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Chronischer Durchfall: Eine Stuhltransplantation kann helfen

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Immer mehr Fälle  

Experte warnt: "Dieser Darmkeim kann gefährliche Folgen haben"

15.01.2016, 18:29 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Chronischer Durchfall: Eine Stuhltransplantation kann helfen. Fünf Prozent der Bevölkerung tragen den Darmkeim Clostridium difficile in sich. (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention)

Fünf Prozent der Bevölkerung tragen den Darmkeim Clostridium difficile in sich. (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention)

Durchfall ist nicht gleich Durchfall. Spätestens, wenn sich nach drei Tagen keine Besserung einstellt oder Blutungen die Erkrankung begleiten, sollte man einen Arzt aufsuchen. Denn hinter den Beschwerden kann der Darmkeim Clostridium difficile stecken. Und das kann gefährlich werden.

Für den Darmkeim Clostridium difficile besteht nicht umsonst eine Meldepflicht: In letzter Zeit sei auch in Deutschland eine Zunahme von Infektionen beobachtet worden, die mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergehen, warnt das Robert- Koch-Institut (RKI). Laut den Experten müsse mit einer Zunahme von neuen Subtypen mit resistenten Eigenschaften gerechnet werden. "In Übereinstimmung mit den zuständigen Seuchenreferenten der Länder wird davon ausgegangen, dass schwer verlaufende Infektionen durch C. difficile als bedrohliche Krankheit zu werten sind", steht auf der Webseite des RKI geschrieben. Zudem bestehe eine Gefährdung für die Allgemeinheit.

Durchfallerkrankung mit schwerwiegenden Folgen

Doch was kommt da auf uns zu? "Das Krankheitsbild des Keims kann gefährlich sein", sagt Professor Wilfried Bautsch, Chefarzt am Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene des Klinikums Braunschweig. "Es kann zu einem breiten Spektrum von Durchfallerkrankungen kommen – vom weichen Stuhl bis hin zu lebensgefährlichen blutigen Durchfällen."

Hat sich der Erreger im Dickdarm angesiedelt, schüttet er Gifte, sogenannte Toxine, aus, welche die Schleimhaut angreifen und die Zellen zerstören. Neben den starken Durchfällen kann es – abhängig vom Schweregrad der Erkrankung – zu unstillbaren Blutungen und Versagen der Darmtätigkeit kommen. "Dann wird es kritisch", warnt Bautsch. Besonders für ältere Menschen stellt Clostridium difficile eine Gefahr dar.

Bei meldepflichtiger Infektion 50 Prozent Sterberate

Die schwere Form einer Infektion mit C. difficile ist meldepflichtig. 2013 seien in Deutschland von ihr mehr als 1100 Patienten betroffen gewesen. 659 von ihnen seien gestorben. "Das ist mehr, als wir noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten haben", sagt der Experte. Sehr viel mehr Menschen seien mit leichteren Verlaufsformen in Krankenhäuser eingeliefert worden.

"Winterschlaf" macht Bakterium widerstandsfähig

Ohne die richtige Hygiene verbreitet sich das Bakterium schnell. "Eigentlich kann sich der Erreger nur unter sauerstoffarmen Bedingungen vermehren, also im Dickdarm. Allerdings besitzt er die Eigenschaft, mit Hilfe von Sporen in eine Art "Winterschlaf" zu verfallen. So ist er auch in sauerstoffreicher Umgebung überlebensfähig und kann weitergetragen werden", erklärt Bautsch zum Vorgang der Schmierinfektion.

Nicht mehr nur im Krankenhaus ein Problem

Die genauen Übertragungswege sind noch nicht abschließend geklärt. Eigentlich handelte es sich bei C. difficile um einen Krankenhauskeim. Laut dem Chefarzt werden Keime im Krankenhaus im Wesentlichen durch "Schmierinfektion" weitergegeben, bedingt durch die enge Arbeit mit den Patienten. Doch mittlerweile ist Clostridium difficile auch außerhalb von Krankenhäusern verbreitet. Bereits 40 Prozent der Infektionen haben außerhalb der Kliniken ihren Ursprung, weiß Bautsch. Schätzungen zufolge tragen etwa fünf Prozent der Deutschen den Erreger in sich, ohne dies zu merken.

Kranke Darmflora ist die ideale Angriffsfläche

Damit der Darmkeim aktiv werden kann, braucht er eine Angriffsfläche. In dem Fall eine geschädigte Darmflora. Dazu kommt es in den meisten Fällen durch die Einnahme von Antibiotika. Denn diese zerstören die gesunde Bakterienflora des Darms und bieten dem Keim einen geeigneten Nährboden.

"Verteufeln sollte man Antibiotika allerdings nicht, denn sie können Leben retten. Wichtig ist, dass sie bewusst eingesetzt werden. Bei einer normalen Erkältung beispielsweise sind sie völlig fehl am Platz", betont der Experte.

Bei etwa jedem fünften Patienten kommen die Durchfälle wieder

Die Behandlung der Patienten ist in zwei Bereiche unterteilt. Zum einen werden die direkten Folgen des Durchfalls behandelt. So werden unter anderem Elektrolytlösungen gegen den hohen Wasserverlust verabreicht. Im zweiten Schritt wird das Bakterium bekämpft. In der Regel wird der Befall mit einem Antibiotikum behandelt, dass den Darmkeim töten und die wichtigen Darmbakterien möglichst erhalten soll.

Doch diese Therapie schlägt nicht immer an. Der Grund: "Clostridium difficile wächst dann schneller, als sich die natürliche Darmflora erholen kann", sagt Bautsch. Etwa jeder fünfte Patient hat mit immer wiederkehrenden, schweren Durchfällen zu kämpfen.  

Stuhltransplantation kann eine Lösung sein

Bleiben die Antibiotika wirkungslos, kann häufig auch eine Stuhltransplantation helfen. "Die Erfolgsraten liegen bei über 90 Prozent", sagt der Chefarzt. "Die Forschungen nach der idealen Bakterienzusammensetzung, um die Erkrankung zuheilen, laufen auf Hochtouren."

Hände waschen und desinfizieren

Doch welche Schutzmaßnahmen gibt es? In den Krankenhäusern kommt es hauptsächlich auf das Hygieneverhalten des Pflegepersonals und der Ärzte an. Im privaten Bereich empfiehlt Bautsch Patienten, die Antibiotika einnehmen, regelmäßig die Hände zu waschen. Besonders nach jedem Toilettenbesuch.

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