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Multiresistente Keime: Forscher warnen vor Gefahr im Krankenhaus

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Gefahr im Krankenhaus  

Forscher warnen vor multiresistenten Keimen

10.04.2015, 15:48 Uhr | dpa

Multiresistente Keime: Forscher warnen vor Gefahr im Krankenhaus. Bei Infektionen im Krankenhaus werden oft besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. (Quelle: imago/epd)

Bei Infektionen im Krankenhaus werden oft besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. (Quelle: epd/imago)

Es ist ein Horror-Szenario für Patienten und Krankenhauspersonal: Ein Patient infiziert sich mit Bakterien, gegen die Antibiotika machtlos sind. Im Vergleich zu anderen Infektionen ist die Zahl der Fälle mit multiresistenten Keimen vergleichsweise gering. Doch wenn der Erreger erst einmal kursiert, schrillen alle Alarmglocken.

So wurden im Januar 31 Patienten in Kiel positiv auf den gefährlichen Erreger Acinetobacter baumannii getestet. Auf einer Kinder-Intensivstation in Düsseldorf infizierten sich jüngst mehrere Säuglinge mit Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE).

Krankenhausinfektionen meist durch sensible Keime ausgelöst

Über die Zahl der Todesfälle durch multiresistente Erreger gibt es nur Schätzungen. Das Nationale Referenzzentrum (NRZ) an der Berliner Charité geht von maximal 6000 Menschen aus. Einig sind sich Experten darin, dass die meisten Krankenhausinfektionen durch sogenannte sensible Keime hervorgerufen werden. Gegen diese wirken Antibiotika.

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"Das ist ein Hype um die multiresistenten Erreger", sagt Petra Gastmeier vom NRZ. "Man kann genauso an einem sensiblen Staphylococcus aureus sterben wie an einem MRSA, seiner resistenten Variante." Multiresistente Keime bereiten der Medizinerin dennoch Kopfschmerzen. Während in Deutschland weniger MRSA-Fälle verzeichnet werden, nehmen andere Erreger zu, die gegen drei oder vier Antibiotika-Klassen resistent sind.

Ausnahmesituation: Wenn nichts hilft

Ein solcher Ausbruch versetze ein hiesiges Krankenhaus in die Situation von Ländern, in denen überhaupt keine Antibiotika zur Verfügung stehen, sagt Alexander Friedrich, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Groningen in den Niederlanden. "Es ist zwar nicht dasselbe, aber am Ende läuft es für den Patienten auf dasselbe hinaus. Wir hier in Europa sind verwöhnt und daran gewöhnt, dass uns immer geholfen werden kann."

Einige multiresistente Erreger sind nicht per se aggressiver als ihre Antibiotika-sensiblen Varianten. Aber sie lassen sich schlechter therapieren. Sie verbreiten sich in Krankenhäusern trotz der Standardhygiene - und der Einsatz von Antibiotika fördert ihre Ausbreitung sogar.

Doch im Krankenhausalltag wird oft abgewiegelt. "Da kann schon nichts passieren", beruhigten Schwestern im März 2013 einen Patienten in einem Berliner Krankenhaus. Neben dem Mann lag ein anderer Patient, der mit einem MRSA-Keim befallen war. "Das war ein ungutes Gefühl", erinnert sich der Patient. Erst als er darauf bestand, bekam er ein Einzelzimmer.

Erreger als "Mitbringsel" aus dem Urlaub

Aber wie gelangen solche Keime überhaupt ins Krankenhaus? "Man kann sie durchaus aus dem Urlaub mitbringen", sagt Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). "Zumindest, wenn man sich in Hoch-Risikoländern wie Indien in ein Krankenhaus begeben musste." Aber auch in Krankenhäusern in der Türkei, Italien, Griechenland, Israel oder an der Ostküste der USA häufen sich Multiresistenten, sagt er.

Das Risiko eines Erreger-Imports hat das Uniklinikum Leipzig untersucht. Das Ergebnis: Von fast 200 Reisenden fing sich in Gebieten mit vielen multiresistenten Keimen fast jeder dritte Kolibakterien mit Resistenzfähigkeit ein, darunter waren 11 von insgesamt 15 Indien-Urlaubern. Den Forschern zeigen die Ergebnisse, dass die Gefahr, Erreger unwissentlich in ein deutsches Krankenhaus einzuschleppen, groß ist.

Streit um Patientenscreening

Die Leipziger Wissenschaftler empfehlen, Patienten, die in den vergangenen sechs Monaten in Indien oder Südostasien waren, bei der Aufnahme im Krankenhaus auf die Erreger zu untersuchen. Die Stiftung Patientenschutz geht noch weiter und will ein Screening für alle Patienten.

DGHK-Sprecher Walger ist gegen ein generelles Screening. "Wenn man sich an die Basishygiene hält, kann man die Keime außerdem gut beherrschen." Entscheidend sei bei der Aufnahme in ein Krankenhaus, dass diejenigen Patienten erkannt würden, die mit einem multiresistenten Keim besiedelt seien.

In Deutschland kann jedes Krankenhaus selbst darüber entscheiden, wie es vorbeugt. In der Diskussion ums Screening schauen die Befürworter gerne auf die Niederlande. Dort wird jeder Patient gescreent, der zu einer Risikogruppe gehört, wie Friedrich erklärt. Als Risikogruppe gelten dort auch Patienten aus deutschen Krankenhäusern.

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