungen zufolge sind in Deutschland jedes Jahr bis zu 0,3 Prozent der Deutschen, also etwa 240.000 Menschen, betroffen", sagt der Experte. Besonders oft haben Frauen mit der Erkrankung zu kämpfen. Ihren Ursprung hat die Röschenflechte, von Medizinern Pityriasis rosea genannt, in einem ovalen, rötlichen Fleck. Von diesem Primärmedaillon aus bilden sich nach ungefähr 14 Tagen weitere kleine Rötungen, die schließlich den ganzen Körper übersäen. "Bis zu 120 kleine Herde können sich auf dem Körper verteilen", weiß Frings. 

Heilung kann bis zu einem Jahr dauern

Lediglich das Gesicht, die Hände und teilweise die Oberarme bleiben von den Flecken verschont, da dort die Haut robuster ist. Die Pusteln werden etwa fingernagelgroß und da sie sich schuppen und rötlich gefärbt sind, ähneln sie kleinen Rosen. Daher auch der Name der Erkrankung. Bis sich die Röschenflechte wieder zurückbildet, können bis zu zehn Wochen vergehen. „Werden die Herde aber gereizt, zum Beispiel durch Kratzen, kann es zu einer Überreaktion kommen. In schlimmen Fällen dauert es bis zu einem Jahr, bis die Hauterkrankung abheilt“, erklärt der Hautexperte.

Bloß nicht kratzen

Doch nicht zu kratzen ist schwer. Zwar ist die Flechte weder ansteckend noch gefährlich, dafür aber mit starkem Juckreiz verbunden. „Schuld sind Gifte, welche die Viren ausscheiden und die die Haut reizen“, sagt Frings. Das Jucken setzt bei Verena nach drei Wochen ein: „Ich konnte in der einen Nacht kaum schlafen und musste ständig kratzen“, erzählt die Betroffene. „Ich habe gedacht, ich werde verrückt.“

Verenas Haut reagiert auf die Reizung prompt. Füße, Handgelenke, Bauch, Brust, Hals- und Schulterbereich röten sich stark und schwellen an. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich etwa 50 Pusteln auf ihrem Körper – und es werden ständig mehr.

Heilung lässt sich nicht beschleunigen

Doch es gibt keine Medikamente, welche die Heilung beschleunigen können. Die Ärztin hat nur die Möglichkeit, Verena etwas gegen den Juckreiz zu verschreiben. Sie bekommt ein Antiallergikum und soll Ölbäder gegen die trockene Haut nehmen. "Bewährt hat sich auch die sogenannte Phototherapie mit ultraviolettem Licht, die beim Hautarzt durchgeführt wird und die Haut beruhigt", sagt Frings.

Sport ist tabu, weil Schwitzen die Haut reizt. Auch auf Duschgele, eng anliegende Kleidung und heißes Wasser beim Duschen muss sie vorerst verzichten. "Ich hoffe wirklich, dass der Juckreiz bald nachlässt, das macht mich wahnsinnig", hofft Verena und fürchtet sich vor den kommenden Wochen. Die einzige Erleichterung sei, dass keine Narben zurückbleiben werden, sagt sie.

*Name von der Redaktion geändert

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