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Ein rätselhafter Patient: Nachts leidet das Herz

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Ein rätselhafter Patient  

Nachts leidet das Herz

11.04.2015, 18:27 Uhr | Von Dennis Ballwieser, Spiegel Online

Ein rätselhafter Patient: Nachts leidet das Herz. Im Ultraschall fällt eine Vergrößerung des rechten Herzens auf. (Quelle: The Lancet)

Im Ultraschall fällt eine Vergrößerung des rechten Herzens auf. (Quelle: The Lancet)

Die Patientin klagt über ständige Müdigkeit. Ihr Gesicht ist geschwollen, das Herz schlägt unregelmäßig. Besteht ein Zusammenhang mit dem Schlaganfall, den die Frau vor Monaten erlitten hat?

Die 73-Jährige kommt in die Klinik, weil sie abgeschlagen und benommen ist. Sieben Monate zuvor hatte sie einen Schlaganfall, ausgelöst vermutlich durch ihren unregelmäßigen Herzschlag. Arbeiten die Vorhöfe im Herzen nicht, wie sie sollen und schlägt das Herz insgesamt ohne festen Rhythmus, steigt das Schlaganfallrisiko.

Seit dem Zwischenfall nimmt die Frau Gerinnungshemmer, berichten ihre Ärzte um Han-Gil Jeong im Fachmagazin "The Lancet". Sie schläft zudem schlecht, ist tagsüber sehr müde und ihr Gesicht ist seit Monaten ebenso geschwollen wie ihre Glieder. Die durch Wassereinlagerungen verursachten Schwellungen haben in der vergangenen Woche deutlich zugenommen, bevor sie ins Krankenhaus in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul kommt.

Sie hat kein Fieber, ihr Blutdruck ist erhöht, der Puls normal, aber arhythmisch. Der Herzschlag klingt unsauber. Das EKG bestätigt das Vorhofflimmern, das Herz ist auf einer Röntgenaufnahme größer als normal.

Auffällige Blutwerte

Die Frau kann seit Tagen nicht Wasserlassen, dazu passend sind ihre Nierenwerte erhöht, ebenso die Leberwerte. Auch ein Laborwert, der Herzprobleme anzeigt, fällt auf. Schließlich sehen die Ärzte, dass die Patientin das bei der Atmung im Körper entstehende Kohlendioxid nicht ausreichend über die Lunge abatmet.

Die Mediziner untersuchen das Herz im Ultraschall. Die rechte Herzhälfte hat große Probleme, das Blut in die Lunge zu pumpen, Vorhof und Kammer sind stark vergrößert. Die Frau hat immer größere Atemprobleme, so dass sie schließlich mit einem Beatmungsschlauch versorgt und beatmet werden muss. Erst nach drei Tagen kann sie wieder ohne maschinelle Hilfe atmen.

Keine Erklärung in der CT

Zunächst nehmen die Ärzte an, das Herz der Frau habe akut versagt. In einer Computertomografie (CT) finden sie allerdings keine Erklärung für die akute Verschlechterung, wie zum Beispiel eine Lungenembolie oder eine Lungenkrankheit. Die das Herz versorgenden Gefäße wirken ebenfalls normal, so dass ein Infarkt unwahrscheinlich ist. Auch die Ergebnisse einer Herzkatheteruntersuchung können das Versagen des Organs nicht erklären.

Bei der weiteren Suche nach Ursachen fällt den Medizinern auf, dass die Frau nicht normal atmet, vor allem im Schlaf. Bei einer weiteren Blutuntersuchung bestätigt sich, dass zu wenig Sauerstoff und zu viel Kohlendioxid im Körper kreisen. Jetzt beobachten die Ärzte die Atmung im Schlaf genauer und sehen, dass die Patientin an Schlafapnoe leidet - unregelmäßigen Atemaussetzern im Schlaf, durch die der Körper mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird. Das erklärt auch die Müdigkeit am Tag.

Eine etablierte Behandlung

Für die Apnoe gibt es eine etablierte Behandlung: Fortan trägt die Frau nachts eine Atemmaske, die durch Druck verhindert, dass ihre Atemwege in sich zusammenfallen und die Atemaussetzer entstehen können. Drei Monate nach dem Beginn dieser Therapie, die zu Hause fortgesetzt werden muss, betrachten die Ärzte das Herz erneut im Ultraschall: Das Herz sieht deutlich normaler aus, es funktioniert besser.

Eineinhalb Jahre nach der Aufnahme in die Klinik schläft die Patientin immer noch mit der Atemmaske, ihr Herz zeigt keine Anzeichen eines Herzversagens mehr. Außerdem schläft sie besser und ist tagsüber nicht mehr müde.

Bei den meisten Patienten wird die Schlafapnoe durch Übergewicht und fehlende Muskelspannung verursacht, bei der 73-Jährigen ist allerdings der Schlaganfall für die Atemaussetzer verantwortlich, berichten die koreanischen Ärzte. Das Atemzentrum im Stammhirn ist offensichtlich in Mitleidenschaft gezogen, das die automatische Atmung im Schlaf steuert.

Durch Feedbackmechanismen des Atemzentrums kann dann der Druck in den Lungengefäßen steigen, so dass das rechte Herz gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten muss. Das kann zum Herzversagen führen - was bei dieser Patientin besonders schnell geschah.

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