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Schnarchen kann gefährlich sein

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Lästiges Leiden  

Schnarchen sägt nicht nur an den Nerven

26.02.2015, 10:53 Uhr | dpa-tmn

Schnarchen kann gefährlich sein. Schnarchen belastet nicht nur den Schlaf des Partners, sondern auch die eigene Gesundheit. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schnarchen belastet nicht nur den Schlaf des Partners, sondern auch die eigene Gesundheit. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mitten in der Nacht geht es los: Erst lautes Atmen, dann ein Pfeifen beim Ausatmen. Schnell anstupsen, vielleicht hilft es. Nein! Das nervtötende Sägen setzt ein - mit Rütteln und Rufen ist jetzt nichts mehr zu holen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Wer sein Bett mit einem Schnarcher teilt, hat es nicht leicht. Nacht für Nacht wird gesägt. Aber auch der Schnarcher selbst hat sein Päckchen zu tragen. Denn der eigenen Gesundheit kann das Schnarchen ebenfalls schaden.

Aufgeben und auf die Couch umziehen oder gleich getrennte Schlafzimmer ist oft die beste Chance auf Schlaf, wenn man das Bett mit einem Schnarcher teilt. Aber auch der Schnarcher selbst hat es nicht leicht. Trockener Mund, Schwitzen, Schläfrigkeit, das sind nur einige der Probleme, die Betroffene haben. Schwierigkeiten mit der Konzentration, weniger Lust auf Sex und Kopfschmerzen am Morgen sind weitere Folgen.

Schnarcher haben spezielle Anatomie

Das Schnarch-Geräusch entsteht durch die Vibration von Weichteilen in den oberen Atemwegen, häufig durch das erschlaffte Gaumensegel und Zäpfchen. Die Vibration erhöht sich, wenn die Muskelspannung beim Einschlafen abnimmt. Dabei kann es zu einer Verengung der oberen Atemwege kommen. Auch anatomische Besonderheiten wie große Mandeln, ein enger Rachen oder ein kleiner Unterkiefer können das Schnarchen verursachen, sagt Professor Ingo Fietze vom Schlafmedizinischen Zentrum der Charité Berlin.

Beim rhythmischen Schnarchen flattert das Zäpfchen bei jedem Atemzug hin und her wie ein Segel im Wind, wie Michael Herzog von der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) erklärt. Für den Partner ziemlich lästig, aber immerhin nicht gefährlich für den Schnarcher. Dagegen führe unrhythmisches Schnarchen, ein Symptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS), mit regelmäßigen Atemaussetzern zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Bluthochdruck.

Herzrisiko durch verschlossene Atemwege

Starkes Schnarchen kann auch Verspannungen auslösen, erklärt Hartmut Rentmeister vom Allgemeinen Verband Chronische Schlafstörungen Deutschland (AVSD). Bei der Schlafapnoe verschließen sich die oberen Atemwege für mindestens zehn Sekunden mehr als zehnmal pro Stunde. Das Gehirn reagiert auf den sinkenden Sauerstoffgehalt: Das Herz schlägt schneller, und der Betroffene rutscht vom Tiefschlaf in einen leichteren Schlaf. Dabei spannt sich die Muskulatur an, und die Atemwege öffnen sich, erklärt Herzog. Wer über Monate oder Jahre die Tiefschlafphase nicht erreicht, ist ständig müde und hat ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Schnarchen ist häufig eine Vorstufe zur Schlafapnoe. Während 30 bis 40 Prozent der Männer mit 40 Jahren schnarchen, sind es mit 60 Jahren rund 60 Prozent, schätzt Herzog. Frauen schnarchen nach der Menopause ähnlich häufig. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) leiden rund fünf Prozent der Erwachsenen am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom.

Bei starker Müdigkeit den Arzt aufsuchen

Schnarchen allein sei kein Grund, zum Schlafmediziner zu gehen, sagt Fietze. Erst wenn der Schlaf dauerhaft nicht erholsam ist oder sich der Bettnachbar beklagt und sogar Atemstillstände bemerkt, sollten Schnarcher handeln. Ansprechpartner sind Schlafmediziner wie Lungenärzte, Internisten, Neurologen, Psychiater und HNO-Ärzte.

Durch eine ambulante Schlafuntersuchung, die Polygraphie, lässt sich klären, ob der Patient eine schlafbezogene Atmungsstörung hat. Das Gerät misst etwa die Atembewegung, den Sauerstoffgehalt im Blut, den Puls und die Schlafposition in der Nacht. Standardtherapie des OSAS ist eine angepasste Maskenbeatmung für die Nacht. Die kontinuierliche Überdruckbeatmung (CPAP) übt so viel Druck auf die oberen Atemwege aus, dass die Muskulatur im Schlaf nicht zusammenfällt.

Eine Schlafendoskopie kann helfen, die Ursache des Schnarchens herauszufinden. In einem nachgeahmten Tiefschlaf untersucht der Schlafmediziner, wo genau die Vibration stattfindet. Liegt die Engstelle etwa am Gaumen oder an den Mandeln, kann eine Operation infrage kommen. "Der Erfolg hängt aber von der Anatomie ab", sagt Fietze. Nach zwei bis drei Jahren können die Beschwerden wiederkommen.

Übergewicht fördert Atemaussetzer

Beim rhythmischen Schnarchen oder einer leichten Schlafapnoe durch das Zurückfallen der Zunge kann eine sogenannte Protrusionsschiene das Schnarchen in den meisten Fällen verringern. Die Schiene hält den Unterkiefer in Position oder schiebt ihn vor, das wirke einer Verengung der Atemwege entgegen, erklärt Hartmut Rentmeister. Er empfiehlt, sich zunächst von einem Zahnarzt oder Kieferchirurgen beraten zu lassen, ob Zähne und Oberkiefer der Belastung standhalten. Eine günstigere Variante ist eine selbst gebastelte Kinnbinde, die den Mund geschlossen hält. Helfen können zudem spezielle Rucksäcke, die verhindern, das man auf dem Rücken schläft. Auch den Oberkörpers bis zu 30 Grad hochlegen, ist eine Möglichkeit.

Auf Alkohol, Rauchen, Schlafmittel und übermäßige Mahlzeiten vor dem Schlafen sollten Schnarcher verzichten. In rund neunzig Prozent der Fälle seien die OSAS-Patienten übergewichtig, sagt Herzog. Ihnen rät er, nachts die Atemmaske zu nutzen und tagsüber Sport zu treiben. "Viele haben nach dem Abnehmen kein Schlafapnoe-Syndrom mehr."

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