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Vitamin D: Sterben Menschen mit Vitamin-D-Mangel früher?

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Sterben Menschen mit Vitamin-D-Mangel früher?

19.11.2014, 16:39 Uhr | Irene Berres, Spiegel Online

Vitamin D: Sterben Menschen mit Vitamin-D-Mangel früher?. Im Herbst und Winter bekommt die Haut weniger Sonne ab - und produziert weniger Vitamin D.  (Quelle: dpa)

Im Herbst und Winter bekommt die Haut weniger Sonne ab - und produziert weniger Vitamin D. (Quelle: dpa)

Im Winter schwinden mit der Sonne die Vitamin-D-Vorräte im Körper. Laut einer großen Studie könnte ein Mangel das Risiko erhöhen, frühzeitig zu sterben. Vitamintabletten empfehlen die Forscher trotzdem noch nicht.

Es hat die Zeit begonnen, in der die Sonne in Deutschland schon um vier Uhr nachmittags den Himmel in ein orangerotes Lichterspiel verwandelt, um wenige Minuten später hinterm Horizont zu verschwinden. Die Zeit, in der immer weniger Haut aus einem Rahmen von Schal und Mütze hervorlugt. Es ist die Zeit, in der mit den Sonnenstrahlen auf der Haut auch die Vitamin-D-Mengen im Blut der Bevölkerung schwinden.

Nur mit Sonnenlicht bildet der Körper Vitamin D

Das Vitamin kommt zwar in fetthaltigem Fisch und anderen Speisen vor. Die Nahrung allein reicht in der Regel allerdings nicht aus, um den Körper genügend mit dem Stoff zu versorgen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf ihrer Homepage. Stattdessen benötigt der Mensch zusätzlich Sonnenlicht auf seiner Haut, mit dessen Hilfe er das Vitamin selbst bilden kann. Doch was ist, wenn dies im Winter oder auch grundsätzlich in zu geringen Mengen passiert?

Studien weisen darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel die Knochen spröde macht und das Risiko für Krebs und Demenz unter Umständen steigert, ganz genau weiß das aber noch niemand. Für eine aktuelle Analyse hat ein Team um Shoaib Afzal von der Universität Kopenhagen jetzt die Frage untersucht: Sterben Menschen, denen es genetisch an Vitamin D mangelt, früher als Menschen, denen reichlich davon zur Verfügung steht? Die Ergebnisse zeigen, wie bedeutend das Vitamin möglicherweise für den Körper ist - und mit welcher Vorsicht wissenschaftliche Ergebnisse zu interpretieren sind.

Daten von knapp 96.000 Dänen analysiert

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Daten von knapp 96.000 Dänen, die über Jahre hinweg begleitet worden waren. In der Zeit starben mehr als 10.000 von ihnen. Um herauszufinden, ob der Vitamin-D-Spiegel dabei eine Rolle spielte, konzentrierten sich die Forscher auf zwei Gene der Teilnehmer, die beide die Vitamin-D-Produktion in der Haut beeinflussen. Je nachdem, welche Variante der Gene die Teilnehmer in ihrem Erbgut trugen, konnten sie mehr oder weniger Vitamin D produzieren, berichten die Wissenschaftler im "British Medical Journal".

Damit hatten die Forscher im Vergleich zu bisherigen Studien, die in der Regel die Vitamin-D-Menge im Blut untersucht hatten, einen entscheidenden Vorteil: Die Vitamin-D-Konzentration im Blut hängt neben den genetischen Voraussetzungen stark vom Verhalten ab. Ist jemand viel an der frischen Luft? Ernährt er sich ausgewogen? Beides wirkt sich auch abseits vom Vitamin-D-Spiegel stark auf den Körper aus und ermöglicht so nur schwer Aussagen über die Gesundheitswirkung des Vitamins.

Genetisches Risiko für Vitamin-D-Mangel

Die Gene hingegen entscheiden nur über den Vitamin-D-Spiegel und unabhängig vom Verhalten über die Gesundheit. So hingen auch in der aktuellen Studie die Vitamin-D-Werte im Blut der Teilnehmer etwa mit dem Rauchverhalten, körperlicher Aktivität und Übergewicht zusammen, in den Gruppen mit den verschiedenen Genvarianten hingegen waren die Teilnehmer bunt gemischt.

Tatsächlich konnten die Forscher beobachten, dass mit den Genvarianten die Menge des Vitamin D im Blut der Versuchsteilnehmer variierte - wenn auch nur gering. Mit jeder Genvariante, mit der sich die Vitamin-D-Produktion verringerte, stieg das Risiko der Studienteilnehmer für einen frühzeitigen Tod um zwei Prozent an. Sie galten für Todesfälle durch Krebs, nicht aber für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die frühere Studien auch im Zusammenhang mit Vitamin D gebracht haben. Dabei handelte es sich allerdings um Untersuchungen, die auf Blutwerten und nicht auf genetischen Analysen basierten.

Vitamin D von der Sonne, Tabletten oder Fisch?

Die Studie sei robust, schreiben Forscher in einem begleitenden Editorial. Und doch warnen sie davor, die Ergebnisse überzuinterpretieren. Die beobachteten Unterschiede in der Sterblichkeit seien gering, schreiben Paul Welsh und Naveed Sattar von der British Heart Foundation. Da dies die erste genetische Studie dieser Art zu diesem Thema war, gelte das epidemiologische Klischee: "Es braucht mehr Daten, um die Erkenntnisse zu bestätigen".

Ähnlich vorsichtig sind auch die Forscher selbst. Zur Einnahme von Vitamin-D-Tabletten, um gesund zu bleiben, wollen sie noch nicht raten. "Wir wissen noch immer nicht, welche Mengen an Vitamin D zugeführt werden müssten", schreibt Studienautor Borge Nordestgaard in einer Mitteilung. Genauso wenig sei bekannt, in welcher Form das Vitamin am effektivsten wirke: Wenn der Körper es selbst mithilfe der Sonne produziert, wenn er es über die Ernährung aufnimmt oder doch wenn er ein Nahrungsergänzungsmittel schluckt?

Die Antwort auf diese Frage können nur Studien liefern, in denen Forscher die Wirksamkeit der Tabletten direkt mit Patienten erforschen. Kleinere Untersuchungen gab es dazu bereits, die Ergebnisse einer großen Studie werden 2017 erwartet. "Erkenntnisse sind absehbar", schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Untersuchung. Für die Forschung sind die zwei bis drei Jahre bis zu den Ergebnissen eine geringe Zeitspanne. Patienten und Ärzte aber müssen bis dahin noch viel Geduld aufbringen. Denn erst dann werden Forscher sicher sagen können, ob die Tabletten die Gesundheit schützen. Oder eben nicht.

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